Die AFC North in der Preview. - Bildquelle: gettyDie AFC North in der Preview. © getty

München - Die NFL-Teams befinden sich im Training Camp und die Saison 2020 rückt trotz der Corona-Pandemie immer näher. Vorher macht ran.de einen großen Division-Check: heute mit der AFC North.

Baltimore Ravens

Vorsaison: 14-2 / Aus in der Divisional Round gegen die Tennessee Titans

Wichtige Neuzugänge: Derek Wolfe, Calais Campbell, Patrick Queen

Wichtige Abgänge: Marshall Yanda, Michael Pierce

Offense:

Die spektakuläre Offense um MVP Lamar Jackson verliert mit Guard Marshall Yanda zwar einen kommenden Hall of Famer, doch die starke Offensive Line um Ronnie Stanley sollte den Verlust im Verbund auffangen können, Neuzugang D.J. Fluker wird Stand heute Yanda ersetzen.

Ansonsten wird das revolutionäre Laufspiel Baltimores noch variabler, Rookie J.K. Dobbins bringt neben Mark Ingram und Gus Edwards zusätzliche Explosivität ins Backfield. Der Running Back hat im College bei Ohio State mit über 2.000 Rushing-Yards und fast sieben Yards pro Lauf sein Können unter Beweis gestellt.

Bei den Ravens bleibt einzig die Frage, inwiefern Jackson seine sensationelle Saison wiederholen kann. Der Quarterback zeigte neben seinen gewohnten läuferischen Qualitäten eine atemberaubende Effizienz als Passer.

Fast jeder zehnte Pass resultierte in einem Score, Jackson warf die meisten Touchdowns (36) der NFL, obwohl 25 Quarterbacks mehr Wurfversuche hatten.

Die Receiver-Gruppe, inklusive der Tight Ends, die im Ravens-System eine große Rolle spielen, hat sich kaum verändert. Mark Andrews und Marquise "Hollywood" Brown bleiben Jacksons beste Anspielstationen, im Draft verstärkte sich das Team von John Harbough zusätzlich mit den Wide Receivern Devin Duvernay und James Proche.

Nichtsdestotrotz sind Jacksons Receiver noch die größte Schwachstelle in einer sehr homogenen Offense.

Defense:

Eine ohnehin giftige und gut besetzte Defense wurde in der Offseason gezielt verstärkt: Calais Campbell und Derek Wolfe sorgen in der Defensive Line für die fehlende Physis, die die Tennessee Titans bei der Playoff-Niederlage in Person von Derrick Henry ausnutzten. Damit hat General Manager Eric DeCosta die Line trotz Michael Pierce' Abgang verbessert.

Eine andere Lücke wurde im Draft geschlossen: Linebacker Patrick Queen passt mit seiner Athletik und seinen Cover-Skills perfekt ins Spielsystem der Ravens, als guter Blitzer kann er auch im aggressiven Scheme Baltimores auf Quarterback-Jagd gehen.

Das Prunkstück der Defense bleibt aber die herausragende Secondary: Nur dank All Pro Cornerback Marlon Humphrey, Pro Bowler Marcus Peters und dem Routinier Jimmy Smith sowie Chuck Clark kann Defensive Coordinator Don "Wink" Martindale sein aggressives Spielsystem erst durchsetzen.

Earl Thomas' Abgang schmerzt, doch die Ravens haben mit Deshaun Elliott und Geno Stone zwei Spieler im Kader, die das Talent dafür haben, dass der Verlust nicht allzu schwer wiegt.

Player to watch: Lamar Jackson

Der gesamte offensive Erfolg ruht auf den Schultern des amtierenden MVP, Baltimores System wäre ohne Jackson nicht umsetzbar. Dementsprechend spannend wird die weitere Entwicklung des Quarterbacks sein. Können sich Defenses 2020 besser auf Jackson einstellen?

Darüberhinaus muss auch die gesamte Offensive vielfältiger im Passspiel werden, damit Baltimores Laufspiel mit der Zeit nicht ausrechenbar wird und die Ravens-Schwächen auch bei hohem Rückstand nicht entblößt werden. Jacksons Passspiel hat sich in der vergangenen Saison stark verbessert, jetzt muss der Quarterback seine Leistungen bestätigen.

