Die AFC South in der Analyse. - Bildquelle: gettyDie AFC South in der Analyse. © getty

München - Die NFL-Teams befinden sich im Training Camp und die Saison 2020 rückt trotz der Corona-Pandemie immer näher. Vorher macht ran.de einen großen Division-Check - heute mit der AFC South.

Houston Texans

Vorsaison: 10-6 / Playoff-Aus in der Divisional Round gegen die Kansas City Chiefs

Wichtige Neuzugänge: David Johnson, Randall Cobb, Eric Murray

Wichtige Abgänge: DeAndre Hopkins

Offense:

Der Trade um DeAndre Hopkins war die bestimmende Meldung der Offseason: Die Texans schickten ihren besten Wide Receiver für David Johnson und einen Zweitrunden-Pick zu den Arizona Cardinals.

Im Gegenzug holte Head Coach und General Manager Bill O'Brien Brandin Cooks per Trade von den Los Angeles Rams und verpflichtete zusätzlich Randall Cobb via Free Agency. Doch können die Texans mit Cooks und Cobb den Abgang von Hopkins auffangen?

Cobb ist ein klassischer Slot-Receiver, Cooks mit seiner Geschwindigkeit ein Receiver für die langen Bälle. Das Problem? Von dieser Sorte Receiver hat Houston mit Kenny Stills und Will Fuller bereits zwei im Kader. Ein Receiver, der vor allem in wichtigen Situationen auch gut verteidigte Bälle konstant fangen kann, fehlt im Kader.

Das macht die Aufgabe für Quarterback Deshaun Watson nicht leichter, der mit einer mittelmäßigen Offensive Line und einer unterdurchschnittlichen Defense ohnehin eine große Last schultern muss. 

Der neu akquirierte David Johnson verbessert die Offensive gerade als Passempfänger aus dem Backfield. Zuletzt plagten Johnson aber viele Verletzungen, sodass die Gesundheit des Running Backs ein echtes Fragezeichen ist.

Defense:

Wie bereits angedeutet, sorgt die Texans-Defense bei Gegnern nicht für Angst und Schrecken.

J.J. Watt wird über weite Strecken eigenständig für Pass Rush sorgen müssen, die Kollegen in der Front Seven sind bis auf Zach Cunningham entweder über ihren Zenit hinaus oder konnten ihr Können in der NFL noch nicht unter Beweis stellen. Cunningham unterstützt den Pass Rush als Inside Linebacker allerdings nur selten.

Auch die Secondary birgt Fragezeichen. Der ehemalige Erstrunden-Pick Gareon Conley wurde seinem Status nie gerecht, den Job des Strong Safetys müssen mit Eric Murray oder Jaylen Watkins zwei gelernte Cornerbacks untereinander ausfechten. 

Einzig Justin Reid ist auf der Free-Safety-Position ein Lichtblick in Houstons Passverteidigung, doch alleine wird Reid die Schwachstellen nicht beseitigen können.

Player to watch: Deshaun Watson

Mit einem durchschnittlichen Quarterback hätten die Texans mit den Playoffs wohl nichts zu tun. Dafür ist der Kader individuell zu schwach besetzt. Doch Deshaun Watson ist kein durchschnittlicher Quarterback. Watson hat in seiner jungen Karriere bereits in der NFL und am College bewiesen, dass er ein Team zur Not auch alleine tragen kann.

Prognose:

Der Erfolg der Houston Texans steht und fällt mit Deshaun Watson. Wenn die Texans am Ende der Saison wirklich über eine gute Saison sprechen wollen, muss Watson schon auf MVP-Niveau spielen. Zu groß sind die Lücken im restlichen Team. Watson allein hat dennoch die Klasse, mit Houston um die Playoffs zu kämpfen - Platz zwei in der Division.

Indianapolis Colts

Vorsaison: 7-9 / Platz 3 in der Division

Wichtige Neuzugänge: Philip Rivers, DeForest Buckner, Xavier Rhodes

Wichtige Abgänge: keine

Offense:

Sind die Colts All in? Die Verpflichtung des alternden Routiniers Philip Rivers spricht dafür, denn mit Jacoby Brissett in der Hinterhand war eine Umstellung auf der wichtigsten Position im Football nicht notwendig.

