Endet die Dominanz der Patriots in der AFC East? - Bildquelle: GettyEndet die Dominanz der Patriots in der AFC East? © Getty

München - Die NFL-Teams befinden sich im Training Camp und die Saison 2020 rückt trotz der Corona-Pandemie immer näher. Vorher macht ran.de einen großen Division-Check - heute mit der AFC East.

New England Patriots

Vorsaison: 12-4 / Playoff-Aus in der Wild Card Round

Wichtige Neuzugänge: Cam Newton, Brian Hoyer

Wichtige Abgänge: Tom Brady, Stephen Gostkowski, Phillip Dorsett, Jamie Collins

Offense

Erstmals in diesem Jahrtausend blicken die New England Patriots ohne Tom Brady einer neuen Saison entgegen. Als Nachfolger wurde Cam Newton verpflichtet, der als mobiler Quarterback ein völlig anderer Spielertyp ist. Sorgen bereitet allerdings seine Verletzungsanfälligkeit. Zudem hatte er wenig Zeit, um sich an das Spielsystem der Patriots zu gewöhnen.

Die Alternative wäre Brian Hoyer, der immerhin eine Vergangenheit bei den Patriots hat und das Playbook weitestgehend kennen dürfte, allerdings nicht über die gleiche Qualität verfügt wie Newton. Der junge Jarrett Stidham spielt zunächst wohl keine Rolle, nachdem er in der Saisonvorbereitung einen schwachen Eindruck hinterließ und sich zudem verletzte.

Die Offensive Line rund um Left Tackle Isaiah Wynn ließ vergangene Saison lediglich 28 Sacks zu und dürfte erneut stabil sein. Auch hier gilt aber: Die O-Line muss sich an Newton gewöhnen, der nicht im Stil von Tom Brady stets in der Pocket bleibt.

In Running Back Sony Michel verfügen die Patriots über einen erstklassigen Running Back. Auch das Receiver Corps bietet mit Akteuren wie Julian Edelman oder N'Keal Harry gute Anspielstationen.

Defense

2019 ließ die Defense der Patriots die wenigsten Yards aller Teams zu. Doch der Aderlass ist groß: In Kyle Van Noy, Elandon Roberts und Jamie Collins wanderten drei Starting-Linebacker ab. Dann erklärte auch noch Dont'a Hightower sein Saisonverzicht. Head Coach Bill Belichick geht mit einer sehr unerfahrenen Linebacker-Crew in die Saison.

Damit nicht genug: Auch der abgewanderte Defensive Tackle Danny Shelton und Safety Patrick Chung, der die Saison wegen Corona aussetzt, hinterlassen große Lücken.

Dennoch dürfte die Secondary um Cornerback Stephen Gilmore und auch die Defensive Line auf Anhieb besser funktionieren als das ausgedünnte Linebacker Corps.

Player to watch: Cam Newton

Der selbsternannte Superman Cam Newton und der konservative Head Coach Bill Belichick – passt das zusammen? Von dieser Frage dürfte der Saisonverlauf der Patriots wesentlich abhängen.

Belichick lobt Newton, bezeichnet ihn als einen "fleißigen Spieler" mit "einzigartigen Fähigkeiten". Spielerisch mögen beide durchaus auf einen Nenner finden - aber menschlich?

Newton gilt als sehr sensibel, wurde daher in Carolina selbst nach schlechten Spielen meist nicht vom Trainerteam kritisiert. Belichick hingegen hatte selbst bei Tom Brady keine Scheu, ihn vor versammelter Mannschaft anzuschreien.

Hier treffen also zwei Alphatiere aufeinander, die sich erst einmal annähern müssen.

Prognose

Aufgrund der einschränkten Saisonvorbereitung dürfte es für die New England Patriots doppelt schwierig sein, sich auf einen anderen Quarterback als Tom Brady einzustellen. Selbiges trifft auf die Linebacker zu. Hier sind Abstimmungsprobleme vorprogrammiert. 

Bill Belichick ist der wohl beste Trainer der Geschichte. Er müsste allerdings ein Meisterstück vollbringen, um erneut in die Playoffs zu gelangen – Platz 2 in der Division.

Buffalo Bills

Vorsaison: 10-6 / Playoff-Aus in der Wildcard Round

Wichtige Neuzugänge: Josh Norman, Stefon Diggs, Quinton Jefferson

Wichtige Abgänge: Frank Gore, Lorenzo Alexander, Jordan Phillips

Offense

Quarterback Josh Allen, der Erstrundenpick aus dem Jahre 2018, hat sich mit seinem "Kanonenarm" und seiner Mobilität als Anführer der Bills etabliert. Seine Wurfgenauigkeit war 2019 mit 58,97 Prozent zwar ausbaufähig. Allerdings ist gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Verbesserung festzustellen.

Mit Stefon Diggs wurde ihm ein neuer Top-Receiver zur Seite gestellt. Gemeinsam mit John Brown und Cole Beasley bildet der Neuzugang ein starkes Passempfänger-Trio.