Prognose:

Die Ravens haben aus der Playoff-Niederlage gegen die Titans die richtigen Schlüsse gezogen und die Defense punktuell verstärkt. Es gibt keinen Grund, warum die Offense um Jackson nachlassen sollte, dafür ist das Laufspiel zu stark. Baltimore geht als klarer Favorit in der AFC North in die Saison und ist neben den Kansas City Chiefs der größte Super-Bowl-Kandidat aus der AFC - Platz eins in der Division.

Cincinnati Bengals

Vorsaison: 2-14 / Platz 4 in der Division

Wichtige Neuzugänge: Joe BurrowD.J. ReaderTrae Waynes

Wichtige Abgänge: Tyler Eifert

Offense:

In Cincinnati blickt natürlich alles auf den Nummer-1-Pick und großen Hoffnungsträger Joe Burrow. Ohne Preseason und einem nur sehr begrenztem Training Camp gibt es vor Saisonstart noch einige Fragezeichen, ein stockender Motor wäre zu Beginn keine Überraschung.

Dabei steht Burrow durchaus ein attraktives Arsenal zur Verfügung: Der wiedergenesene A.J. Green, Tyler Boyd und Joe Mixon können allesamt für Matchup-Probleme sorgen, außerdem stößt Rookie Tee Higgins dazu. Einzig auf der Tight-End-Position sind die Bengals nach Tyler Eiferts Abgang mit C.J. Uzomah als Starter dünn besetzt.

Kann die Offense also mit einer gewissen Anlaufzeit richtig explosiv werden? Jein. Denn wie bereits in der vergangenen Spielzeit könnte die Offensive Line zum Problem werden.

Zwar steht der 2018er Erstrunden-Pick Jonah Williams nach ausgestandener Schulterverletzung vor seinem NFL-Debüt, doch die restliche Line hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Einzig die Verpflichtung des ehemaligen Guards der Dallas Cowboys, Xavier Su'a-Filo, macht leicht Hoffnung auf Besserung.

Defense:

Auf der anderen Seite des Balls haben die Bengals einiges getan: D.J. Reader und Mike Daniels verstärken die Defensive Line und bilden mit Geno Atkins eines der besten Tackle-Trios der Liga. Zusammen mit den Defensive Ends Sam Hubbard und Carlos Dunlap ist Cincinnatis Pass Rush durchaus vielversprechend.

In der Mitte der Defense haben die Bengals weitere neue Gesichter, der ehemalige Ravens-Linebacker Josh Bynes und die Rookies Akeem Davis-Gaither und Logan Wilson sorgen für frischen Wind im Linebacker-Room Cincinnatis, gleichzeitig sind gerade bei den Rookies Anlaufschwierigkeiten zu erwarten.

Auch in der Secondary hat Besitzer und GM Mike Brown viel Geld investiert, Von Bell und Mackensie Alexander verstärken das Defensive Backfield sofort, Neuzugang Trae Waynes verpasst mit einem gerissenen Brustmuskel große Teile der Saison. Mit William Jackson und Jesse Bates, die schon in der Vergangenheit gute Ansätze zeigten, kann diese Secondary in der kommenden Saison positiv überraschen, auch wenn Waynes Verletzung natürlich schmerzt.

Player to watch: Joe Burrow

Wie kann ein Nummer-1-Pick, der ohne Preseason sofort starten muss, nicht die interessanteste Personalie des Teams sein? Burrow hatte in LSU eine fantastische Offense, die auf seine Stärken ausgelegt war und exzellent gecoacht wurde.

In Cincinnati wird es gerade zu Saisonbeginn deutlich schwieriger. Auch wenn Head Coach Zac Taylor sein System nach Burrow ausrichten sollte, kann gerade die löchrige Offensive Line zum Problem für Burrow werden.

Prognose:

Offense wie auch Defense haben auf dem Papier großes Potenzial, doch die vielen personellen Änderungen, inklusive die eines Rookie-Quarterbacks, brauchen Zeit, um sich zu finden. Die Corona-Pandemie erleichtert diesen Umstand nicht. Stabilisiert sich die Offensive Line, kann diese Mannschaft die Konkurrenz ein ums andere Mal ärgern. Mehr ist in der starken AFC North allerdings nicht drin - Platz vier in der Division.

