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München - Dass es einmal so weit kommen würde, damit hätte man bei den Houston Texans wohl nicht gerechnet.

Laut NFL-Insider Chris Mortensen soll Deshaun Watson einen Abschied in Erwägung ziehen.

Jener Franchise Quarterback also, der noch vor Beginn der Saison einen Monster-Vertrag über fünf Jahre und mehr als 170 Millionen US-Dollar unterschrieben – und damit eigentlich ein Zeichen für seine Zukunft beim Team gesetzt hatte.

Texans machen viele Fehler

Doch dass der Spielmacher mit einem Abgang liebäugelt, kommt nicht von ungefähr. Bei kaum einer anderen Franchise häuften sich in den vergangenen Jahren die Fehler und Irritationen so sehr wie bei den Texans.

Am meisten erregte wohl der Trade von DeAndre Hopkins die Gemüter. Im März wurde der Star-Receiver zu den Arizona Cardinals getradet. Running Back David Johnson, ein Zweit- und ein Viertrundenpick im Gegenzug erschienen vielen Fans und Experten wie ein Witz. Houston machte sich nicht nur in den Augen vieler lächerlich, Deshaun Watson verlor auch seine Anspielstation Nummer eins.

In der Führung hakte es gewaltig. Bill O'Brien sorgte in den letzten Jahren in seiner Doppel-Funktion als Head Coach und Personalentscheider nicht nur mit der Hopkins-Affärefür Unverständnis.

Kein Erstrundenpick 2021

So tradete er im Sommer 2019 unter anderem zwei Erstrundenpicks sowie einen Viert- und einen Sechstrundenpick für Laremy Tunsil und Kenny Stills zu den Miami Dolphins. Die Neuzugänge machten aus dem Team jedoch nicht wie erhofft einen Titelanwärter, stattdessen können die Texans als Folge des Deals im kommenden Draft nicht in der ersten Runde zuschlagen. Dass es sich beim verlorenen Erstrundenpick 2021 um einen Top-3-Pick handelt, passt da nur ins Bild.

Seit Week 5 der vergangenen Regular Season ist O'Brien nicht mehr im Amt - für viele kam die Entlassung zu spät. Die Posten des Head Coach und des GM sind auch nach Saisonende noch vakant. Für Teambesitzer Cal McNair stehen also wegweisenden Entscheidungen an, in die sein Quarterback unbedingt mit einbezogen werden wollte. Doch es kam anders.

In der vergangenen Woche wurde Nick Caserio als neuer General Manager verpflichtet. Die ursprünglich von Watson empfohlenen Kandidaten wurden laut US-Berichten weder interviewt noch kontaktiert. Das Team wohl zahlte sogar einer externen Firma hunderttausende Dollar, um sie bei der GM-Suche zu unterstützen - nur um deren Rat komplett zu ignorieren. Und auch die Verkündung sorgte für Ärger.

Kein Gespräch mit Bieniemy

Genau wie beim Abgang von Hopkins erfuhr Watson die Neuigkeit aus der Presse, statt wie vereinbart gefragt oder zumindest vorher informiert zu werden. "Manche Dinge ändern sich nie", schrieb der 25-Jährige enttäuscht bei Twitter.

Und es kam noch schlimmer. Watson soll sich für Eric Bieniemy als neuen Head Coach ausgesprochen haben. Der Offensive Coordinator der Chiefs wurde ihm offenbar wärmstens von Patrick Mahomes empfohlen.

Zum Handeln veranlasste das die Texans jedoch nicht. Insgesamt sechs Teams haben aktuell keinen Cheftrainer: die fünf anderen führten Gespräche mit Bieniemy, die Texans verzichteten.

Watson mit bärenstarker Saison

Doch auch sportlich ist der Frust groß. Mit Deshaun Watson spielt einer der Quarterback-Superstars im Team, einer der besten der Liga. In aller Regel sind Teams mit einem derartigen Spielmacher Titelanwärter oder zumindest wettbewerbsfähig.

Nichts davon ist bei den Texans der Fall.

33 Touchdowns bei nur sieben Interceptions, mehr als 4.800 Passing Yards und die beste Completion Rate seiner Karriere sollten Teil großer Erfolge sein. Doch mit nur vier Siegen bei zwölf Niederlagen war der Playoff-Traum schnell ausgeträumt. Superstar J.J. Watt entschuldigte sich nach Ende des letzten Spiels der regulären Saison sogar. "Tut mir leid, dass wir eines deiner Jahre verschwendet haben", sagte der Defensve End. Damit beschreibt er Watsons Hauptproblem perfekt.

Watt wütet auf Pressekonferenz

Eine Pressekonferenz von Watt machte zudem deutlich, dass es auch innerhalb des Teams nicht immer stimmt. Nach der Pleite gegen die Bengals Ende Dezember trat der Superstar vor die Presse und wählte denkwürdige Worte.

"Wenn du hierher kommst, und nicht hart arbeitest, dann solltest du nicht hier sein. Das ist dein Job, wir bekommen dafür viel Geld. Es gibt eine Menge Leute, die uns zusehen und ihre Zeit und ihr Geld investieren, um unsere Trikots zu kaufen. Wenn man also nicht aufs Feld rausgeht, und gewinnen will, dann sollte man nicht hier sein. Denn das ist ein Privileg, es ist der tollste Job der Welt", wütete der 31-Jährige.

Zwei Wochen später befinden sich die Texans-Profis vorzeitig im Urlaub, das Team hat keinen Head Coach und Watson denkt an Abschied. Doch wäre das überhaupt denkbar?.

Gültiger Vertrag bei den Texans

Rein rechtlich hat der 25-Jährige keine Handhabe. Sein Vertrag ist gültig, die Chance auf eine vorzeitige Kündigung besteht nicht. Wohl aber hat der Spielmacher aufgrund seiner Position Macht. Würde er es auf eine Trennung anlegen, könnte er seinen Wechselwunsch öffentlich äußern und für Chaos sorgen.

Auch Methoden wie Trainingsstreik, Social-Media-Postings und verbale Attacken gegen die Führungsetage wären möglich. Watsons Ruf würde darunter aber enorm leiden, zudem ist es dem gläubigen Sportler eher weniger zuzutrauen. Bisher hat sich der frühere Clemson-Star immer vorbildlich präsentiert.

Trade von Watson für Rebuild?

Das Team selbst steht aus PR-Sicht aktuell miserabel da, die Anwesenheit von Watson ist einer der wenigen Lichtblicke. Am naheliegendsten wäre es also, das Gemüt des Spielmachers zu beruhigen und einen starken Coach zu installieren.

Allerdings wäre auch ein Trade eine Option. Für den Superstar könnte das Team - Verhandlungsgeschick vorausgesetzt – in noch nie dagewesene Sphären vordringen und etliche Erstrundenpicks sowie weitere Kompensationen aushandeln. Ein vollständiger Neuaufbau wäre damit wohl möglich. Aber einen Star-Quarterback im Alter von 25 Jahren zu verlieren wäre bitter - sehr sogar. Jedes NFL-Team träumt von diesem vermeintlichen Lotterie-Los zum Erfolg. Die Texans haben es gefunden, sie laufen aktuell aber Gefahr, es zu verspielen.

Am Ende liegt die Entscheidung darüber wohl bei General Manager Nick Caserio. Dem Mann also, von dessen Verpflichtung Watson aus den Medien erfuhr.

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