Running Back Devin Singletary geht in seine zweite Saison, erlief 2019 in nur zwölf Spielen 775 Yards und ist somit eine echte Waffe. Der Abgang von Routinier Frank Gore hinterlässt allerdings Spuren. Dafür ist die Offensive Line eingespielt.

Defense   

Die Defense ist das Prunkstück der Buffalo Bills und ließ in der vergangenen Saison die drittwenigsten Yards aller NFL-Teams zu. In der Offseason gab es allerdings eine gewisse Fluktuation. Jordan Philipps und Shaq Lawson, die 2019 für insgesamt 16 Sacks sorgten, haben das Team verlassen.

Dennoch ist der Pass Rush mit Neuzugängen wie Vernon Butler, Quinton Jefferson, Mario Addison und Zweitrunden-Pick A. J. Epenesa gut aufgestellt. Auch die übrigen Mannschaftsteile der Verteidigung sind gut besetzt.

Linebacker Tremaine Edmunds wurde vergangene Saison erstmals in den Pro Bowl gewählt und ist die Führungsfigur der Linebacker. Cornerback Tre'Davious White fing vergangene Saison sechs Interceptions und landete sogar im First-team All-Pro. Neu dabei ist der Cornerback-Routinier Josh Norman.

  

Kurzum: Diese Defense hat keine echte Schwachstelle.

Player to watch: Stefon Diggs

Nachdem Stefon Diggs die vergangenen fünf Jahre bei den Minnesota Vikings verbrachte und die vergangenen beiden Spielzeiten die Marke von 1000 Receiving-Yards durchbrach, soll er nun bei den Bills ähnliches vollbringen.

In Minnesota bekam er 2019 nach eigenem Empfinden zu wenig Bälle in seine Richtung geworfen, sodass die Anzahl seiner Catches gegenüber dem Vorjahr von 102 auf 63 sank. In Buffalo könnte er aufgrund seiner Fähigkeit, auch schwierige Bälle und tiefe Pässe zu fangen, die Anspielstation Nummer 1 sein.

Prognose

Die Buffalo Bills könnten von einer möglichen Schwächephase der New England Patriots profitieren und die Spitze der AFC East erklimmen.

Die Defense zählt trotz einiger personeller Veränderungen noch immer zu den besten der NFL. Und die Offense hat zumindest viel Entwicklungspotential – Platz 1 in der Division.

New York Jets   

Vorsaison: 7-9 / Playoffs verpasst

Wichtige Neuzugänge: Mekhi Becton, Frank Gore

Wichtige Abgänge: Jamal Adams, Demaryius Thomas, Robby Anderson

Offense

Schafft Quarterback Sam Darnold in seiner dritten NFL-Saison seinen Durchbruch? Von dieser Frage dürfte das Schicksal der New York Jets abhängen, die in den vergangenen neun Spielzeiten stets die Playoffs verpassten.

In den Spielzeiten 2018 und 2019 brachte Darnold lediglich 59,88 Prozent seiner Pässe an den Mann und erreichte ein enttäuschendes Quarterback-Rating von 81,0. Und dennoch: Head Coach Adam Gase ist von dessen Durchbruch überzeugt, weil Darnold das Spielsystem nun besser verinnerlicht haben soll.

Und das Wichtigste: Die Jets schufen die personellen Voraussetzungen, um der von den Yards her schlechtesten Offense der Saison 2019 auf die Sprünge zu helfen.   

Im Draft wurde an Position 11 der kolossartige Offensive Tackke Mekhi Becton ausgewählt. In Runde 2 fiel die Wahl auf den schnellen und großgewachsenen Wide Receiver Denzel Mims, der Darnolds liebste Anspielstation werden könnte.

Das Laufspiel der Jets war vergangene Saison das zweitschwächste der NFL. Dass Superstar Le’Veon Bell sein Potential nicht abrufen konnte, hing auch mit der schwachen Offensive Line zusammen.

Defense

Die Defense war 2019 das Prunkstück der Jets. Vor allem die Laufverteidigung funktionierte und ließ die zweitwenigsten Yards der gesamten NFL zu.

Diesmal allerdings ist die Verteidigung geschwächt, denn die zwei wichtigsten Spieler stehen 2020 nicht zur Verfügung. Linebacker C.J. Mosley nutzt seine Opt-Out-Möglichkeit. Und in Jamal Adams verlor New York den vielleicht besten Safety der gesamten Liga an die Seattle Seahawks. Im Gegenzug kam neben einigen Draft-Picks Bradley McDougald, der Adams allerdings nicht ersetzen kann.

Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: In Linebacker Avery Williamson meldet sich eine echte "Tackling-Maschine" wieder fit, nachdem er die Saison 2019 aufgrund eines Kreuzbandrisses verpasste.

Player to watch: Le’Veon Bell

2018 streikte Bell, weil er bei den Pittsburgh Steelers nicht unter dem Franchise Tag spielen wollte. 2019 bekam er den erhofften Mega-Vertrag bei den New York Jets, wurde den Ansprüchen allerdings nicht gerecht.

Pro Lauf kam er auf einen durchschnittlichen Raumgewinn von nur 3,2 Yards – der mit Abstand schlechteste Wert seiner Karriere.

