Mark Nzeocha wird künftig der fünfte deutsche Spieler in der NFL sein. - Bildquelle: gettyMark Nzeocha wird künftig der fünfte deutsche Spieler in der NFL sein. © getty

Indianapolis – Der NFL Draft 2015 ist zu Ende und die besten College-Talente wurden von den NFL-Teams gedraftet. Große Überraschung: Unter den Rookies befindet sich auch ein Deutscher.

Der 25-jährige Mark Nzeocha wurde in der siebten Runde von den Dallas Cowboys gedraftet. Ab sofort spielt neben Björn Werner, Sebastian Vollmer, Markus Kuhn und Kasim Edebali also ein weiterer Deutscher in der NFL. Woher kommt er und welche Perspektiven hat er wirklich? Immerhin ist er jetzt ein Teil von "Americas Team".

Der Start: NFL-Profi made in Rothenburg

Nzeocha startete seine Football-Karriere mit 13 Jahren bei den Franken Knights, einem Team aus Rothenburg ob der Tauber. Dass es vielleicht einmal für die große Bühne reichen würde, zeigte der damalige Safety ansatzweise beim Gewinn der European Junior Championships 2008 mit der deutschen Nationalmannschaft.

Schnell wurden amerikanische Scouts auf den jungen Deutschen aufmerksam, der aufgrund seiner Leistungen sowohl in Wyoming als auch in Virginia ein Voll-Stipendium angeboten bekam. Nzeocha entschied sich für die Wyoming Cowboys und ein Finanzstudium an der örtlichen Universität.

College: Super Zahlen nach Startproblemen

Die Umstellung vom deutschen zum amerikanischen Football-Niveau bereitete dem Bayer zu Beginn Schwierigkeiten. Vor allem an die taktische Vielseitigkeit in der höchsten College-Liga (NCAA First Division) musste sich Nzeocha erst gewöhnen.

Doch schon damals zeigte sich sein Kampfgeist. "Du musst nur hart arbeiten, und genau das mache ich. Hier ist es viel schneller und härter. Aber ich bin nicht hier rüber gekommen, um ein bisschen zu spielen. Ich will spielen und mich mit den Besten messen", so Nzeocha.

Das Trainer-Team hatte vollstes Vertrauen in den Safety. Christ Tomey, damaliger Defensive-Coordinator: "Er ist ein sehr begabter Spieler, man findet selten eine solche Kombination aus Größe und athletischen Fähigkeiten."

Das Ergebnis: 207 Tackles und drei Sacks in vier Jahren College-Football. Kein Wunder also, dass die Dallas Cowboys auf das deutsche Talent aufmerksam wurden.

Größte Schwäche: Fehlende Erfahrung

Das NFL-Draft-Profil von Nzeocha zeigt: Die Experten sind noch skeptisch. Vor allem das taktische Verständnis des Deutschen bereitet den Scouts Sorgen, da er keine amerikanische High School besuchte. Seine körperliche Fitness wird dagegen als "herausragend" eingestuft.

Auch die Dallas-Verantwortlichen taten sich mit der Verpflichtung schwer. Groß war die Sorge, dass dem Deutschen der nötige Instinkt auf dem Feld fehlt. Cowboys-Coach Jason Garrett: "Eine der größten Sorgen bezüglich seiner Wahl war von Anfang an die Tatsache, dass er nicht so viel American-Football gespielt hat wie alle anderen."

Dennoch entschieden sich die Cowboys für Nzeocha. Garrett: "Trotz der Sorgen um seine Football-Instinkte, ist er ein sehr athletischer Junge und ironischerweise demonstriert er ziemlich viel Instinkt."

Größte Stärken: Physis und Vielseitigkeit

Bei den Cowboys wird sich Nzeocha wohl vorerst innerhalb der Special-Teams beweisen müssen. Dabei ist der Deutsche mit nigerianischen Wurzeln in der Lage, sich auf verschiedenen Positionen zu behaupten. Stand er am Anfang seiner Karriere noch als Safety auf dem Platz, wechselte er während seiner College-Zeit permanent die Position.

Ob als Safety oder Linebacker, Nzeocha ist vielseitig einsetzbar. Neben jeglichen Linebacker-Positionen findet er sich auch im Field-Goal-Coverage-Team wieder und covert sowohl Kickoffs als auch Punts ab.

Kurz gesagt: Wenn die Defense das Feld verlässt, bleibt Nzeocha auf dem Platz.

Größte Ehre: Draft trotz Verletzung

Beim Scouting-Combine konnte Nzeocha aufgrund einer Verletzung nur bestimmte Übungen absolvieren. Am Ende der College-Saison riss sich der Linebacker das Kreuzband. Umso überraschender, dass der Deutsche in seiner aktuellen Verfassung überhaupt von einem NFL-Team ausgewählt wurde.

Über seine körperliche Verfassung macht sich sein neuer Coach jedoch keine Sorgen: "Er kommt gerade von seiner Kreuzbandriss-Verletzung zurück, aber er hat im April gut trainiert. Deshalb machen wir uns keine Sorgen über seine Gesundheit und haben uns gut gefühlt ihn dort (236. Pick) zu wählen."

Parallelen zu Nowitzki

Neben Nzeocha spielt ein anderer Deutscher seit Jahren eine große Rolle in Dallas. Dirk Nowitzki dürfte sich über die Nominierung des Linebackers besonders gefreut haben, schließlich liegen die Heimatorte der beiden Athleten lediglich 45 Minuten auseinander.

Auch der neue Cowboys-Rookie freut sich über die Parallelen zum deutschen Basketball-Star: "Alleine die Verbindung ist ziemlich cool, er ist ein großer Sportler, der eine tolle, erfolgreiche Karriere hingelegt hat. Deshalb bin ich sehr aufgeregt in der gleichen Stadt zu spielen und sie zu repräsentieren."

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