Am Sonntag wird es das letzte Mal laut im "The Black Hole": Die Raiders best... - Bildquelle: 2019 Getty ImagesAm Sonntag wird es das letzte Mal laut im "The Black Hole": Die Raiders bestreiten ihr letztes Heimspiel, bevor sie nach Las Vegas ziehen. © 2019 Getty Images

München - Das Ende einer unglaublichen Ära steht dieses Wochenende in der NFL bevor: Die Raiders spielen zum letzten Mal im Oakland-Kolosseum. Nach dem Sonntagsspiel gegen die Jacksonville Jaguars werden in der bald ehemaligen Heimstätte des dreimaligen Super-Bowl-Gewinners die Lichter ausgehen.

Das berühmte "The Black Hole" wird verstummen. Die Spinde werden geräumt sein und Tränen werden fließen. Die Stadt Oakland wird ein gebrochenes Herz haben - und das zum zweiten Mal.

1982 verließ die Franchise nach 21 Jahren das erste Mal die East Bay Area. Das Ziel: Hollywood. Los Angeles wurde für zwölf Jahre die neue Heimat der Raiders. In einigen Wochen verlassen die Raiders wieder Oakland. Für das Team von Besitzer Mark Davis geht es in die Wüste von Nevada. Im Glanz der Lichter von Las Vegas sollen die Raiders ab 2020 dort auflaufen. 

Stadt unterstützt lieber die Athletics

Einer der Gründe für den Umzug war die seit Jahren herrschende Unzufriedenheit in Sachen Stadion. Das Kolosseum ist eines der baufälligsten Stadien der NFL. Zu einer Einigung für eine Modernisierung oder einen möglichen Neubau kam es mit der Stadt nie.

Die unterstützte lieber das Bauprojekt der Oakland Athletics, das MLB-Team der kalifornischen Stadt. Daran änderten auch die letzten Versuche der Gruppierung um das Hall-of-Fame-Mitglied Ronnie Lott nichts mehr.

Daher war Davis gezwungen, sich umzuschauen. Der vergleichsweise ärmere Team-Besitzer unter den NFL-Ownern erhielt von Las Vegas die notwendige finanzielle Unterstützung für ein neues Stadion. Die Stadt leistete Zuschüsse in Höhe von 750 Millionen Dollar, 550 Millionen Dollar zahlte das Team selbst.

Raiders wollen eine "unvergessliche Leistung" bieten

Als Head Coach John Gruden am Mittwoch gefragt wurde, was er für ein Gefühl vor dem letzten Spiel in Oakland habe, wurde der Cheftrainer nostalgisch. "Es ist im Moment schwer, wirklich darüber nachzudenken, wie es sein wird, dort zum letzten Mal überhaupt zu spielen", sagt er. "Aber es wird hart". Er habe viele schöne Erinnerungen an die Spielstätte.

Der Sonntagnachmittag stehe im Zeichen vieler Emotionen, so Gruden weiter. "Ich schätze, ich bin in vielerlei Hinsicht hier aufgewachsen" so der Coach, der die Raiders bereits von 1998 bis 2001 trainierte und seit 2018 wieder an der Seitenlinie steht.

"Ich liebe es hier einfach. Ich habe hier eine Menge Geschichten erlebt. Viele meiner Freunde werden am Sonntag ins Stadion kommen", fiebert Gruden dem letzten Spiel in Oakland entgegen.

Das Sportliche solle gegen die Jaguars am Sonntag aber nicht zu kurz kommen. Der ehemalige Head Coach der Buccaneers hofft, dass sein Team die Serie von drei verlorenen Spielen beenden kann. "Wir wollen einen großartigen Job machen und die bestmögliche Leistung erbringen." Er könne keine Garantien abgeben, aber "wir wollen versuchen, unseren Fans eine unvergessliche Leistung zu bieten. Es wird emotional werden".

An eine Szene könne sich Gruden noch ganz besonders erinnern. Bei einem Spiel habe seine Mutter im Pulk der brüllenden Raiders-Fans gestanden. "Wir waren gerade bei den Aufwärmübungen und ich schaute hinüber und sah meine Mutter zwischen den Hard-Core-Fans", sagte Gruden. "Ich sagte zu meinen Leuten: Jemand soll meine Mutter daraus holen." Es sei im Nachhinein ein witziger Moment gewesen.

Carr: "Es ist ein Traum, der wahr wurde"

Auch für Derek Carr wird es kein normales Spiel werden. Der Quarterback hat seinen Kindheitstraum verwirklicht und für das Lieblingsteam seines Vaters gespielt. "Ich bin stolz, auf dem gleichen Feld wie die Raiders-Größen Daryle Lamonica, Kenny Stabler und Jim Plunkett gespielt zu haben", sagt der gebürtige Kalifornier.

"Ein kleines Kind aus Fresno spielt für die Lieblings-Footballmannschaft seines Vaters", erzählt Carr während der Pressekonferenz, "und lasst uns ehrlich sein: Das ist ziemlich fantastisch. Es ist ein Traum, der wahr wurde. Ich habe auf dem gleichen Feld wie all diese Legenden gespielt. Das ist eine coole Sache!"

 

Die Raiders wählten Carr im NFL Draft 2014 in der zweiten Runde als 36. Spieler aus. Während des Trainingscamps setzte sich der heute 28-Jährige gegen Matt Schaub durch und wurde im ersten Spiel der Regular Season als Starting Quarterback eingesetzt. 

Er war damit der erste Rookie, der für die Raiders das erste Saisonspiel als Starting Quarterback bestritt. Carr beendete die Spielzeit mit einer neuen Bestleistung für Rookie-Quarterbacks der Oakland Raiders. Ihm gelangen 3.270 Yards im Passspiel.

Neue Heimat: das Allegiant Stadium

Für Sonntag erwartet Carr ein intensives Spiel: "Es wird verrückt und laut werden. Wir werden rausgehen und unser Bestes geben." Die schönste Erinnerung habe der Quarterback an seinen ersten Sieg im RingCentral Coliseum. "Man vergisst den ersten Sieg nie", so Carr. 

Auf die Frage, ob er jemals während eines Heimspiels einen Blick auf die Tribüne geworfen hat, um die verrückten Possen der Raiders-Fans zu sehen, musste Carr schmunzeln. "Zu 100 Prozent", sagte ein vor Freude strahlender Carr. "Es gab mehrere Male, dass das passiert ist."

Ob sich diese Szenen auch in Nevada wiederholen werden, steht in den Sternen. In Las Vegas wird aktuell eine 1,7 Milliarden Dollar teure Arena für 65.000 Zuschauer gebaut. Das Allegiant Stadium soll in die großen Fußstapfen des altehrwürdigen Kolosseum treten.

Vor zwei Jahren machte Las Vegas in Sachen Sport das erste Mal auf sich aufmerksam. Die Wüstenstadt bekam ausgerechnet ein eigenes Eishockey-Team. Die Vegas Golden Knights knackten einige Rekorde und sorgten für ordentlich Furore. Das gleiche, so hoffen sie in der Glückspielmetropole, sollen auch die Raiders schaffen.

Benjamin Reibert

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