What's next? Die Zukunft von Nick Foles wird derzeit heiß diskutiert - Bildquelle: imagoWhat's next? Die Zukunft von Nick Foles wird derzeit heiß diskutiert © imago

Philadelphia/München - Wie viel ist diese erkaufte Freiheit wert? Zwei Millionen US-Dollar hat Nick Foles den Philadelphia Eagles gezahlt - für die Hoffnung, selbständig über seine Zukunft zu entscheiden.

Ab dem 19. Februar wird sich zeigen, wie unabhängig der Backup-Quarterback von Carson Wentz wirklich sein wird bei der Suche nach dem künftigen Arbeitgeber. Denn dieses Datum markiert den Startschuss für die Klubs, um Franchise oder Transition Tags zu vergeben.

Eagles bräuchten Trade-Partner für Foles

Zwar dürften die Eagles den 30-Jährigen nicht taggen, nur um ihn anschließend zu traden - doch wie sollte ihnen diese Intention am Ende eines Deals nachgewiesen werden? Vermutlich gar nicht. So konnten vor einem Jahr die Miami Dolphins Jarvis Landry zu den Cleveland Browns traden, obwohl er zuvor per Franchise Tag gehalten worden war.

Demnach wäre es alles andere als unrealistisch, sollten die "Birds" bei Foles die gleiche Taktik fahren. Doch welche Teams haben auf der Position des Playmakers Bedarf? Und würden Foles obendrein die rund 23 Millionen US-Dollar überweisen, die ihm über den Franchise Tag zustehen würden?

Als heißeste Anwärter gelten die Jacksonville Jaguars. Das Team aus Florida kommt aus einer total verkorksten Saison. Vor einem Jahr erst in einem spektakulären AFC Championship Game von den New England Patriots gestoppt, gelangen in der gerade zu Ende gegangenen Saison gerade mal fünf Siege.

Jaguars könnten auch Quarterback traden

Bedeutet: letzter Platz in der AFC South. Beim Draft haben sich die "Jags" damit den siebten Pick verdient. Den könnten sie auch nutzen, um ihre Finger nach einem QB-Talent auszustrecken. Doch die Class 2019 gibt nicht annähernd die Quantität her wie die vorige.

2018 setzten die Jaguars ihr Vertrauen in Blake Bortles. Der in der breiten Öffentlichkeit stets kritisch beäugte Third-Overall-Pick des Draft 2014 unterschrieb im Frühjahr einen neuen Kontrakt bis 2021. Das Volumen beträgt 54 Millionen US-Dollar. Eine Menge Schotter.

"Jags"-Verträge sprengen Salary Cap

Seither ist der 26-Jährige Topverdiener. Und den Jaguars sind die Hände gebunden. Denn "Spotrac" zufolge würden alle aktuellen Verträge des Teams bereits den Salary Cap sprengen. Also müsste erst einmal Platz geschaffen werden, damit Foles bezahlbar wäre.

Eine Entlassung von Bortles ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Denn auf einen Trade dürfte sich angesichts von 16 Millionen US-Dollar Gehalt für 2019 kein Konkurrent einlassen. Eine Trennung vor Juni würde zumindest knapp zehn Millionen US-Dollar an Cap Space schaffen - bei weitem nicht genug.

Jackson muss Jacksonville wohl verlassen

Also müssten die "Jags" auch ran an die anderen fetten Verträge. Über diese erfreuen sich vor allem die Profis aus der Defense. Eine Entlassung von Malik Jackson ist bereits Gegenstand von Spekulationen. Der Tackle kassiert wie Cornerback A.J. Bouye und Guard Andrew Norwell 13 Millionen US-Dollar.

Bei Calais Campbell sind es zwar "nur" zwölf Millionen US-Dollar. Doch der Defensive End weiß, was auf ihn zukommen wird: "2019 kann ein spezielles Jahr werden, aber dafür müssen wir einiges tun. Ich werde meine Ärmel hochkrempeln und alles für unseren Erfolg geben."

