Jon Gruden soll die Raiders spätestens in Las Vegas zu einem Titelanwärter m... - Bildquelle: imago images/Icon SMIJon Gruden soll die Raiders spätestens in Las Vegas zu einem Titelanwärter machen © imago images/Icon SMI

London/München – Was macht nur dieser Jon Gruden da? Diese Frage stellten sich in der vergangenen Saison gefühlt alle Fans der NFL – vor allem die der Oakland Raiders. Der 56-Jährige übernahm 2018 die Franchise und versprach, er würde ein Championship-Team aufbauen.

Erst einmal aber ließ er sämtliche Leistungsträger ziehen. Nicht nur die Wide Receiver Michael Crabtree und Amari Cooper, sondern sogar Khalil Mack, einer der besten Defense-Spieler der Liga, waren plötzlich abkömmlich.

Die Folge: Die Saison 2018 war ein Desaster. Nur vier Siege bekam die Franchise zustande. Als die Raiders im Oktober nach London kamen, wurden sie von den Seattle Seahawks mit 27:3 regelrecht vorgeführt.

Sonntag treten die Raiders erneut in London an (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de). Austragungsort ist diesmal allerdings nicht das Wembley Stadium, sondern das Tottenham Hotspur Stadium. Gegner sind nicht die Seahawks, sondern die Chicago Bears. Der wichtigste Unterschied ist aber: Im Gegensatz zu damals, ist nun so langsam der Plan von Gruden erkennbar.

Auch wenn das Intermezzo mit Star-Receiver Antonio Brown ein schnelles Ende fand, sind die Raiders stärker einzuschätzen, als in der vergangenen Saison. Zwei der ersten vier Saisonspiele wurden gewonnen. Das Laufspiel zählt weiter zu den Top-10 der Liga, die O-Line funktioniert und selbst der Pass Rush hat sich ein wenig verbessert.

Eigenwillige Entscheidungen im Draft

Gleichwohl blieben Gruden und der hinzugekommene General Manager Mike Mayock in gewissen Entscheidungen eigenwillig. Das zeigte sich vor allem im Draft, als die Raiders an Position 4 keinen der hochgeschätzten Defense-Brocken wie Josh Allen oder Ed Oliver auswählten, sondern überraschend Defensive End Clelin Ferrell pickten.

Der Absolvent von Clemson war am College zwar ein angesehener Quarterback-Jäger, galt aber für kaum einen Experten als Top-10 Kandidat. "Es gab aufregendere Spieler, die andere Teams vielleicht etwas höher auf ihrem Board hatten. Aber auf unserem Board waren er und Nick Bosa nebeneinander ganz oben", erklärte Mayock. Ferell soll gemeinsam mit dem im Jahre zuvor gedrafteten Arden Key ein gefährliches Duo bilden.

Insgesamt sind die Raiders im Pass Rush, vergangene Saison mit 13 Sacks noch die Lachnummer der Liga, in der Breite stärker aufgestellt. Das beste Beispiel ist Benson Mayowa: Ein Defensive End, der 2013 ungedraftet in die NFL gelangte und - sieht man einmal von der Spielzeit 2016 bei den Dallas Cowboys ab - nie über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskam.

Nun ist er bei den Raiders mit 3,5 Sacks plötzlich der beste Pass Rusher seines Teams. Dabei kam er vergangenen Sonntag verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz.

Gruden und Mayock suchen nicht zwingend nach großen Namen, sondern vielmehr nach einem bestimmten Profil. Dessen Bezeichnung: Foundation Player. Was damit gemeint ist: Spieler mit Talent, Charakter und Leidenschaft für den Football.

Gruden: Wir brauchen Leader

"Wir bauen unser Team auf und brauchen eben die passenden Bausteine dafür", sagte Gruden. "Diese Franchise zieht nach Las Vegas um. Das ist sehr herausfordernd. Wir wollten daher nicht nur gute Footballspieler und große Talente haben, sondern auch Jungs, die damit umgehen können, an der vordersten Front zu stehen und ein Leader zu sein. Mayock und ich sind der festen Überzeugung, dass dies die entscheidende Stärke aller großartigen Spieler ist."

Drei First-Round-Picks standen den Raiders im April zur Verfügung. Alle wurden für Talente aufgewendet, die als echte Arbeitstiere galten. Neben Ferell wäre da auch noch der physisch starke Safety Johnathan Abram, der verletzungsbedingt die restliche Saison verpassen wird, und vor allem Running Back Josh Jacobs.

Josh Jacobs lässt Lynch und Martin vergessen  

Jacobs ersetzt den zurückgetretenen Marshawn Lynch und den entlassenen Doug Martin praktisch im Alleingang. Mit seinen 307 Rushing-Yards zählt er zu den Top-10 der NFL. Und das Beste ist: Statt sich darauf viel einzubilden, gibt er sich selbstkritisch. "Es fühlt sich gut an, Anerkennung zu bekommen", sagt er. "Aber ich habe noch immer das Gefühl, dass ich viel mehr tun kann und dass ich noch viele Yards liegen ließ. Ich bin mit mir nicht zufrieden."

Ein Statement, das perfekt zu der von Gruden und Mayock vorgegebenen Arbeitsmoral passt.

Stärkere O-Line dank Trent Brown & Co.

Voraussetzung für ein gutes Lauf- und Passspiel ist bekanntlich eine funktionierende Offensive Line. Vergangene Saison wurde Quarterback Derek Carr 51 Mal gesackt – der dritthöchste Wert der Liga.

Darauf wurde reagiert: In dem ligaweit bestbezahlten O-Liner Trent Brown, Skandal-Spieler Richie Incognito und dem einstigen Super-Bowl-Sieger Jordan Devey kamen drei Schlüsselspieler hinzu. Die Folge: Carr wurde in vier Spielen bislang nur acht Mal zu Boden gebracht – ein guter Wert.

Gleichwohl lagen die Raiders nicht mit allen Personalentscheidungen richtig. Antonio Brown bleibt ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Raiders. Und Vontaze Burfict wurde seinem Ruf als "Bad Boy" einmal mehr gerecht und wegen einem regelwidrigen "Helmet-to-Helmet"-Tackling für die restliche Saison gesperrt (Berufung steht aus).  

Doch die Raiders sind dazu in der Lage, den einen oder anderen Fehlgriff zu verschmerzen. 2020 können sie ihre Mannschaft mit zwei Erstrunden-Picks weiter verstärken. Möglicherweise fragt sich also bald niemand mehr, was dieser Jon Gruden da macht.

Oliver Jensen

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