O.J. Simpson und Nicole Brown Simpson. - Bildquelle: imago/ZUMA PressO.J. Simpson und Nicole Brown Simpson. © imago/ZUMA Press

München - Ganze Generationen kennen ihn. Sie haben ihn geliebt, gefeiert und verehrt, als Football-Star der Buffalo Bills und der San Francisco 49ers.

Damals, in den 70er Jahren, als er als Running Back von 1969 bis 1979 auf 11.236 Rushing Yards und 61 Touchdowns kam. Sechsmaliger Pro Bowler. NFL MVP. Hall of Famer. Eine Legende, vor allem bei den Bills.

Sie lachten herzhaft über ihn, über Detective Nordberg aus der legendären Komödie "Die nackte Kanone", eine Kult-Trilogie, die von 1988 bis 1994 die Kinos eroberte. An der Seite von Leslie Nielsen.

Tja, und sie haben mit ihm gelitten, ihn verteufelt, an ihm gezweifelt, ihn verurteilt oder ihm geglaubt, als er 1995 als mutmaßlicher Doppelmörder in einem beispiellosen Indizienprozess vor Gericht stand.

O.J. spaltet die Öffentlichkeit

Fakt ist: O.J. Simpson spaltet die US-Öffentlichkeit. Und fasziniert sie. Heute noch. 

Auch 25 Jahre nach dem Tag, über den der heute 71-Jährige nicht mehr sprechen möchte. Nie mehr. Über den 12. Juni 1994, als seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihr Begleiter Ron Goldman ermordet wurden, niedergemetzelt.

Nichts war mehr wie vorher. Für die Hinterbliebenen sowieso nicht, aber auch für Simpson, ja für eine ganze Nation nicht, die in dem auf mehreren US-Sendern live übertragenen Prozess ihren einstigen Helden mit den Vorwürfen konfrontiert sahen.

Die Bilder der Live-Verfolgungsjagd, als die Polizei den flüchtigen Simpson quer durch Beverly Hills jagte, gingen um die Welt. Dazu jenes mit den nicht passenden Handschuhen - ein Symbolbild für all das, was der Strafprozess war: 
Ein sensationslüsterndes Spektakel, und auch ein Skandal. Fast ein Jahr dauerten der Prozess, durchzogen von Rassismus, Fehlverhalten der Polizei, häuslicher Gewalt.

Im Strafprozess unschuldig - im Zivilprozess schuldig

Das Ende ist bekannt, wurde diskutiert, untersucht, angezweifelt, dokumentiert und verfilmt: Simpson wurde freigesprochen, auch wenn die Beweise teilweise erdrückend waren. Das Land war getrennt: Für große Teile der weißen Bevölkerung kam er mit einem Doppelmord davon, für viele schwarze US-Amerikaner war und ist er immer noch unschuldig.

In einem Zivilprozess zwei Jahre später war er es nicht mehr. 1997 wurde er dazu verurteilt, 33,5 Millionen Dollar zu zahlen. Einen Großteil der Strafe hat er bis heute nicht bezahlt, denn der frühere Multi-Millionär gab angeblich wiederum einen Großteil seines Vermögens für die hochklassige Verteidiger-Riege in dem Mordprozess aus.

2017 vorzeitig entlassen

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er wegen eines Überfalls im Jahr 2007 in einem Hotel in Las Vegas zu einer 33-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Er hatte gemeinsam mit Komplizen in Las Vegas zwei Sammler von Fan-Artikeln mit Waffengewalt zur Herausgabe von Devotionalien gezwungen. 2017 wurde er vorzeitig entlassen.

 

Simpson lebt heute in Las Vegas, hat engen Kontakt zu seinen beiden jüngeren Kindern Justin und Sydney aus der Ehe mit Nicole Brown und zur älteren Tochter Arnelle aus seiner früheren Ehe mit Marguerite Whitley. 

Die Knie sind künstlich, seine Augen haben eine Laser-OP hinter sich, dafür spielt er jeden Tag Golf. Gäbe es die Vergangenheit nicht, wäre er ein normaler Rentner, eine lebende NFL-Legende, die ihren Ruhestand genießt. 

Auch wenn er das nicht ist, versucht er genau das zu sein, so gut es eben geht.

"Wir fokussieren uns auf das Positive"

"Wir dürfen nicht zurückgehen und die schlimmsten Tage unseres Lebens wieder aufleben lassen. Der Moment ist das Thema, auf das ich nie wieder zurückkommen werde", sagte Simpson der Associated Press. "Meine Familie und ich sind weitergezogen, in eine, wie wir sie nennen - 'Nicht-Negative Zone'. Wir fokussieren uns auf das Positive."

Das Positive sehen - Ron Goldmans Schwester Kim versucht das auch. Es fällt ihr nur etwas schwerer als Simpson.

Sie ersticke nicht in ihrer Trauer, sagte sie: "Aber jeder Meilenstein, den mein Kind erreicht, den ich erreiche, sind Erinnerungen daran, dass ich sie nicht mit meinem Bruder teilen kann."

Podcast zum Jahrestag

Sie will zum 25. Jahrestag des Todes von Ron Goldman einen zehnteiligen Podcast veröffentlichen. Auch wenn Simpson wegen des amerikanischen Rechtssystems für eine Tat nicht zweimal angeklagt werden kann, will sie weiter kämpfen um zu beweisen, dass er schuldig ist.

Simpson hat stets seine Unschuld beteuert, der Fall gilt immer noch als ungelöst. Sein Ruhm ist verblasst, nur noch eine Erinnerung, die sportlichen Erfolge sind nur noch Zahlen. Trotzdem sagt er: "Das Leben ist schön."

Er dürfte der einzige in dem Mordfall sein, der so denkt. 

Andreas Reiners

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