Cleveland Browns

Vorsaison: 6-10 / Platz 3 in der Division

Wichtige Neuzugänge: Jack Conklin, Austin Hooper

Wichtige Abgänge: Joe Shobert, Christian Kirksey

Offense:

Bereits in der vergangenen Saison war die Euphorie in Cleveland riesig, es gab sogar Experten, die den Browns einen Super-Bowl-Run zugetraut hatten. Grund dafür war die ausgezeichnete Rookie-Saison Baker Mayfields, der gleich zu überzeugen wusste.

Am Ende der Spielzeit hatten die Browns mit dem Super Bowl aber nichts zu tun, es reichte nicht einmal für die Playoffs. Warum? Mayfield konnte seine erste Saison nicht bestätigen - im Gegenteil, der Quarterback machte einen klaren Rückschritt und war extrem anfällig für Turnovers (27 Ballverluste).

Die Gründe dafür waren vielfältig, individuelle Fehler paarten sich mit schlechtem Coaching unter Freddie Kitchens und einer schwachen Offensive Line. Das liegt mittlerweile hinter den Browns, Kevin Stefanski kam von den Minnesota Vikings und die wacklige Tackle-Position wurde mit Jack Conklin und Erstrunden-Pick Jedrick Wills Jr. rundum erneuert.

Darüberhinaus bekommt Mayfield mit Tight End Austin Hooper neben Odell Beckham Jr. und Jarvis Landry eine weitere explosive Waffe, die dem Quarterback das Leben erleichtern wird.

Im Laufspiel dürfte das Duo um Kareem Hunt und Nick Chubb hinter einer verstärkten Offensive Line noch häufiger als in der vergangenen Spielzeit eingesetzt werden, Stefanski etablierte bereits in Minnesota eine laufintensive Offensive. So wird Mayfield zusätzlich entlastet.

Defense:

Myles Garrett kehrt nach seiner Sperre zurück und hebt die Defensive Line auf ein neues Level, gemeinsam mit Oliver Vernon und Sheldon Richardson dürfte der Pass Rush gegnerischen Offensive Lines Probleme bereiten. Die Verpflichtung von Adrian Clayborn bietet zudem dringend benötigte Kadertiefe.

Auch die Secondary ist über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, die jungen Greedy Williams und Denzel Ward haben das Skill-Set, um den Laden regelmäßig sauber zu halten. Rookie-Safety Grant Delpit ist ebenfalls exzellent in der Passverteidigung, Kevin Johnson, Terrance Mitchell und Andrew Sendejo bieten abermals Tiefe für den Kader.

Wäre die Linebacker-Gruppe nicht ebenfalls Bestandteil einer Defense, könnte Cleveland eine Top-5-Einheit haben, doch so läuft es in der NFL natürlich nicht.

Die Abgänge von Joe Schobert und Christian Kirksey wurden qualitativ nicht ebenbürtig ersetzt, so müssen die beiden Vorjahres-Rookies Mack Wilson und Sione Takitaki mehr Verantwortung übernehmen. Die Browns müssen kreativ werden und größtenteils mit mehr Defensive Backs auflaufen, um die Probleme aufzufangen.

Player to watch: Baker Mayfield

Nach dem bitteren Vorjahr steht Mayfield vor einer richtungsweisenden Saison. Die Browns haben in der Offseason alles dafür getan, dass ihr Franchise-Quarterback beste Voraussetzungen für ein Comeback-Jahr bekommt.

Jetzt steht Mayfield in der Pflicht, das Talent um sich herum anzuführen und mindestens ein ernstes Wörtchen im Playoff-Rennen mitzureden. Gelingt das nicht, könnte sich Cleveland eher früher als später nach einem neuen Quarterback der Zukunft umschauen. 

Prognose: 

Die Browns haben, wie schon im vergangenen Jahr, ein talentiertes Team, dass nur wenige klare Schwachstellen hat. Das Zusammenspiel zwischen Stefanski und Mayfield wird letztlich entscheidend für den Erfolg des Teams sein. Mayfield sollte sich mit der verbesserten Offensive Line wieder stabilisieren und mit den Browns lange im Playoff-Rennen vertreten sein, auch wenn der Division-Sieg noch eine Nummer zu groß ist - Platz drei in der Division.

Pittsburgh Steelers

Vorsaison: 8-8 / Platz 2 in der Division

Wichtige Neuzugänge: Eric Ebron, Stefen Wisniewski

Wichtige Abgänge: Javon Hagrave

Offense:

Ben Roethlisberger hat seine Ellbogen-Verletzung auskuriert und wird aller Voraussicht nach in Woche 1 wieder auf dem Platz stehen. Damit kehrt der wichtigste Offensiv-Spieler zurück, nach Big Bens Ausfall im vergangenen Jahr waren die Schwächen und die Inkonstanz der gesamten Offense eklatant.

