Unter Druck: GM John Elway. - Bildquelle: imago/Icon SMIUnter Druck: GM John Elway. © imago/Icon SMI

München/Denver – John Elway fand einen schönen Vergleich für die vergangenen Jahre bei den Denver Broncos. Er als General Manager der Franchise, wie er immer wieder an Bäumen schüttelt. Und verzweifelt darauf hofft, dass der passende Quarterback herunterfällt.

Die Suche nach einem Signal Caller ist mit dem Karriereende von Legende Peyton Manning tatsächlich zu einem Running Gag mutiert. 

Mit Betonung auf dem amüsanten Teil der Suche, denn die gestaltete sich schwierig. Und auf dem hohen Niveau sorgen zielgerichtete Fehltritte und -griffe nun mal für Hohn und Spott.

Kein Nachfolger für Manning

Seit 2016, seit sich Manning mit dem Super-Bowl-Sieg tränenreich verabschiedete, versuchen sie, Mannings Lücke zu schließen. 

Erfolglos: Brock Osweiler, Trevor Siemian, Paxton Lynch oder Case Keenum – sie alle versuchten sich in den vergangenen Jahren als Starter. Alle vergeblich. Im gleichen Zeitraum versuchten sich die Broncos übrigens auch vergeblich an der Postseason.

Elway, einst selbst Quarterback und zweimaliger Super-Bowl-Sieger mit den Broncos, weiß: "Es ist eine Position, die schwer zu füllen ist." Weil sie eine Schlüsselposition ist, die viele Qualitäten erfordert, mit der ein Team, eine Franchise, eine ganze Saison steht und fällt. Die vieles zusammenhält, nicht nur auf dem Feld. Der Quarterback ist der Kopf, das Gesicht, die Seele. 

Deshalb waren die Broncos auch so umtriebig. "Wir hatten viele Versuche, haben viele verschiedene Situationen probiert. Es war ein Kampf, aber die ganze Liga ist ein Kampf", sagte Elway.

Lock der Thronfolger?

Mit Routinier Joe Flacco hat er in der Offseason einen erfahrenen Mann für die Position geholt, und in Draft-Pick Drew Lock einen potenziellen Thronfolger. Ob im Falle von Lock der Richtige vom Baum gefallen ist, muss sich allerdings noch zeigen.

Dafür geht Elway davon aus, in Flacco den Mann für alle Fälle gefunden zu haben. Der 34-Jährige, der 2018 bei den Baltimore Ravens den Starter-Job an Rookie Lamar Jackson verlor, sei im besten Alter, so Elway. Man hoffe es zumindest, schob er hinterher. Das enttäuschende "Bäumchen-rüttel-und-schüttel-dich"-Spiel hat Spuren hinterlassen. 

Doch der Routinier hat offenbar seinen Platz in den vergangenen Wochen gefunden. "Er hat bewiesen, dass er der Mann sein kann. Unser Team hat sehr gut reagiert und er hat gezeigt, dass er den Platz übernehmen kann." Und: Flacco ist an einem Punkt seiner Karriere angekommen, an dem er etwas beweisen muss. Heißt: Franchise-Quarterback? Oder doch ein Auslaufmodell?

Fakt ist: Es ist mal wieder ein Neustart. Eine dieser schwierigen Geburten: Ein neuer Head Coach, ein neues System, das Team verjüngen, umbauen, neu ausrichten, dabei aber im Idealfall erfolgreich bleiben. Auch das misslang zuletzt, und zwar deutlich.

Zwei Saisons wie 2017 (5-11) und 2018 (6-10) in Folge gab es bei den Broncos zuletzt in den frühen 70ern, da spielte Elway noch nicht einmal auf dem College. Er wird im kommenden Jahr 60, sein Vertrag läuft noch zweieinhalb Jahre.

Vic Fangio soll es richten

Seine Erfolge als Spieler und als Funktionär sind unbestritten, doch seit dem Ende der Manning-Ära ist der Wurm drin. Vic Fangio ist der dritte Head Coach in vier Jahren. Auch auf dieser Position ist Kontinuität eigentlich das passendere Erfolgsrezept als Fluktuation. Erfolgscoach Gary Kubiak ging aus gesundheitlichen Gründen, Vance Joseph scheiterte vor allem an den hohen Erwartungen. Die Zeit nach einem Super-Bowl-Gewinn ist bisweilen ein Loch, in dem es sich die Broncos ungemütlich machten.

 

Elway, seit 2011 General Manager bei seiner Franchise, kennt das Geschäft. Er weiß, dass er, ungeachtet seiner ganzen Verdienste, irgendwann derjenige ist, um den es geht, der im Mittelpunkt der Kritik stehen wird. Der Druck wächst, die Luft wird dünner, die Geduldsfäden rund um die Franchise auch.

In die richtige Richtung?

"In meinem Alter fängst du an, es von Tag zu Tag oder von Woche zu Woche zu nehmen. Ich genieße es immer noch, was ich tue. Ich will in der Lage sein, ein Qualitätsprodukt auf das Feld zu bringen, das um Titel spielt. Ich denke, dass wir in diese Richtung gehen", sagte er.

Falls nicht, schütteln irgendwann andere die Bäume. Und hoffen, dass ein guter General Manager herunterfällt.

Andreas Reiners

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