Seine letzte Saison in Detroit? Lions-Headcoach Matt Patricia. - Bildquelle: imagoSeine letzte Saison in Detroit? Lions-Headcoach Matt Patricia. © imago

München/Detroit - Wenn man sich das Roster der Detroit Lions anschaut, kommen viele Experten auf ein ähnliches Ergebnis: Dieses Team müsste eigentlich um die Playoffs mitspielen, doch aus irgendeinem Grund werden sie es nicht tun.

Mit vielen Baustellen ging man in die diesjährige Offseason, einige davon wurden stark adressiert. ran.de erklärt, warum die kommende Saison ein voller (Miss)erfolg werden könnte:

Die Ausgangssituation: Es kann nur besser werden

Die Lions blicken auf eine katastrophale Saison zurück. Lediglich drei Siege waren gleichbedeutend mit der schwächsten Bilanz seit 2009. Während die Offense bis zur Verletzung von Franchise-Quarterback Matthew Stafford durchaus überzeugen konnte, war die Defense ein regelrechtes Disaster.

Mit 284.4 erlaubten Yards pro Spiel durch die Luft rangierte man in der vergangenen Saison in dieser Kategorie auf dem letzten Platz. Insgesamt ließ man 400.4 Yards pro Spiel zu - gleichbedeutend mit dem vorletzen Platz.

Headcoach Matt Patricia muss es schaffen, sein defensives Genie in dieser Verteidigung zu implementieren. Auch wenn es dafür kuriose Maßnahmen bedarf.

Die Free Agency: Patriots 2.0

Am liebsten hätte Matt Patricia, ehemaliger Defensive Coordinator der New England Patriots, die gesamte Defense aus Foxborough mit nach "Motor City" gebracht, als er vor zwei Jahren zum Headcoach der Lions ernannt wurde. Spätestens nach dieser Offseason hat man das Gefühl, er setzt diesen Plan nun schrittweise um.

Mit Linebacker Jamie Collins kommt eine wichtige Stütze aus der im vergangenen Jahr so dominanten Patriots-Defense nach Detroit. Der 30-Jährige bringt vor allem Vielseitigkeit ins Linebacker-Corps der Lions. Egal ob Coverage, Pass-Rush oder Run-Stopper, mit seinen Fähigkeiten wird er Detroits Verteidigung direkt verbessern. 

Ein weiterer wichtiger Move war der Trade für Safety Duron Harmon, der - man möchte es kaum glauben - zuvor sieben Jahre bei den New England Patriots gespielt hat. Laut "Pro Football Focus" ist Harmon einer der konstantesten Safetys der NFL seit 2015, wenn es um Deep Coverage geht. 

Die Baustellen der katastrophalen Pass-Defense aus der vergangenen Saison werden mit diesem Trade unmittelbar adressiert. Ebenfalls soll hier die Verpflichtung von Routinier Desmond Trufant für Abhilfe sorgen, der den abgewanderten Star-Cornerback Darius Slay ersetzen soll. 

Der Draft: Ein Hoffnungsträger namens Jeff

Auf den ersten Blick ein klares Downgrade, könnte sich die Verpflichtung von Trufant jedoch als enorm wertvoll herausstellen. Mit dem 3. Pick wählten die Lions Cornerback Jeff Okudah als direkten Nachfolger von Slay aus. 

Weil die Position des Cornerbacks als eine der schwersten gilt, wenn es um die Umstellung von College zur NFL geht, wird Trufant zu Beginn die Lebensversicherung für Okudah sein. Während sich Trufant mit seiner Erfahrung um die Nummer-Eins-Receiver kümmert, kann sich Okudah als elitäre "Nummer Zwei" an die neuen Umstände anpassen. 

Auf mittlere Sicht soll Okudah zum Gesicht der Lions-Defense werden. "Alleine sein Wille großartig zu sein, sein Wille jede Aufgabe anzunehmen und sein Wille dieses Team besser zu machen und zu gewinnen, waren Gründe ihn zu draften", sagte Head Coach Patricia hinterher.