Roethlisbergers wichtigste Anspielstation wird auch in der kommenden Spielzeit JuJu Smith-Schuster werden, der nach einer enttäuschenden Saison hofft, wieder an seine 2018er-Saison anknüpfen zu können.

Juju litt 2019 an der Kombination aus Devlin "Duck" Hodges und Mason Rudolph auf der Quarterback-Position. Außerdem trauen Kritiker dem Receiver nach Antonio Browns Abgang nicht die Rolle des Nummer-1-Receivers zu. Ihm zur Seite stehen Rookie Chase Claypool, der flinke Dionte Johnson und Tight-End-Neuzugang Eric Ebron, die sich mit ihren Skill-Sets gut ergänzen.

Die Receiver könnten auch häufiger tiefe Pässe fangen, denn die gut besetzte Offensive Line sollte Big Ben regelmäßig Zeit verschaffen.

David DeCastro, Maurkice Pouncey und Alejandro Villanueva sind allesamt Pro Bowler, Stefen Wisniewski kommt als Super-Bowl-Sieger von den Chiefs und bringt ein Upgrade auf Guard. Darüberhinaus hat Matt Feiler seine Qualitäten als Right Tackle in der vergangenen Spielzeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Hinter dieser Offensive Line sollten sich auch James Connor und Co. Lücken im Laufspiel bieten.

Defense:

Wie schon in der vergangenen Saison ist jedoch die Defense das klare Prunkstück des Teams, allen voran die Front Seven. T.J. Watt hat sich zu einem Superstar entwickelt, sogar Bud Dupree feierte 2019 seinen heißersehnten Durchbruch. 

Der wiedergenesene Stephon Tuitt und Cameron Heyward sorgen dafür, dass auch die Interior Line sowohl gegen den Lauf als auch im Pass Rush exzellent aufgestellt ist und selbst starke Offensive Lines zum Schwitzen bringt. Komplettiert wird die Front durch die Linebacker Vince Williams und Devin Bush, die sich mit ihren Qualitäten gut ergänzen und auch in der Passverteidigung ihren Mann stehen.

In den ersten Saisonspielen des vergangenen Jahres war die Secondary noch eine kleine Schwachstelle, was sich mit dem Trade für Minkah Fitzpatrick erledigt hatte. Der Safety schlug sofort ein und provozierte in 14 Spielen insgesamt sechs Turnovers, einen trug er zu einem Touchdown zurück. 

Auch die Teamkameraden beflügelte der Trade förmlich, Steven Nelson, Mike Hilton und Joe Haden waren allesamt stark im eins gegen eins und stellten sogar eine der besten Secondarys der Liga.

Die Defense hat insgesamt keinerlei Schwachstellen und dürfte auch 2020 dominieren.

Player to watch: JuJu Smith-Schuster

Viele Experten erwarteten schon im vergangenen Jahr mit Spannung, ob JuJu auch ohne Antonio Brown als bester Wide Receiver des Teams glänzen kann. Smith-Schuster konnte es nicht, doch ohne Big Ben waren die Stats und Leistungen des Receivers verfälscht, daher beginnt JuJu 2020 wieder bei Null.

Der ehemalige Zweitrunden-Pick steht mit Roethlisberger in der Verantwortung, abzuliefern. Denn nur so bieten sich Rookie Claypool und Zweitjahres-Profi Johnson die Lücken, die sie brauchen, um sich in der NFL dauerhaft durchzusetzen. Ist JuJu wieder ein Schatten seiner selbst, könnte die gesamte Offense ins Stocken geraten.

Prognose:

Die Steelers spielen mit einem gesunden Ben Roethlisberger gegen die Ravens um den Division-Sieg. Dabei muss Big Ben die Mannschaft nicht mehr alleine tragen, die Defense hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie Spiele zur Not auch im Alleingang gewinnen kann. Baltimores Gesamtpaket scheint stärker zu sein, doch ein Playoff-Platz über die Wildcards ist für diese Mannschaft das Minimalziel, was ohne größere Verletzungen auch erreicht wird - Platz zwei in der Division.

Raman Rooprail

Alle Checks der NFL-Divisions im Überblick:

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