Russell Wilson und die Seattle Seahawks starten durchwachsen in die neue NFL... - Bildquelle: getty/ran.deRussell Wilson und die Seattle Seahawks starten durchwachsen in die neue NFL-Saison © getty/ran.de

München/Seattle - Im Sport wird häufig das Konzept des Momentums beschworen. Die Idee dahinter: Hat eine Mannschaft eine starke Phase, bevor es in die entscheidenden Momente eines Spiels oder einer Saison geht, ist das Selbstvertrauen der Akteure gestärkt und sie kommen in einen Flow, der sie zum Erfolg trägt. 

In den vergangenen beiden NFL-Spielzeiten hatten die Seattle Seahawks eben jenes Momentum nicht auf ihrer Seite. In den ersten Wochen der Saison spielten sie wie echte Super-Bowl-Anwärter, fielen in der Folge aber ab. 2019 startete das Team mit acht Siegen aus zehn Spielen, beendete die Spielzeit aber mit einer Bilanz von 11-5.

Seattle Seahawks: Starke Starts, stark nachgelassen

2020 starteten Russell Wilson und Co. sogar mit 5-0, hatten dann aber einen Durchhänger und beendeten die Regular Season mit 12-4. In den Playoffs war jeweils früh Schluss.

In diesem Jahr ging schon der Start gründlich daneben. In Woche 2 verspielten die "Hawks" einen 14-Punkte-Vorsprung gegen die Tennessee Titans vor heimischem Publikum. Bei der Auswärtsniederlage gegen die Minnesota Vikings schmolz der zwischenzeitliche 17:7-Vorsprung schon in Hälfte eins dahin. Danach schien der erste Saisonsieg der Vikings nie wirklich in Gefahr.

Dunlap "enttäsucht und frustriert"

"Wir müssen vier Viertel konstant genug spielen, um zu gewinnen. Das hat uns heute gefehlt, es war einfach nicht da", sagte der enttäuschte Head Coach Pete Carroll nach der Partie. Linebacker Carlos Dunlap zeigte sich "enttäuscht und frustriert". Dabei sind die "Hawks" um Superstar-Quarterback Wilson auf dem Papier gut genug, um in der harten NFC West um den Titel mitzuspielen.

 

"Wir wissen, dass wir viel mehr können als wir bisher gezeigt haben. Aber wir müssen es eben auch beweisen", sagte Dunlap. Aktuell hapert es allerdings noch in allen Mannschaftsteilen. Am offensichtlichsten ist die Schwachstelle in der Defense. Die "Legion of Boom" ist nicht mehr als eine vage Erinnerung an bessere Zeiten.

Seahawks können Vikings-Offense nicht stoppen

Ohne ihren verletzten Star-Running-Back Dalvin Cook legte die Vikings-Offense insgesamt 453 Yards zurück. Cook-Backup Alexander Mattison wurde seiner Job-Beschreibung mit 112 Rushing Yards, bei durchschnittlich 4,3 Yards pro Lauf, mehr als gerecht.

Seattles Pass-Verteidigung präsentierte sich kaum besser. Der viel gescholtene Kirk Cousins sah aus wie ein All-Pro und sezierte die Secondary um den hoffnungslos überforderten Tre Flowers für 323 Passing Yards und drei Touchdowns.

Flowers steht schon länger in der Kritik. Der Fünftrundenpick des Drafts 2018 hat in seiner vierten NFL-Saison bisher nicht den erhofften Sprung gemacht. Vikings-Star-Receiver Justin Jefferson hatte Platz wie selten und fing neun Pässe für 118 Yards. Die Hoffnungen schwinden, dass Flowers wirklich das Potenzial zum NFL-Starter hat. 

Offense um Russell Wilson fällt komplett ab

Allerdings trifft auch die Defensive Line Schuld. Ein Pass Rush war die meiste Zeit nicht existent, Cousins konnte sich seine Anspielstationen in Seelenruhe aussuchen.

Bezeichnend: In der ersten Halbzeit generierte die Seahawks-Offense insgesamt 308 Yards und musste kein einziges Mal punten, dennoch führten die Vikings zur Pause mit 21:17.

 

Doch Wilson und Co. müssen sich ebenso hinterfragen. Denn in den letzten beiden Vierteln fiel die Offensive komplett ab und hatte keine Antwort auf die Anpassungen der Vikings-Defense. 81 Yards und kein einziger Punkt, so lautete die erschreckende Bilanz in der zweiten Hälfte.

O-Line der Seahawks weiterhin wackelig

Zugegeben, da die Defense die Vikings nur selten zu einem Punt zwingen und auch keine Turnover erzwingen konnte, bekam die Offense keine gute Field Position. Doch selbst wenn sie auf dem Feld stand, wurden Defizite klar ersichtlich. Die Offensive Line ließ bei 38 Pass Rushing Snaps 17 Pressures und zwölf Hurries zu. Wilson stand also fast konstant unter Druck.

Sonst kann der Seahawks-Quarterback solche Situationen nutzen, um Yards im Laufspiel zu erzielen. Gegen Minnesota gelang dem 32-Jährigen das nicht, gerade einmal drei Rushing Attempts für sieben Yards standen zu Buche.

Insgesamt legte "Russ" mit 289 Passing Yards und einem Touchdown ein solides Spiel hin. Ohne die außergewöhnlichen Houdini-Momente ihres Spielmachers scheinen die Seahawks aktuell aber ziemlich chancenlos.

NFC West ist die wohl härteste Division der NFL

Die Saison ist noch lang, für den Panikmodus ist es also noch zu früh. Auch 2015, 2017 und 2018 startete Seattle mit einer Bilanz von 1-2 und schaffte danach die Wende. Doch die Seahawks spielen in der wohl härtesten Divison der NFL.

Die Los Angeles Rams haben angeführt von ihrem neuen Star-Quarterback Matt Stafford gerade die Tampa Bay Buccaneers und Tom Brady entzaubert. Die Arizona Cardinals stehen ebenfalls bei einer 3-0-Bilanz und die San Francisco 49ers mussten sich erst im Sunday Night Game des Spieltags knapp den Green Bay Packers geschlagen geben.

 

       

Für die Seahawks steht in Woche vier ein Duell mit den 49ers an, in der Woche darauf sind die Rams im Lumen Field zu Gast. Jetzt wäre also ein guter Zeitpunkt, um wieder etwas Momentum für den Rest der Saison zu gewinnen.

Julian Huter    

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