Der Mann hinter der Offense der Kansas City Chiefs: Eric Bieniemy - Bildquelle: imago images / Icon SMIDer Mann hinter der Offense der Kansas City Chiefs: Eric Bieniemy © imago images / Icon SMI

München/Kansas City - Mit einer Erfolgsserie von sieben Spielen in Folge im Gepäck steuern die Kansas City Chiefs vor dem AFC Championship Game gegen die Tennessee Titans (Sonntag ab 20:45 Uhr live auf ProSieben und ran.de) auf die erste Super Bowl-Teilnahme seit 1970 zu. Über allem schweben dabei die Namen von Head Coach Andy Reid und Quarterback Patrick Mahomes.

Ein Mann, der nicht im Rampenlicht steht, aber gehörigen Anteil an den Erfolgen des Teams hat, ist Offensive Coordinator Eric Bieniemy.

Trotz zahlreicher Verletzungen im Laufe der Saison stellen die Chiefs eine Top 5-Offense in Sachen Scoring. Und auch in der Zeit, als Mahomes verletzt ausfiel, funktionierte Kansas Citys Passing Offense auch unter Backup Quarterback Matt Moore problemlos und überzeugte in diesem Zeitraum mit 80 erzielten Punkten sowie einer Bilanz von 2-1.

Bereits in seinem zweiten Jahr als Dirigent der Offense ist Bieniemys Fußabdruck allgegenwärtig und der Trainer nicht mehr aus Kansas City wegzudenken.

Karriere begann als Running Back Coach

Zur Spielzeit 2006 stellten ihn die Minnesota Vikings als Running Back-Coach ein, wo er bis 2010 im Amt bleiben sollte. Zuvor war er selbst neun Jahre lang auf besagter Position für die San Diego Chargers, Cincinnati Bengals und Philadelphia Eagles aktiv.

Und der Wechsel vom Feld auf die Trainerbank sollte problemlos gelingen. Minnesotas Running Back Adrian Peterson führte die NFL 2007 mit 1341 Rushing Yards und 2008 mit 1760 Rushing Yards an.

2013 holte ihn dann Reid zu den Chiefs und übergab ihm die Geschicke der Running Backs. Der Erfolg stellte sich erneut umgehend ein. Unter seiner Führung durchbrach Jamaal Charles 2013 und 2014 jeweils die Schallmauer von 1000 Rushing Yards.

Mahomes' und Bieniemys steiler Aufstieg

Nach dem Abgang von Matt Nagy zu den Chicago Bears übernahm Bieniemy 2018 mit über zehn Jahren Erfahrung als Positions-Coach als Offensive Coordinator der Chiefs und hatte gewichtigen Anteil an der 12-4-Bilanz, die in einen tiefen Playoff-Run mündete.

Kansas beendete die Saison als beste Offense in Sachen Total Offense (425,6 Yards/Spiel) sowie Scoring und blieb nur 41 Punkte hinter dem Bestwert der Denver Broncos für die meisten erzielten Punkte in einer Spielzeit zurück (2013, 603 Punkte). Quarterback Mahomes wurde in seiner ersten Saison als Starter nach 5097 Passing Yards und 50 Touchdowns alternativlos zum MVP gewählt.

Auch wenn besonders das Lehrjahr 2017 als Backup von Alex Smith den damaligen Rookie Mahomes um Längen nach vorne bringen sollte, Bieniemys Einfluss auf die Entwicklung des Playmakers darf nicht unterschätzt werden.

Übernahm Bieniemy Playcalling gegen Texans?

Während des Spiels der Divisional Round gegen die Houston Texans sorgte ein Video auf Twitter für Aufsehen, in dem Bieniemy mit dem Play-Sheet in der Hand zu sehen ist und - so wurde unterstellt - einen Spielzug ansagt. Das Video wurde wohlgemerkt Ende des zweiten Viertels aufgenommen, als Kansas nach 0:24-Rückstand zur Aufholjagd geblasen hatte und binnen weniger Minuten mit drei Touchdowns ins Spiel zurückfand.

Head Coach Andy Reid stand dabei - als wären die Rollen vertauscht - in der Zuschauerrolle neben seinem Offensive Coordinator. Eine seltene Situation, ist sonst doch Reid für das Playcalling verantwortlich.

Noch vor der Saison stellte Bieniemy die Hackordnung bei den Chiefs gegenüber "ESPN" klar: "Coach Reid hat es immer auf seine Weise gemacht. Er hat einen außergewöhnlichen Verstand und wir arbeiten alle Hand in Hand", und gab Einblicke in seine Einflussnahme: "Er gibt mir grünes Licht für eine Reihe von Dingen. Ich gebe viel Input, fertige Skripte an. Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich tue."

War die Szene gegen die Texans also ein Ausblick auf die nahe Zukunft und eine mögliche Wachablösung in Kansas, oder doch nur eine überbewertete, weil aus dem Zusammenhang gerissene, Momentaufnahme?

Auch hierzu hatte Bieniemy die passende Antwort: "Die Trainer kommunizieren mit mir, ich kommuniziere mit dem Quarterback. Um ehrlich zu sein, ich glaube, die Leute machen da aus einer Mücke einen Elefanten", zitiert ihn der "Kansas City Star". 

Beförderung zum Head Coach nur eine Frage der Zeit

Nachdem die Chiefs in der Vorsaison erst in der Overtime des AFC Championship Games an den New England Patriots scheiterten, erhielt der 50-Jährige kurz darauf die Möglichkeit für die Head Coach-Posten bei den New York Jets, Tampa Bay Buccaneers, Bengals und auch Miami Dolphins vorzusprechen. Letzteren Job sicherte sich bekanntlich der ehemalige Offensive Coordinator der Patriots, Brian Flores.

"Ich fühle mich gesegnet und privilegiert, in dieser Situation zu sein und die Gelegenheit zu bekommen, (für einen Head Coach-Posten, Anm. d. Red.) vorzusprechen", erklärte der Chiefs-OC damals und machte keinen Hehl aus seinen Zukunftsabsichten: "Würde ich mich freuen, einen solchen Posten zu bekommen? Ja."

Und auch in dieser Saison wurde Bieniemy sowohl bei den Carolina Panthers, Cleveland Browns als auch New York Giants zu Job-Interviews eingeladen - erneut ohne positives Ergebnis. Dennoch erscheint der Sprung auf den Head Coach-Stuhl nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Das erkennt auch sein Boss Reid, der seinem Assistenten den richtigen Umgang mit der Situation lehrte: "Wir alle wissen, wer er ist und wie gut er ist. Ich will damit sagen, dass genauso wie wir Trainer seine Enttäuschung geteilt haben, tun das auch die Spieler. Ich denke, das sagt eigentlich alles."

Um seinen Job macht sich Reid zwar nach außen hin keine Sorgen, hat er hat die Zeichen der Zeit durchaus erkannt: "Ich würde jedem raten, ihn jetzt zu verpflichten. Ich will ihn nicht verlieren, aber wenn man mich fragt, ob er bereit für einen Head Coach-Posten ist: Er ist bereit und war das auch schon letztes Jahr."

Daniel Kugler

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