Bevor er bei den Minnesota Vikings anheuerte, spielte Cousins sechs jahre be... - Bildquelle: imago/Icon SMIBevor er bei den Minnesota Vikings anheuerte, spielte Cousins sechs jahre bei den Washington Redskins. © imago/Icon SMI

München/Minneapolis - Nach einem mehr als enttäuschenden Start in die neue NFL-Saison können sich die Minnesota Vikings mittlerweile wieder Hoffnung auf die Playoffs machen. 

Seit der Bye-Week wirkt das Team von Head Coach Mike Zimmer wie ausgewechselt. Vor allem ein Spieler verkörpert den plötzlichen Wandel wie kein zweiter: Quarterback Kirk Cousins.

Viel Geld, aber wenig Resultate

Viele NFL-Fans würden Kirk Cousins, den 1,91 m großen Spielmacher der Vikings, nicht unbedingt zur Elite der NFL zählen.

In neun Saisons kommt der frühere Viertrundenpick der Washington Redskins auf drei Starts in den Playoffs, seine Bilanz in der Postseason ist eher dünn: ein Sieg, zwei Niederlagen.

Nichtsdestotrotz verpflichteten ihn die Vikings 2018 in der Hoffnung, dass der 32 Jahre alte Passgeber den Klub endlich zum ersehnten Super-Bowl-Sieg führen würde. Cousins unterschrieb einen Dreijahresvertrag, der ihm 84 Millionen Dollar garantieren sollte.

Im März diesen Jahres verlängerte er frühzeitig um zwei weitere Jahre, diesmal winken ihm rund 66 Millionen Dollar. Kein schlechtes Geld für einen Quarterback, der nie über die zweite Runde der Playoffs hinausgekommen ist.

Defensiver Umbruch

Anders als bei vielen anderes Teams konzentriert sich die Offensive der Vikings nicht allein auf ihren teuren Spielmacher. Seitdem er Minnesota im Jahr 2014 übernahm, legt Head Coach Mike Zimmer den Fokus auf eine Kombination aus stabiler Defensivarbeit und einem geradlinigen Laufspiel.

Der Spielmacher fungiert in diesem Fall mehr als Game-Manager und soll vor allem über Play-Action-Pässe zum Zuge kommen. Bricht eine der beiden Hauptsäulen weg, erhöht sich unweigerlich der Druck auf den Passgeber, der nun den Ausfall bestmöglich kompensieren muss.

2020 ist es die Defense, die durch einige Ausfälle und Free-Agency-Abgänge ihre Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Vikings belegen nach zwölf Spieltagen den 24. Platz in "Total Yards" (382 pro Spiel) und haben nach einem Umbruch in der Secondary enorme Schwierigkeiten in der Pass-Verteidigung (Platz 25, 261,3 Yards).

Somit lastet ein erhöhter Druck auf der Offense und damit auch auf Kirk Cousins.

Erste Saisonhälfte glich einem Albtraum

Die unmittelbare Folge war ein desolater Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten sechs Partien. Cousins musste vermehrt ins Risiko gehen und erzielte immerhin elf Touchdowns, warf aber auch zehn Interceptions.

Zudem ließ die Effektivität der Play-Action-Pässe nach. Während die Vikings von Running Back Dalvin Cook Woche für Woche vergeblich im Spiel gehalten wurden, wurden in Minnesota die Rufe nach einem Rebuild langsam lauter.

Nach der Playoff-Teilnahme im vorangegangenen Jahr schienen sich die Fans des Klubs nun auf eine lange Saison einstellen zu müssen.

Die wundersame Wirkung der Bye-Week

Sechs Wochen später ist von diesem Gedanken nichts mehr zu hören. Seit ihrer Bye-Week am 7. Spieltag spielen die Vikings deutlich erfolgreicher und holten aus fünf Partien vier Siege, darunter war ein beeindruckender Auftritt gegen Division-Leader Green Bay. 

Diese Wandlung ist vor allem Cousins zu verdanken, dessen Leistungen sich um 180 Grad ins Positive gewendet haben. Dem Passgeber gelangen seit der Bye-Week zwölf Touchdowns, gleichzeitig leistete er sich nur eine Interceptions.

Auch im Passer Rating lässt sich die Trendwende beobachten, Cousins' Wert von 124,3 ist seit Week 7 der beste der gesamten NFL. Sein Touchdown-Interception-Verhältnis ist seitdem das zweitbeste der Liga.

Mit einem Sieg am kommenden Wochenende stünde man plötzlich wieder bei einer Bilanz von 6-6 und hätte eine günstige Ausgangsposition für den Kampf um die Playoffs (hier geht's zum aktuellen Playoff-Picture).

Cousins kommt Cook endlich zur Hilfe

Besonders deutlich wird Cousins' Bedeutung, wenn man die Leistungen von Dalvin Cook betrachtet. Diese sind während der zwei Saisonabschnitte nämlich nahezu gleich geblieben (im Schnitt 5,2 Yards pro Versuch), einzig und allein Cousins konnte seine Produktivität erhöhen.

Am 10. Spieltag erlief Cook bei 31 Versuchen gegen die Chicago Bears 3,2 Yards (96 Yards), während sein Spielmacher knapp 300 Yards und zwei Touchdowns erzielen konnte.

In der vergangenen Woche wurde Cook von den Carolina Panthers auf 61 Yards (3,4 pro Versuch) begrenzt - Cousins gewann das Spiel mit 307 Yards und drei Touchdowns.

Ein neuer Star

Dass Cousins' Leistungssteigerung bisher wenig bis kaum Anerkennung findet, ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass die Vikings in Justin Jefferson einen ebenbürtigen Ersatz für Star-Receiver Stefon Diggs gefunden haben.

Mit 918 Yards und sechs Touchdowns ist der 22. Pick des diesjährigen Drafts neben Steelers-Rookie Chase Claypool der beeindruckendste Neuling auf der Receiver-Position. 

Endspurt über fünf Spiele

 

Fünf Spiele hat Kirk Cousins nun noch Zeit, um eine eigentlich verkorkste Saison der Minnesota Vikings zu retten. Das Potenzial für eine Siegesserie im Dezember ist im Hinblick der jüngsten Leistungen mehr als möglich.

Am Sonntag soll gegen die Jacksonville Jaguars der nächste Schritt Richtung Postseason gemacht werden. Ihr bewährtes Spielsystem werden die Vikings kaum ändern, sodass letztlich Cousins' Auftritt über Erfolg oder Misserfolg des Klubs entscheiden wird.

Es lastet also wieder einmal eine Menge Druck auf dem 32 Jahre alten Spielmacher - etwas anderes ist Kirk Cousins in diesem Jahr aber auch nicht gewohnt.

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