2020 muss Bell beweisen, dass er die 52,5 Millionen Dollar für vier Jahre wirklich wert ist. Allerdings benötigt er für sein Spiel eine funktionierende Offensive Line.

Prognose 

Ohne einen starken Quarterback ist es kaum möglich, ein Team weiterzuentwickeln. Darnold agierte 2019 zwar bereits konstanter als in seiner ersten Saison, machte aber noch immer zu viele Fehler. Daran wird sich 2020 nichts ändern – auch wenn die Offense durchaus Potential hat.

Die Defense kann den Abgang von Adams nicht kompensieren. Die Passverteidigung wird darunter leiden, zumal auch der Pass Rush Defizite aufweist. Eine gute Laufverteidigung allein genügt nicht, um in der AFC East eine gute Rolle zu spielen – Platz 4 in der Division.

Miami Dolphins    

Vorsaison: 5-11 / Playoffs verpasst  

Wichtige Neuzugänge: Tua Tagovailoa, Austin Jackson, Byron Jones, Matt Breida

Wichtige Abgänge: Aqib Talib, Reshad Jones

Offense

Bei den Miami Dolphins stehen die Zeichen auf Neuaufbau. Viele namhafte Spieler wurden in den vergangenen Jahren weggeschickt, um Draft-Picks anzusammeln und eine Mannschaft mit Perspektive zusammenzustellen.

Der Nummer-5-Pick Tua Tagovailoa soll das zukünftige Gesicht der Franchise sein. Allerdings zog er sich im November eine schwere Hüftverletzung zu, die ihn trotz des bestandenen Medizinchecks noch immer beeinträchtigen dürfte. Routinier Ryan Fitzpatrick steht als Übergangslösung parat.

Auch die schwache Offensive Line (58 Sacks in der Saison 2019 – Höchstwert der NFL) wurde beim Draft mit Erstrunden-Pick Austin Jackson und Zweitrunden-Pick Robert Hunt aufgewertet. Center Ted Karras kommt zudem aus New England und bringt die Erfahrung aus zwei Super-Bowl-Siegen mit.

Die größte Schwachstelle war vergangene Saison das Laufspiel: Ein Durchschnitt von 72,3 Yards pro Spiel ist der schwächste Wert der NFL gewesen. Mit den verpflichteten Running Backs Matt Breida und Jordan Howard lässt sich dieses Problem beheben.

Defense

Die Defense der Miami Dolphins ließ vergangene Saison mehr Punkte zu als jedes andere Team der NFL. Auch der Pass Rush war mit 23 Sacks der schwächste der Liga. Doch die gute Nachricht lautet: 2020 wird die Verteidigung aufgrund vieler Verstärkungen besser funktionieren.

Emmanuel Ogbah und Shaq Lawson dürften als Edge-Verteidiger viel Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben. Das Linebacker Corps erhält durch Kyle Van Noy einen neuen Führungsspieler, der mit den New England Patriots zwei Mal den Super Bowl gewann.

Das Prunkstück der Defensive wird allerdings die Secondary sein. Cornerback Byron Jones wechselte von den Dallas Cowboys nach Miami. Gemeinsam mit Xavien Howard bildet er eines der besten Passverteidiger-Duos der NFL. Hinzu kommt Rookie Noah Igbinoghene, der im Draft an Nummer 30 ausgewählt wurde.

Player to watch: Tua Tagovailoa

Bis zu seiner schweren Hüftverletzung galt der Quarterback als sicherer Nummer-1-Pick. Danach nahm das Interesse vieler Teams ab, weil hinter seinem Gesundheitszustand ein großes Fragezeichen steht. Die Miami Dolphins nahmen das Risiko in kauf und pickten ihn an Position 5.

Ein fitter Tagovailoa hätte das Potential, mit seinem starken Wurfarm und seiner Genauigkeit einer der besten Quarterbacks der NFL zu werden. Seine Spielweise ist spektakulär – nicht zuletzt aufgrund seiner langen Pässe.

Die Zweifel rund um seinen Gesundheitszustand bleiben allerdings bestehen, bis er das Gegenteil beweist.

Prognose 

Die Miami Dolphins haben mit ihren vielen Neuverpflichtungen eine tolle Perspektive.

Sollte Tua Tagovailoa an die Leistungen anknüpfen, die er vor seiner Verletzung vollbracht hat, könnten die Dolphins mittelfristig sogar ein Titelanwärter sein - zumal sie in Brian Flores auch noch einen ausgezeichneten Head Coach haben. Es verdient Respekt, dass der Trainer 2019 dieser "Rumpftruppe" zu fünf Siegen verhalf.  

Für den Sprung in die Playoffs ist es 2020 vielleicht noch zu früh, weil die Mannschaft im Findungsprozess steckt. Dennoch werden die Dolphins bis zuletzt um einen Platz in der Postseason kämpfen. Spätestens in der Saison 2021 ist Miami in den K.O.-Spielen vertreten. Für die bevorstehende Saison lautet aber unser Tipp: Platz 3 in der Division.

von Oliver Jensen

Alle Checks der NFL-Divisions im Überblick:

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