Voll fokussiert: Drew Brees. - Bildquelle: imago/UPI PhotoVoll fokussiert: Drew Brees. © imago/UPI Photo

München/New Orleans – Drew Brees hat aufgehört zu zählen. Schon lange. Sagt er zumindest. 

Man könnte auch sagen: Der Quarterback-Superstar der New Orleans Saints hat seinen 40. Geburtstag verdrängt. Er lag ja auch ziemlich ungünstig, eingequetscht zwischen der Divisional Round gegen die Philadelphia Eagles und dem NFC Championship Game gegen die Los Angeles Rams am Sonntag (ab 20.45 Uhr, live auf ProSieben und ran.de).

Wobei: Ein bisschen Party ging dann doch.

Der Mann ist ein Phänomen, ein offenbar nicht altern wollender Superstar. Denn: Man merkt ihm sein Alter nicht an.

Seinem Spiel noch weniger. Es gibt deshalb viele, die sagen, dass Brees im Herbst seiner Karriere den schönsten und besten x-ten Frühling seiner Laufbahn erlebt. 

Erfrischend. Erwärmend. Spektakulär. Beeindruckend. 

Bereit für den großen Wurf

Bereit für den großen Wurf. Alles andere kann, nein, muss warten. "Vielleicht, wenn wir in die Offseason gehen, wird es sich einstellen, dass ich 40 bin", sagte er. Bis dahin hat er noch etwas zu erledigen. 

Brees weiß: An diesem Punkt, mitten in den Playoffs, einen Sieg vom Super Bowl entfernt, machen Alter, Geburtstage, Frühlinge und auch Rekorde keinen Unterschied mehr. 

Sie sind unwichtig, rücken in den Hintergrund. Sind komplett egal. Nur das nächste Spiel zählt. Alles oder nichts. Do or Die. Super Bowl oder vorzeitiger Urlaub.

Es ist seine Saison, sie ist ein wilder Ritt, auch versehen mit kleinen Dellen. Aber: Er warf zwischenzeitlich seinen 500. Touchdown-Pass, brach die Allzeit-Bestmarke bei den Passing Yards und war dabei so akkurat (74,4 Prozent der Pässe kamen zum eigenen Mann) wie keiner vor ihm.

Die Saints waren unter seiner Führung das beste Team der Regular Season, an Nummer eins gesetzt und sind bei den Buchmachern Favorit auf den Super Bowl. Sogar die Geschichte wiederholt sich. Vor dem ersten Triumph im Super Bowl 2010 standen die Saints nach der Regular Season ebenfalls bei 13-3, waren an Eins gesetzt. Es setzte sogar gegen die gleichen Teams (Tampa Bay, Dallas und Carolina) die Niederlagen. Sogar die Tabelle der NFC South (Saints vor Falcons,Panthers, Buccaneers) wiederholte sich.

Nie war er so wertvoll wie heute

Alles schön und gut. Nie war er so wertvoll wie heute, wie es so schön heißt.

Und doch kann all das in nur einem Spiel ad absurdum geführt werden. Schluss. Aus. Vorbei. Playoffs eben. Ein schlechter Tag, und die ganze Saison, das ganze Lob, die ganze Hoffnung, ist für die Katz. Je näher man dem großen Ziel kommt, je näher diese große Chance rückt, desto schmerzhafter wird es, wenn alles in sich zusammenstürzt.

Doch natürlich lebt man als Spieler für diese Momente, diese Nächte, die genauso magisch wie auch bitter sein können. Mit 40 erst recht. "Ich schätze diese Momente. Aber man weiß nie, wie viele noch kommen. Also bleibst du in diesem Moment und genießt es so sehr wie nur möglich", so Brees.

MVP? Das ist zweitrangig

Dass er sich im Rennen um die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler (MVP) der Regular Season befindet - es wäre in seiner großartigen Karriere seine erste – ist auch geschenkt. Es sieht sowieso danach aus, dass Chiefs-Kollege Patrick Mahomes das Rennen macht.

"Es war nie etwas, das ich auf dem Radar hatte. In diesem Jahr vielleicht ein bisschen, aber meine Ziele habe ich mit dem Team und was wir als Team erreichen können", sagte Brees. 

Hört man den Mann, dem wohl alle mehr oder weniger insgeheim den Erfolg gönnen, so reden, versteht man, warum er auf der Liste der "Best-Mannered People" auf Platz eins landete. "Die individuellen Auszeichnungen sind eine Ehre und ich sehe sie als nicht selbstverständlich an, aber sie definieren mich nicht." Wen interessiert die MVP-Auszeichnung, wenn es am Ende wieder nichts wird mit dem Super Bowl? Das Scheitern wird im Vordergrund stehen, als MVP wäre es noch ein wenig dramatischer.

 

Brees weiß: "Was mich definieren wird ist, was wir als Team erreichen können in diesem Jahr."

Es ist der zweite Ring, der ihn antreibt. Die Vince Lombardi Trophy.

Head Coach Sean Payton hatte das große Ziel visualisiert, als er die Playoffs für sein Team mit der Trophäe im Locker Room inklusive des Bonus in Höhe von 225.000 Dollar eröffnete.

Doch die Saints zeigten Nerven, fanden gegen die Eagles nicht so recht ins Spiel, lagen zurück. Das Ende der Regular Season war sowieso schon holprig.

Historischer Drive

Doch dann folgte die Symbiose mit dem Publikum, peitschte Brees seine Offense durch einen historischen, 11:29 Minuten lange Drive im dritten Viertel, der das Spiel änderte, der Saison nochmal eine neue Note verlieh. Mit einem von Brees orchestrierten und inszenierten Spielzug, der die Saints bis nach Atlanta tragen kann. 

Im Hinterkopf bleibt trotzdem: Der Mann ist 40. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, dann wäre er 41. Auch wenn Brees aufgehört hat, mitzuzählen, ist klar: Viele Chancen bekommt er nicht mehr. Die nächste wartet am Sonntag.

Andreas Reiners

Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein

US-Sport-Videos

US-Sport-News

US-Sport-Galerien

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020