Nichtsdestotrotz ist Rivers ein klares Upgrade. Umgeben von einer der besten Offensive Lines der Liga bekommt der Routiniert etwas, was er bei den Los Angeles Chargers nur selten bekam: Zeit in der Pocket. Bei den Chargers stand Rivers häufig schnell unter Beschuss und leistete sich daraufhin kostbare Turnovers.

Die von Quenton Nelson angeführte O-Line ist auch für das Running Game entscheidend. Darauf wird mit dem in der zweiten Runde des Drafts verpflichteten Jonathan Taylor wohl auch der Fokus liegen, gemeinsam mit Marlon Mack soll Rivers entlastet werden.

So kann der routinierte Quarterback mehr oder weniger als eine Art Gamemanager fungieren und muss die Offense nicht alleine tragen. Dabei wird er von den Wide Receivern T.Y. Hilton, Rookie Michael Pittman Jr., Zweitjahres-Profi Parris Campbell und Tight End Jack Doyle unterstützt.

Defense:

Auch in der Defense sorgte General Manager Chris Ballard in der Offseason für einen Paukenschlag: Für den 13. Pick lotsten die Colts Defensive Tackle DeForest Buckner von den San Francisco 49ers nach Indianapolis.

Damit können die Colts in der kommenden Saison häufiger aus der Interior Defensive Line Druck ausüben, Buckner sammelte in der vergangenen Spielzeit 43 Pressures und war laut der Analyse-Plattform "PFF" der neuntbeste Defensive Tackle der Liga.

Der Anführer der Defense bleibt aber Linebacker Darius Leonard, der sowohl in der Passverteidigung als auch im Laufspiel exzellent verteidigt und besonders als starker Tackler glänzt.

In der Secondary bekommt Xavier Rhodes die Chance, seine schwache Saison bei den Minnesota Vikings vergessen zu machen. Neben Rock Ya-Sin wird der Routinier wahrscheinlich die äußeren Receiver decken, im Slot ist der flinke Kenny Moore gesetzt.

Als letzte Absicherung ist zudem Free Safety Malik Hooker mit seiner Reichweite und Qualität in der Passverteidigung eine Bereicherung für die Defense.

Player to watch: Jonathan Taylor

Im Draft tradeten die Colts hoch, um Running Back Taylor in der zweiten Runde zu holen. Hinter einer starken Offensive Lines werden die Colts versuchen, ihre Angriffsspiel über den Lauf aufzuziehen. Taylor ist für dieses Szenario die ideale Besetzung. 

In drei Spielzeiten im College lief Taylor für 6174 Yards und erzielte 50 Rushing-Touchdowns. Der Running Back galt schon vor dem Draft als bester reiner Läufer der Klasse. Im Passspiel wurde Taylor in Wisconsin nur selten eingesetzt, für diese Rolle ist aber ohnehin Nyheim Hines vorgesehen. Auch wenn sich Taylor gerade zu Saisonbeginn die Snaps mit Marlon Mack teilen muss, könnte der Running Back gleich in seiner ersten NFL-Saison ein Ausrufezeichen setzen.

Prognose:

Die Colts sind sowohl in der Offense als auch in der Defense durch die Bank weg mindestens solide aufgestellt. Head Coach Frank Reich hat bewiesen, dass er ein ausgezeichneter Coach in der NFL ist und sein Team mit den richtigen Waffen weit bringen kann.

Rivers gibt den Colts die erhoffte Konstanz auf der Quarterback-Position und Buckner macht die Defense auf einen Schlag deutlich gefährlicher. Wenn jedes Rädchen ins andere greift, können die Colts im Januar durchaus für Furore sorgen - Platz eins in der Division.

Jacksonville Jaguars

Vorsaison: 6-10 / Platz 4 in der Division

Wichtige Neuzugänge: Joe Shobert, Tyler Eifert

Wichtige Abgänge: Leonard Fournette, Yannick Ngakoue, Calais Campbell, Nick Foles, A. J. Bouye

Offense:

In Jacksonville ist in der Offseason eine Menge passiert, in der Offensive haben sich die Jaguars unter anderem von Nick Foles und Leonard Fournette getrennt. Gardner Minshew, der in sein zweites Jahr geht, bekommt als unangefochtene Nummer eins die Chance, sich als Quarterback in der NFL zu etablieren.