Campbell wohl bereit für Umstrukturierung

Und das eben nicht nur auf dem Platz. Der viermalige Pro-Bowler würde wohl Hand anlegen lassen an seinen 2017 abgeschlossenen Vierjahres-Vertrag über 60 Millionen US-Dollar. Das Gehalt müsste entsprechend anders verteilt werden.

"Wir müssen die Free Agents entsprechend bezahlen, damit sie Teil des Teams werden wollen. Hoffentlich gelingt uns das", betonte der 32-Jährige, dem in den kommenden beiden Spielzeiten 27 Millionen US-Dollar an Basisgehalt zusteht.

Überzeugen könnte Foles auch der jüngste Zugang im Coaching Staff der Jaguars. Im Januar wurde John DeFilippo als neuer Offensive Coordinator präsentiert. Der 40-Jährige kehrte damit wenige Wochen nach seiner Entlassung bei den Minnesota Vikings in die NFL zurück. 2017 hatte er als QB-Coach der Eagles einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Super-Bowl-Triumph. Immerhin avancierte Foles nach Wentz' Kreuzbandriss zum MVP des epischen Finals.

Auch Broncos in der Verlosung

Als zweiter potenzieller Abnehmer gelten die Denver Broncos, bei denen auch Case Keenum die von Peyton Manning hinterlassene Lücke nicht schließen könnte. Seit dem Erfolg im Super Bowl 50 gewann das Team aus Colorado in drei Jahren nur 20 Partien und musste in den Playoffs jeweils zuschauen.

Broncos-Expertin Nicki Jhabvala von "The Athletic" geht davon aus, dass General Manager John Elway "sicher die Optionen für routinierte Quarterbacks prüft, bevor er seine Möglichkeiten beim Draft prüft". Dort darf die Quarterback-Legende an zehnter Position picken.

 

Broncos verfügen über Cap Space für Foles-Trade

Denver verfügt zumindest über das nötige Cap Space - laut "Spotrac" nach aktuellem Stand rund 36 Millionen US-Dollar. Dennoch glaubt "CBS"-Reporter Jason La Canfora nicht an eine Zukunft von Foles im Mile High.

Dessen Auflistung der potenziellen Ziele lautet so: "Da wären Miami, Jacksonville, Washington und vielleicht Denver. Aber Denver schätze ich eher nicht. Ich denke, es wird Jacksonville. Sie fokussieren sich auf ihn und Flacco." Joe Flacco, dem bei den Baltimore Ravens Lamar Jackson vor die Nase gesetzt wurde, gilt als zweites heißes Eisen auf dem QB-Markt.

Ex-Berater glaubt nicht an Franchise Tag

Die Optionen für Foles sind also offenbar überschaubar. Auch für den Fall, dass die "Birds" ihm wirklich seine Freiheit lassen würden und er ab 13. März Free Agent wäre. Der früher als Berater aktive Joel Corry etwa sieht auch die mit dem Franchise Tag einhergehenden Gefahren, sollte sich kein Abnehmer für den gebürtigen Texaner finden.

Einen Backup-QB zu unterhalten, der 23 Millionen US-Dollar abräumt, wäre ein unverantwortliches Vergnügen. Hinzu kommt eben, dass die Nutzung des Franchise Tag ohne den Spieler halten zu wollen nicht mit dem Tarifvertrag der NFL vereinbar ist.

Vertragsvolumen wie Keenum oder Smith?

Für Foles könnte sich Corry zufolge aber auch die Free Agency finanziell auszahlen. Der ehemalige Agent schätzt, dass ein Vertrag in der Größenordnung von Keenum bei den Broncos oder Alex Smith bei den Washington Redskins realistisch sein sollte. Deren durchschnittliches Gehalt beträgt 18 respektive 23,5 Millionen US-Dollar.

Zur Erinnerung: Die von Foles abgelehnte Vertragsoption der Eagles hätte ihm rund 69 Millionen US-Dollar für die kommenden drei Jahre beschert. Da muss sich die neue Freiheit schon lohnen.

Marcus Giebel

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