Die Teambesitzer der NFL um Robert Kraft (li.) haben dem Tarifvertrag zugest... - Bildquelle: gettyDie Teambesitzer der NFL um Robert Kraft (li.) haben dem Tarifvertrag zugestimmt. © getty

München - Nach gut elf Monaten Verhandlungen ist der Grundlagenvertrag zwischen NFL und Spielergewerkschaft NFLPA - das sogenannte Collective Bargaining Agreement (CBA) - fix. Abgesegnet. Und damit offiziell.

Die Teambesitzer der NFL hatten bereits im Februar dem Tarifvertragsvorschlag zugestimmt, die Spieler zogen nun bei einer Wahl nach: 1019 stimmten für "Ja", 959 dagegen.

 

Der Vertrag gilt ab der Spielzeit 2021, womit diese auch endgültig gesichert ist, für zehn Jahre.  

"Wir freuen uns, dass die Spieler für den neuen CBA gestimmt haben, der allen derzeitigen und pensionierten Spielern erhebliche Vorteile bringt, die Anzahl der Jobs erhöht, weitere Fortschritte bei der Spielersicherheit gewährleistet und den Fans mehr und besseren Football bieten wird", erklärte Commissioner Roger Goodell. 

Der neue Tarifvertrag beinhaltet laut Medienberichten unter anderem folgende Veränderungen:

1. Ein zusätzliches Saisonspiel

Die reguläre Saison soll zukünftig 17 statt 16 Saisonspiele beinhalten.

2. Ein zusätzlicher Gamecheck

Die Saisonerweiterung soll sich für die NFL-Profis finanziell lohnen. Die Spieler erhalten nach dem 17. Saisonspiel einen weiteren Gamecheck - allerdings nur bis zu einer Maximalsumme von 250.000 US-Dollar.

3. Playoff-Erweiterung auf 14 Teams

Statt zwölf sollen zukünftig 14 Mannschaften an den Playoffs teilnehmen. Das bedeutet, dass nur noch ein Team je Conference das erste Playoff-Spiel überspringen darf und sich direkt für die Divisional Round qualifiziert. Bislang traf das auf zwei Teams je Conference zu.

 

Interessant: Selbst wenn die Spielergewerkschaft dem CBA nicht zustimmen, könnten die Besitzer die Playoff-Erweiterung laut einem Bericht der "Washington Post" bereits für die kommende Saison einführen. Sie sind der Meinung, dass sie die Zustimmung der Spieler gar nicht benötigen.

4. Größerer Kader

Der Kader aller NFL-Teams wird um jeweils vier Spieler erweitert. Zwei zusätzliche Spieler rücken in den aktiven Kader, zwei weitere in den Practice Squad. Der aktive Kader eines NFL-Teams würde damit auf 55 Spieler anwachsen, der Practice Squad auf zwölf Spieler.

Insgesamt entstehen dadurch 128 neue Kaderplätze in der NFL.   

5. Veränderungen beim Trainings Camp

Das Trainingslager vor Saisonbeginn soll spielerfreundlicher gestaltet werden. Dazu gehört unter anderem, dass maximal 2,5 Stunden pro Tag und insgesamt nur an 16 Tagen mit voller Ausrüstung und vollem Körperkontakt trainiert werden darf. Zudem sollen die Spieler mehr freie Tage erhalten, unter anderem ein dreitägiges Wochenende zum Abschluss des Trainingslagers.  

6. Lockerung im Umgang mit Marihuana

Die NFL macht große Zugeständnisse beim Marihuana-Konsum. Zahlreiche Spieler nutzen es als Schmerzmittel. Wurden die Spieler bislang schon ab dem 20. April auf Marihuana getestet, so würde es zukünftig nur noch ein Testfenster von zwei Wochen Anfang Juli zu Beginn des Trainingslagers geben. Hierbei wird die erlaubte Grenze wird von 35 auf 150 Nanogramm heraufgesetzt.

Sollte während der Saison ein erhöhter Konsum bei allgemeinen Tests festgestellt werden, entfällt die übliche Sperre von vier Spielen. Sollte ein Spieler allerdings wegen Marihuana-Besitzes verhaftet werden, kann er weiterhin gesperrt werden.

7. Disziplinarische Maßnahmen liegen nicht mehr allein in Goodells Hand

Viele Spieler stören sich daran, dass NFL-Boss Roger Goodell allein über disziplinarische Strafen entscheidet - zum Beispiel bei dem Vorwurf häuslicher Gewalt. Zukünftig soll ein neutraler Entscheidungsträger, der von der NFL und der Spielergewerkschaft gemeinsam bestimmt wird, das letzte Wort über disziplinarische Maßnahmen haben.

8. Fifth Year Option mit mehr Garantien für die Spieler

Die Fifth Year Option, mit der ein Erstrundenpick nach Ablauf seines vierjährigen Rookie-Vertrags für ein weiteres Jahr an seine Franchise gebunden werden kann, wird weiterhin nach dem dritten Jahr gezogen. Neu ist: die Gehälter des vierten und fünften Vertragsjahrs sind voll garantiert.

 

Zudem hängt das Gehalt der Fifth Year Option nicht mehr einzig und allein davon ab, an welcher Position der Spieler ausgewählt wurde. Käme ein Spieler in zwei von drei Jahren auf eine Pro Bowl-Nominierung, würde er mit der Fifth Year Option genauso viel verdienen wie ein Spieler, der mit dem Franchise Tag belegt wurde.

9. Nur noch ein Tag

Bislang konnten die Teams sowohl den Franchise als auch den Transition Tag nutzen, um einen Spieler für eine weitere Saison an den Klub zu binden. Mit dem neuen CBA können die Teams nur noch einen von beiden Tags nutzen.

10. Höherer Anteil am Kuchen

Durch den Deal wird der Anteil der Spieler an den Einnahmen erhöht. Zunächst 2021 von 47 auf 48 Prozent und dann auf mindestens 48,5 Prozent in den Saisons, die auf 17 Spieltage ausgeweitet werden. Der Anteil hängt auch davon ab, welche Einnahmen die Liga bei den Verhandlungen um den neuen TV-Deal herausschlagen kann. Maximal sind für die Spieler 48,8 Prozent drin.

11. Mehr Geld für die "Kleinen"

Mit ein Grund für das "Ja": Die Spieler, die das Grundgehalt kassieren, profitieren. Laut NFL spielen rund 60 Prozent der NFL unter diesen Minimal-Deals, die nach Erfahrung beziehungsweise Anzahl der Saisons gestaffelt sind. Sie steigen durch die Zustimmung sofort um jeweils 20 Prozent an.

Wer also zum Beispiel 2020 ursprünglich das Grundgehalt von 510.000 Dollar (bei weniger als einem Jahr NFL-Erfahrung) kassieren sollte, bekommt nun 610.000 Dollar. Bis 2030 steigen die Gehälter weiter an, dann werden es beim genannten Beispiel 1,065 Millionen sein.

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