Große Unterstützung erhält er dabei nicht - Jacksonville befindet sich im radikalen Umbruch. Einzig D.J. Chark zeigte in der vergangenen Saison, dass er das Zeug eines Nummer-1-Receivers hat. Rookie Laviska Shenault ist ein spannendes Projekt, der Receiver war am College gerade nach dem Catch eine Big-Play-Waffe.

In der Free Agency verpflichtete Jacksonville Tight End Tyler Eifert. Eifert hat eine lange Verletzungshistorie - gesund kann er mit seiner Größe aber schnell zur wichtigsten Anspielstation in der Red Zone werden.

Mit einer unterdurchschnittlichen Offensive Line wird der neue Offensive Coordinator Jay Gruden auf eine Kurzpass-Offense setzen. Im Laufspiel bekommen die jungen Ryquell Armstead und Devine Ozigbo die Zügel in die Hand, Chris Thompson wird überwiegend als "Third-Down-Back" eingesetzt.

Defense:

Der Zerfall "Sacksonvilles" ist das große Thema der Offseason bei den Jaguars. Calais Campbell, Yannick Ngakoue und A.J. Bouye wurden allesamt für Draftpicks getradet.

Was bleibt also? Im Pass Rush machen die Erstrunden-Picks der letzten beiden Jahre Hoffnung: Josh Allen verbuchte mit 10,5 Sacks in der vergangenen Saison die meisten aller Rookies, daneben geht in der kommenden Saison Rookie K'Lavon Chaisson auf Quarterback-Jagd.

Die Linebacker-Position ist die große Stärke der Defense. Myles Jack brilliert in der Mitte mit seiner Athletik als Lauf- und Passverteidiger und bekommt mit Joe Schobert einen der sichersten Tackler der Liga an seine Seite gestellt.

Das größte Problem ist die Secondary. Nummer-9-Pick Chris Henderson macht zwar Mut, allerdings wird der Cornerback gleich die besten Receiver der Liga verteidigen müssen.

Gegenüber von Henderson startet wohl D.J. Hayden. Der Cornerback hat 2019 gerade nach dem Ramsey-Trade gezeigt, dass er noch etwas im Tank hat. Kann der 2013er Erstrunden-Pick das aber auch über eine ganze Saison zeigen? Hayden hat seit 2015 nicht mehr über zehn Spiele von Anfang an bestritten.

Player to watch: Gardner Minshew

Die Jaguars befinden sich im Neuaufbau, das hat nach der Entlassung von Leonard Fournette auch der letzte NFL-Fan mitbekommen. Die Ergebnisse werden daher nicht so wichtig sein, viel mehr erhofft sich Jacksonville eine positive Entwicklung der jungen Spieler, allen voran Gardner Minshews.

Der 2019er Sechstrunden-Pick kann einerseits befreit und ohne Erfolgsdruck aufspielen, andererseits wird jedes Spiel individuell besonders wichtig für Minshew. Überzeugt der unterhaltsame Quarterback nicht, wird er wahrscheinlich schon 2021 ersetzt.

Prognose:

Mit den Playoffs haben die Jaguars aller Voraussicht nach nichts zu tun, Jacksonville wird darauf bedacht sein, die eigenen Talente bestmöglich weiterzuentwickeln. Minshew ist trotz seines Swags noch einer der schwächeren Starting-QBs der Liga und muss mit einem durchschnittlichen Receiving Corps, einer schwachen Offensive Line und unerfahrenen Running Backs das Bestmögliche rausholen.

Die Defense könnte, gerade wenn die jungen Pass Rusher Probleme haben, schnell zerlegt werden - Platz vier in der Division.

Tennessee Titans

Vorsaison: 9-7 / Aus im AFC Championship Game gegen die Kansas City Chiefs

Wichtige Neuzugänge: Vic Beasley Jr.

