Als Rugby-Spieler war Christian Wade in England erfolgreich. Nun sorgt er in... - Bildquelle: imago images / Icon SMIAls Rugby-Spieler war Christian Wade in England erfolgreich. Nun sorgt er in der NFL für Furore. © imago images / Icon SMI

Buffalo/München - Christian Wade scheint der Mann für die Big-Plays zu sein. Im ersten Preseason-Spiel gegen die Indianapolis Colts gelang ihm ein unglaublicher Touchdown-Run über 65 Yards. Zufall? Wohl kaum! Sonntag ließ er gegen die Carolina Panthers das nächste Highlight folgen: Nach einem kurzen Pass machte er insgesamt 48 Yards gut.

Esume: Der Typ ist kaum runterzukriegen

Und es ist nicht so, dass die Wege für den 28-Jährigen super freigeblockt wurden und er unbeschadet durchstarten konnte. Es ist vielmehr so, dass dieser Running Back einfach nicht zu stoppen ist. Gegen Carolina hatte er die Tackling-Versuche von vier Gegenspielern durchbrochen – einmal sogar von drei Kontrahenten gleichzeitig. ran-Experte Patrick Esume ist begeistert: "Der Typ ist echt kaum runterzukriegen, sehr beeindruckend."

Besonders beeindruckend ist, dass die beiden Preseason-Spiele auch die ersten beiden Footballpartien seines Lebens waren. Wade ist eigentlich ein Rugby-Star und war englischer Nationalspieler. Von 2011 bis 2018 spielte der 1,76 Meter große Athlet in der englischen Industriestadt Coventry für den Profiverein Wasps RFC. Im Oktober 2018 gab er bekannt, die Sportart zu wechseln und in der NFL sein Glück versuchen zu wollen.

Auf den Spuren von Hayne und Malita

Wade ist nicht der erste Rugby-Spieler, der versucht, im amerikanischen Volkssport Fuß zu fassen. Jarryd Hayne spielte einst bei den San Francisco 49ers, Jordan Mailata steht bei den Philadelphia Eagles unter Vertrag. Genauso wie Malita trainierte Wade bei der IMG Sports Academy, um sich auf die NFL vorzubereiten.

 

"Die Wetten stehen gegen mich, dass ich es in die NFL schaffe. Das ist definitiv die größte Herausforderung, doch was für mich spricht, ist mein Wille zu lernen", sagte er vor der Saisonvorbereitung – und lässt nun Taten folgen. Zwei seiner insgesamt drei Spielzüge, in denen er den Ball bekam, waren ein Spektakel und somit ein Bewerbungsschreiben für einem Platz im endgültigen Roster.

"Er ist einfach explodiert", sagt sein Mitspieler und Wide Receiver Zay Jones. "Ich kann nicht behaupten, dass ich das kommen sah. Ich wusste nicht genau, wie es ausgehen würde. Stellen Sie sich vor, Sie spielen zum ersten Mal Football, und zwar mit den besten Spielern der Welt. Die Art und Weise, wie er dieses Spiel verstanden hat und umsetzt, ist einfach unglaublich."

Wade: Ich habe immer an meine Fähigkeiten geglaubt

Wade gibt sich gelassen. Mehr noch: Er tut geradewegs so, als wäre sein starker Einstand in der NFL-Preseason zu erwarten gewesen: "Ich habe immer an meine Fähigkeiten geglaubt, schnell zu laufen und die Leute im Eins-gegen-Eins schlagen zu können. Das war es, was ich im Rugby gemacht habe. Und das ist einer der Gründe dafür, dass ich das Selbstvertrauen hatte, um hierher zu kommen."

Und weiter: "Ich habe fast zehn Jahre lang Rugby auf höchstem Niveau gespielt. Ich habe also viel Erfahrung im internationalen Sport und auf hohem Niveau gesammelt. Ich wusste, dass ich hierher kommen und das hier nutzen könnte, um mein Bestes zu geben."

Das Trainerteam begrüßt die starke Leistung des britischen Importspielers. "Es war etwas Besonderes, ihn und seine Entwicklung zu beobachten. Das sind die Momente, die man als Trainer einfach gerne hat", sagt Head Coach Sean McDermott.

McCoy, Gore & Co.: Starke Konkurrenz

Doch genügen die starken ersten Eindrücke, um wirklich zu den 53 Mann im endgültigen Kader zu zählen? Big Plays hin, Spektakel her: Im Depth Chart der Buffalo Bills belegt Wade den siebten und letzten Platz. Vor ihm stehen unter anderem die Routiniers LeSean McCoy und Frank Gore sowie Drittrundenpick Devin Singletary.

Wade weiß, dass die Eingewöhnung an die NFL ein längerer Prozess ist: "Es gibt so viele Dinge, die sich hinter den Kulissen abspielen, die ich Stück für Stück lernen muss. Es gibt wirklich schwierige Tage, in denen ich versuche, all die Dinge aufzusaugen. Ich bin immer noch weit weg von einem fertigen Produkt oder von jemandem, der sich auf dem Feld wohlfühlt. Ich versuche einfach nur, jeden Tag weiterzuarbeiten."

 

Welche Optionen bleiben also, wenn Wade es nicht in den endgültigen Kader schafft? Da Wade dem "NFL International Pathway Program" entsprungen ist, könnten die Bills ihn für eine Saison in das Practice Squad stecken. Sie dürften dafür den zusätzlichen elften Platz in Anspruch nehmen, dürften ihn dann im Saisonverlauf aber nicht aktivieren.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass er auf die Waiver List gesetzt und von einem anderen Team unter Vertrag genommen wird. Undenkbar ist dieses Szenario nicht. Schließlich gibt es in der NFL einige Teams, die einen Mann für die Big Plays gebrauchen können.   

Oliver Jensen

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