Bekam durch eine Lüge ein Probetraining bei den Browns: Damon Sheehy-Guisepp... - Bildquelle: twitter/TheNickShookBekam durch eine Lüge ein Probetraining bei den Browns: Damon Sheehy-Guiseppi. © twitter/TheNickShook

München/Cleveland - Die USA - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nirgendwo sonst sind Geschichten von Menschen, die "vom Tellerwäscher zum Millionär" werden, die alles auf eine Karte setzen und Erfolg haben, so beliebt wie dort. 

Solche Geschichten gibt es auch in der NFL immer wieder. Darunter fällt auch die Story von Damon Sheehy-Guiseppi. Auch er riskierte für seinen Traum von der NFL alles und wurde mit einem Vertrag bei den Cleveland Browns belohnt - allerdings war er auf dem Weg dorthin nicht immer so ganz ehrlich.

Genauer gesagt: Sheehy-Guiseppi hat schlichtweg gelogen, damit sein Traum in Erfüllung geht. Denn eigentlich sollte ihm die NFL-Karriere verwehrt bleiben. Der 24-Jährige spielte zuvor am Phoenix College in seiner Heimat Arizona Football. Besonders als Special Teamer wusste er auf sich aufmerksam zu machen und führte 2016 die NCJAA in Kick Return Yards und und Kick Return Touchdowns an. Als Wide Receiver kam er allerdings damals schon nicht zum Einsatz.

 

Einstieg ins Profi-Geschäft scheiterte

Auch im Folgenden blieb ihm der große Aufstieg zunächst verwehrt. Da er kein weiteres Stipendium an einem College erhielt, wagte Sheehy-Guiseppi bereits nach zwei College-Saisons den Sprung in das Pro-Geschäft. Seine Versuche, in der CFL oder der Arena Football League Fuß zu fassen, scheiterten sang- und klanglos.

Seine Profi-Karriere schien zum Scheitern verurteilt, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Dann jedoch hörte Sheehy-Guiseppi von einem NFL-Workout in Miami - und setzte alles auf eine Karte.

Obwohl er nicht zu den Trainingseinheiten eingeladen wurde, buchte er aus eigener Kasse einen Flug von Arizona nach Miami. Seine "Eintrittskarte" zu den Workouts sollte Alonzo Highsmith, Vice President of Player Personnel der Cleveland Browns, sein, der in Miami vor Ort war, um Talente zu scouten.

Sheehy-Guiseppis Strategie: Einfach lügen und so tun, als würden Highsmith und er sich bereits kennen, um dadurch am Training teilnehmen zu können.

 

Lüge bringt Sheehy-Guiseppi zum NFL-Workout

Seine Ankunft in Miami stieß zunächst größtenteils auf Verwirrung. Allerdings war Sheehy-Guiseppi vorbereitet. Der Receiver hatte sich zuvor Bilder von Highsmith angesehen, um ihn überhaupt zu erkennen.

Sein Selbstbewusstsein machte sich bezahlt: Bereits am Eingang zum Trainingsgelände wurde Sheehy-Guiseppi von einem Mitarbeiter gefragt, ob er Highsmith überhaupt kenne. Er antwortete: "Ja klar kenne ich Alonzo" - und wurde prompt hereingelassen.

Kurz darauf traf er tatsächlich auf Highsmith - und tat einfach so, als wären die beiden befreundet. Auch wenn Highsmith später zugab, dass er keine Ahnung hatte, wer der junge Receiver war, sorgte die Aktion dafür, dass Sheehy-Guiseppis Name auf den Trainingslisten auftauchte.

Einladung zu den Browns

Und im Training lieferte er dann richtig ab. Nicht nur, dass er als Passempfänger und Punt Returner überzeugte, er lief die 40 Yards während des Workouts in 4,38 Sekunden - was übrigens beim diesjährigen Combine die sechstschnellste Zeit aller Wide Receiver gewesen wäre.

Das Workout reichte, um Highsmith für sich zu gewinnen, er wurde zum Probetraining zu den Browns nach Cleveland eingeladen.

Da Sheehy-Guiseppi allerdings kein Geld mehr übrig hatte, um sich einen Rückflug nach Arizona oder vor Ort ein Hotel für die Woche bis zu seinem Workout zu leisten, schlief er mit seinen zwei Taschen tagelang draußen oder in einem 24-Stunden-Fitnessstudio und bereitete sich auf seinen großen Tag vor.

Plötzlich Training mit OBJ und Co.

Und beim Probetraining wusste Sheehy-Guiseppi dann vollends zu überzeugen. "Du konntest diese Explosivität in seinen Bewegungen sehen, von denen Alonzo erzählt hatte", sagte John Dorsey, General Manager der Browns nach der Probeeinheit und gab Sheehy-Guiseppi am 4. April direkt einen vorläufigen Vertrag. Nun trainiert er plötzlich neben Stars wie Odell Beckham Jr. oder Jarvis Landry und kämpft um einen Platz im 53-Mann-Kader der Browns.

Wie die Chancen auf einen Kaderplatz - zumindest als Special Teamer - stehen, lässt sich wohl noch nicht abschätzen. "Bisher hat er einen phänomenalen Job gemacht. Er ist schlau, kennt jede Position. Das wird eine ganz interessante Story", so Highsmith über die bisherigen Einheiten des Spielers.

Kampf um Platz im 53er-Kader

"Ich könnte nicht glücklicher sein", wird Sheehy-Guiseppi auf der Website der Franchise zitiert. Allerdings weiß der Return-Spezialist auch, wie schnelllebig das Geschäft in der NFL ist und dass es ein harter Kampf wird, den letzten Roster-Cut zu überstehen: "Ich habe nicht vor Freude geweint oder so, da ich wusste, dass es zunächst nur für OTAs und so weiter ist."

Aber egal, wie weit der junge Receiver es schafft: Die Geschichte, wie er in die NFL gekommen ist, ist einzigartig und zeigt einmal mehr, dass es sich lohnen kann, für seinen Traum alles auf eine Karte zu setzen - auch wenn der Weg mal eine kleine Notlüge enthalten muss.

Alonzo Highsmith jedenfalls hat eine derartige Story in 22 Jahren NFL-Business noch nicht miterlebt. Auch er kann Sheehy-Guiseppi natürlich nicht garantieren, dass er es ins finale Roster schafft - aber wenn, dann wäre es "eine der größten Geschichten aller Zeiten".

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