Bereits vor dem Draft fing Okudah an, sich auf die NFL vorzubereiten: "Ich lerne bereits die Arbeitsweise und was andere hätten ändern können, um früher erfolgreich zu sein. Ich will wissen, was es mit der NFL auf sich hat", wird er von "ESPN" zitiert. Die Hoffnungen in Detroit liegen bereits früh auf Okudahs Schultern. 

Die Offense: Im Normalfall Feuerwerk

Mit Offensive Tackle Halapoulivaati Vaitai in der Free Agency sowie mit Guard Jonah Jackson im Draft verstärkten die Lions auch ihre inkonstante Offensive Line, um Matthew Stafford zu unterstützen. Sollten die Lions ihre Line-Probleme in den Griff bekommen, könnte diese Offense eine der explosivsten der gesamten NFL werden.

Die Pass-Offense war bereits in der vergangenen Saison recht ansehnlich. So hat Quarterback Stafford mit Kenny Golladay, Marvin Jones Jr. und Danny Amendola drei überdurchschnittlich gute Receiver zur Verfügung.

Einen hohen Pick investierten die Lions zudem in Running Back D'Andre Swift, der das Backfield um Kerryon Johnson komplettiert. Besonders im Passspiel kann dieser eine zusätzliche Option für Stafford sein.

Generell scheint Patricia das Ziel, um Stafford möglichst viele Waffen zu sammeln, abgeschlossen haben: "In unserem Fall versuche ich, dass beste zu tun, indem wir um Matthew Stafford ein Team aufbauen. Das wichtigste ist, ihn mit Optionen zu versorgen", wird der Coach von "Fox News" zitiert.

Der Coach: Patricia auf dem Prüfstand

So ausgezeichnet Matt Patricias Karriere als Defensive Coordinator bei den Patriots verlief,  als Headcoach präsentierte er sich bis jetzt eher unglücklich. In zwei Saisons bei den Lions steht er insgesamt bei einer Bilanz von neun Siegen, 22 Niederlagen und einem Unentschieden. 

Zu wenig für ein Team, dessen Top10-Quarterback sich in den besten Jahren befindet. Zudem scheinen dem Coach nicht nur sportlich die Argumente auszugehen. So traten mehrere ehemalige Lions-Spieler gegen Patricias Arbeitsmethoden nach. 

Nachdem Patricia Darius Slay vor versammelter Mannschaft anging, kommentierte dieser den Vorfall im Nachhinein: "In dem Moment verlor ich meinen gesamten Respekt für ihn als Mann", sagte er zu "ESPN". 

Für General Manager Bob Quinn war dieser Zwischenfall noch kein Grund zu handeln: "Du kannst jeden in der Umkleidekabine fragen, alle Spieler stehen zu 100 Prozent hinter ihm als Trainer", sagte Quinn über Patricia in einem Videointerview.

 

Quo Vadis, Lions?

Nach den Tampa Bay Buccaneers sind die Detroit Lions wohl die größte Wundertüte in der kommenden Saison. Von Playoff-Run bis zu einem Top-5 Pick im Draft 2021, alles scheint derzeit möglich. Bei den amerikanischen Kollegen kommt bislang noch kein Optimismus auf, die Lions werden in den Power Rankings zumeist im hinteren Drittel der Liga gesehen.

Auch der Strength of Schedule spielt den Lions 2020 nicht in die Karten, ihnen wird der fünftschwerste Spielplan aller Teams prognostiziert. Dennoch darf man sie in der kommenden Saison nicht unterschätzen. Sollten Schlüsselspieler wie Matthew Stafford fit bleiben, können die Lions um den Einzug in die Playoffs mitspielen.

Matt Patricia weiß, dass sein Job in Gefahr ist. Die Hausaufgaben in der Defense wurden gemacht, jetzt heißt es das vorgenommene umzusetzen und die PS auf den Platz zu bringen.

Dieses Lions-Team ist auf dem Papier gut. Jetzt muss es zeigen, dass es auch gewinnen kann.

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