EJ Manuel hat seine Karriere beendet. - Bildquelle: imago/ZUMA PressEJ Manuel hat seine Karriere beendet. © imago/ZUMA Press

München – Das Geschäft ist hart und unbarmherzig. Brutal. Sentimentalitäten haben da keinen Platz. Mitleid? Fehlanzeige.

Bedeutet: Gehörst du nicht zu denjenigen, die abliefern, die auf der großen Bühne performen, bis du raus. Statist. Aussortiert. Ausgespuckt von einem System, das dich auf Händen trägt, wenn es läuft. Dich aber sehr schnell fallen lässt, wenn nichts mehr geht. 

EJ Manuel bekam das zu spüren. Der frühere Erstrundenpick hat sich klammheimlich davon gestohlen, seine Karriere beendet, die Bühne verlassen. Mit 29 Jahren. Für einen Quarterback ist das alles, nur kein Alter.

Der einzige Quarterback in Runde eins

Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell es gehen kann, wie schnell der Hype Ernüchterung weicht. Immerhin war er 2013 im Draft der Quarterback, der als erstes ausgewählt wurde und zudem der einzige in Runde eins. Es war eine schwache Klasse damals, Manuels Name wurde als 16. aufgerufen, die Buffalo Bills schlugen zu.

 

Fuß fasste er allerdings nie wirklich, seine Vorschusslorbeeren konnte er nie bestätigen. Er hinterließ im Senior Bowl nachhaltig Eindruck, war der MVP, dazu mit einem starken Arm ausgestattet und beweglich. Unter anderem Jon Gruden, damals ESPN-Analyst, hatte ihn als Erstrunden-Talent gelobt. Manuel schien mit den nötigen „Waffen“ ausgestattet, eine Karriere in der NFL anzugehen, sowohl körperlich als auch mental.

Das, was er allerdings nicht hatte beziehungsweise bekam, war Zeit.

Das Starter-Duell gegen Kevin Kolb entschied er für sich, profitierte dabei vom plötzlichen Saisonaus (und späteren Karriereende) des Rivalen, der sich in der Preseason die dritte Gehirnerschütterung seiner Laufbahn zuzog. 

Schon 2014 nur Ersatz

Manuel kam unter Doug Marrone auf zehn Spiele, nachdem er sich während der Saison verletzte. 58,8 Prozent seiner Würfe brachte er damals zum Mann, er warf für 1972 Yards, elf Touchdowns und neun Interceptions. Den schnellen Sprung vom Draft-Talent zum Starter schaffen längst nicht alle, für Manuel kam er aber offenbar zu schnell, denn lange hielt er sich nicht in der Führungsrolle. 2014 musste er nach vier Spielen für Kyle Orton auf die Bank und war fortan nur noch Backup. 

Sowohl die beiden restlichen Saisons 2015 und 2016 mit einem neuen Head Coach (Rex Ryan) in Buffalo, als auch bei den Oakland Raiders 2017. Im vergangenen September wurde er dort entlassen, erst im Februar 2019 hatte er sich den Kansas City Chiefs angeschlossen. 

Bei seinen 30 Einsätzen in der NFL in fünf Jahren war er 18 Mal Starter, warf für 3767 Yards, 20 Touchdowns und 16 Interceptions. Seine Bilanz als Starter: 6-12 und ein Passer Rating von 77.1. 

Schlagzeilen schrieb er noch einmal, als er im November gegen Nathan Petermans Auftritte kritisierte. Der Chaos-Quarterback hatte damals trotz seiner unterirdischen Bilanz mit drei Touchdowns und zwölf Interceptions in acht Spielen einen Job als Bills-Quarterback, Manuel war arbeitslos.

Kritik an Peterman

"Normalerweise äußere ich mich nicht zu meiner Situation in Buffalo, aber der Fakt, dass der Kerl mehrere Spiele mit vier und mehr Interceptions hatte….und ich habe immer noch keinen Job in der Liga? … Unwirklich", schrieb er und betonte: "Sagt was ihr wollt, aber das ist mir nie passiert. Vergesst eine Lernkurve, ich hatte nie den Luxus, das als Entschuldigung zu nutzen. Ich frage mich warum?"

 

Warum er nun als Nummer drei bei den Chiefs überraschend und kommentarlos die Reißleine zog, bleibt unklar. 

Klar ist: Sein Rücktritt ist eine Randnotiz, eine kurze Meldung, manchmal auch eine etwas längere Personalie. Und morgen abgehakt.

So ist das Geschäft. Hart und unbarmherzig.

Von Andreas Reiners

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