Wichtige Abgänge: Jack Conklin, Logan Ryan, Jurrell Casey

Offense:

Die Tennessee Titans haben mit den Vertragsverlängerungen von Ryan Tannehill und Derrick Henry ein klares Zeichen gesetzt: Der Vorjahreserfolg war keine Eintagsfliege!

Tannehill spielte nach seiner Übernahme eine atemberaubend effiziente Saison und war trotz Henrys starker Saison der Hauptfaktor dafür, dass die Titans fast in den Super Bowl gekommen sind. Mit Marcus Mariota holte Tennessee bis zum 6. Spieltag nur zwei Siege.

Für die teuren Verlängerungen ihrer Stars mussten die Titans aber Opfer bringen - Tackle Jack Conklin verließ Tennessee und schloss sich den Browns an.

Erstrunden-Pick Isaiah Wilson soll Conklin ersetzen, das dürfte wegen der verkürzten Vorbereitungszeit und bei Conklins Qualitäten allerdings nicht einfach werden. Gerade zu Saisonbeginn könnte die Offensive Line daher noch etwas wacklig sein.

Das Receiving Corps bleibt unverändert, A.J. Brown geht nach seiner starken Rookie-Saison als klare Nummer eins in die neue Spielzeit und wird vom bislang enttäuschenden Corey Davis und Adam Humphries im Slot flankiert. Der athletische Jonnu Smith übernimmt nach Delaney Walkers Abgang als Starting-Tight-End.

Defense:

Auf der anderen Seite des Balls haben die Titans die Frage nach dem Pass Rush mit Jadeveon Clowney beantwortet.

Nachdem Tennessee Jurrell Casey zu den Denver Broncos schickte, müssen die jungen Talente Jeffrey Simmons und Harold Landry III die Last nicht alleine tragen. Ebenfalls spannend: Kann Neuzugang Vic Beasley Jr. seine starke 2016er Saison von 15,5 Sacks auch nur halbwegs wiederholen?

Der Rest der Defensive ist mit Talent gespickt. Rashan Evans und Jayon Brown bilden ein explosives Linebacker-Duo, das auch in der Passverteidigung dominieren kann.

Im Draft verstärkte der Klub aus Nashville die ohnehin solide Secondary um Malcolm Butler, Kenny Vaccaro, Kevin Byard und Adoree Jackson mit Cornerback Kristian Fulton. Zudem holten die Titans Jonathan Joseph via Free Agency. Es fällt auf, dass Head Coach Mike Vrabel seinen Fokus auf eine starke Passverteidigung setzt. Gerade die Tiefe in der Secondary ist beeindruckend.

Player to watch: Jadeveon Clowney

Lange hat es gedauert: Jadeveon Clowney hat sich nach monatelangem hin und her für die Titans entschieden. Das war bei der dünnen Besetzung der Defensiv Line auch bitter nötig. Kann Clowney ohne Training Camp sofort bei einem neuen Team einschlagen?

In der vergangenen Saison spielte Clowney mit lediglich drei Sacks dennoch eine gute Saison. Der Pass Rusher war ein stetiger Unruheherd und hat dominant im Laufspiel verteidigt. Die Titans brauchen aber keinen guten Clowney, sondern einen in Top-Form, um in der Defense den nächsten Schritt zu gehen.

Prognose:

Viel wird bei den Titans davon abhängen, ob Tannehill seinen Höhenflug aus der vergangenen Saison wiederholen kann. Der Quarterback startete in die Saison als Backup und gehörte in der zweiten Saisonhälfte zu den Top 5. Henry wird ebenfalls eine große Last schultern müssen, geht auch das erneut gut?

In der Defense wird viel vom Pass Rush abhängen. Funktioniert dieser mit Clowney, werden es gegnerische Offenses schwer haben. In einer ausgeglichenen AFC South kann Tannehill sein Niveau allerdings nicht halten - Platz drei in der Division.

Alle Checks der NFL-Divisions im Überblick:

AFC East | AFC North | AFC South | AFC West | NFC East | NFC North | NFC South | NFC West

Raman Rooprail

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

US-Sport-Videos

US-Sport-News