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München - "Bieniemy bereitet mir echt Kopfzerbrechen."

Die Worte, die Steelers-Head-Coach Mike Tomlin im Gespräch mit der "Pittsburgh Post-Gazette" wählte, waren eindeutig.

Selbst die erfahrenen Trainer in der NFL können nicht verstehen, warum ein derart erfolgreicher Coach wie Eric Bieniemy noch nicht zum Cheftrainer ernannt wurde. Ganze drei Spielzeiten sind inzwischen vergangen und der 51-Jährige ist immer noch Offensive Coordinator bei den Kansas City Chiefs.

Drei Jahre voller Erfolg.

Niemand will Bieniemy

2018 verloren die Chiefs erst im Championship Game der AFC gegen die Patriots, 2019 gelang gegen die 49ers der Sieg im Super Bowl, in der vergangenen Saison setzte es im Super Bowl eine Pleite gegen die Buccaneers.

Obwohl Kansas City die beste NFL-Offensive in Sachen Punkte und Yards stellt, ging Bieniemy bei der Jobsuche bislang leer aus.

Und das, obwohl bei jeder Franchise mit einer freien Head-Coaching-Position Interesse bestand.

Sieben neue Head Coaches

Ganze sieben NFL-Teams haben sich kürzlich mit einem neuen Head Coach verstärkt. Bei sechs von ihnen wurde der afro-amerikanische Bieniemy sogar zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Geklappt hat es trotzdem nicht.

Ohnehin werfen die Trainer-Neuverpflichtungen und der dazugehörige Bewerbungsprozess wieder ein seltsames Licht auf die beste Football-Liga der Welt.

Für die sieben Head-Coach-Posten gab es insgesamt 27 Kandidaten. 17 von ihnen wurden aber nur von einem einzigen Team zum Gespräch eingeladen. Nur zehn Trainer hatten zwei oder mehr Interview-Anfragen.

Viele Trainer hatten nur ein Vorstellungsgespräch

Ganze vier der sieben neuen Head Coaches hatten nur ein einziges Vorstellungsgespräch. Dazu zählen David Culley (Houston Texans), Dan Campbell (Detroit Lions), Urban Meyer (Jacksonville Jaguars) und Nick Sirianni (Philadelphia Eagles).

Doch was bedeutet das?

Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Jobs an einen Bewerber ging, der nur zu einem einzigen Interview eingeladen wurde, unterstreicht die Einzigartigkeit der Entscheidungsprozesse in der NFL.

Dabei stellt sich die Frage, ob die anderen sechs Teams, die die jeweiligen Kandidaten nicht einmal eingeladen haben, einen Fehler begingen, oder ob der Fehler bei den neuen Arbeitgebern liegt.

NFL will vielfältiger werden

Schon seit Jahren versucht sich die NFL in Sachen Vielfalt zu verbessern. Zu lange wurden die Teams ausschließlich von weißen Trainer geleitet, obwohl die Mehrheit der Spieler schwarz ist.

Jede Franchise muss inzwischen mindestens einen Vertreter einer Minderheit zu einem Vorstellungsgespräch bitten. Und dennoch, wirklich geändert hat sich nicht viel.

Zehn der aktuell 32 Cheftrainer sind Sohn, Vater oder Bruder eines aktuellen oder früheren Coaches. Von derzeit 73 Trainern (Offensive Coordinator, etc.), die in irgendeiner Weise mit einem anderen aktuellen oder früheren Coach verbunden sind, sind 55 weiß. Die Bedeutung von Beziehungen bei der Suche nach einem Job in der NFL ist also kaum zu leugnen.

NFL: Kaum schwarze Trainer 

Eine andere Zahl macht das Problem noch deutlicher.

Von den aktuell 32 Head Coaches gehören nur fünf einer Minderheit an, drei sind schwarz. Selbst 2007, als der über die Nicht-Anstellung von Bieniemy entsetzte Mike Tomlin von den Steelers verpflichtet wurde, gab es mehr schwarze Trainer als heute.

Tomlin sagte: "Der Optimist in mir sagt, dass die Dinge besser werden, aber es gab in den vergangenen Jahren keine Beweise, die das untermauern. Ohne Beweise bleibt uns nur die Hoffnung. Wir waren einfach nicht in der Lage, die Dinge zu ändern."

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