Grady Jarrett galt 2015 als potentieller Zweitrunden-Pick, rutschte aber in ... - Bildquelle: imago images/Icon SMIGrady Jarrett galt 2015 als potentieller Zweitrunden-Pick, rutschte aber in die 5. Runde und spielt seitdem für die Atlanta Falcons © imago images/Icon SMI

Atlanta - Nur drei Saisonsiege, der letzte Platz in der NFC South – die Atlanta Falcons erleben eine Saison zum Vergessen. Doch es gibt auch Lichtblicke im Spiel des Super-Bowl-Finalisten vom Februar 2017. Einer davon ist Defensive Tackle Grady Jarrett.

Mit 5,5 Sacks, zwei Forced Fumbles und insgesamt 49 Tackles ist der 26-Jährige auf dem besten Wege, die effektivste Saison seiner Karriere zu spielen.

 

Der 26-Jährige lässt sich von dem Negativtrend der Falcons eben keineswegs stoppen - nicht zuletzt weil es ihn geprägt hat, dass bereits sein Einstieg in die NFL alles andere als unproblematisch verlief.

Ein Typ wie Aaron Donald?

Ein Rückblick in das Jahr 2015: Grady Jarrett hatte sich am College bei den Clemson Tigers einen exzellenten Ruf erarbeitet, wurde mit Aaron Donald verglichen und galt damals als sicherer Kandidat für die 2. Draft-Runde.

Es gilt als das Schlimmste, was einem Top-Talent in so einer Situation passieren kann, nach hinten durchgerecht zu werden. Doch Jarrett musste in dem besagten Draft feststellen, dass es noch weitaus schlimmer kommen kann.

Es war der 1. Mai 2015, als die 2. und 3. Draft-Runden stattfanden. Grady Jarrett und seine Familie hatten sich mit etwa 50 Freunden im gemeinsamen Haus versammelt und warteten auf den erlösenden Anruf eines NFL-Teams.

Das Feuer begann im Kinderzimmer von Jarrett

Inmitten dieser ungewissen Situation, also zwischen Hoffen und Bangen, vernahmen die Anwesenden plötzlich einen verbrannten Geruch. Woher kommt das? Möglicherweise aus der Küche? Nein, der Brandherd war ausgerechnet das alte Kinderzimmer von Grady Jarrett.

Der Raum, in dem sich alle Football-Erinnerungsstücke wie Trikots und Pokale aus seiner jungen Karriere befanden, brannte lichterloh.

Seine Mutter Elisha erinnert sich: "Wir sind in den Überlebensmodus gewechselt. Denn das Feuer verbreitete sich schnell." Eigentlich sollte in jenem Haus etwa zu dieser Zeit der Beginn einer vielversprechenden Profikarriere gefeiert werden. Stattdessen mussten die Räumlichkeiten schnellstmöglich evakuiert werden. Immerhin: Es gab keine Verletzten.

Grady Jarrett hoffte, dass der Tag zum Ende hin noch einen versöhnlichen Abschluss finden würde. "Die dritte Runde war in vollem Gange, und ich dachte mir: Ich falle auf keinen Fall aus der dritten Runde heraus. Der Anruf kommt also bald."

Falsch gedacht: Der Anruf blieb aus – nicht nur während der 3. Runde, sondern auch am Tag darauf in der 4. Runde.

Jarrett war am Boden zerstört. Er berichtet, wie er (nun im Haus seines Cousins) den Draft verfolgte und tränenüberströmt am Boden lag. "Ich ging sehr emotional damit um – sowohl mit dem Feuer wie auch mit dem Draft-Verlauf." Erst als die 5. Runde begann, wurde Jarrett an Position 137 ausgewählt.

Atlanta Falcons: Die Franchise, für die sein Vater spielte

Dass er ausgerechnet von den Atlanta Falcons gepickt wurde, gab dem Draft einen für ihn versöhnlichen Abschluss. Nicht nur weil Jarrett dadurch in seiner Heimat Georgia bleiben konnte. Es handelte sich zudem auch noch um die Franchise, für die sein Vater Jessie Tuggle (ein Linebacker) von 1987 bis 2000 gespielt hat.

Die Franchise half der Familie sogar dabei, nach dem Hausbrand wieder auf die Beine zu kommen. Nicht nur das Kinderzimmer, sondern auch viele andere Räume waren durch das Feuer zunächst unbewohnbar.

Der Hausbrand und der unglückliche Draft-Verlauf haben den Defensive Liner nachhaltig geprägt. "Das hält mich auch auf dem Boden", sagt er. "Ich hatte nie ein riesiges Ego. Aber ich konnte spüren, wie mein Stolz vor dem Draft etwas größer wurde, wie dieser dann aber auch wieder zurückging (als er im Draft nach hinten durchrutschte, Anm.d.Red.). Für diese Erfahrung bin ich dankbar. Denn es erinnert mich daran, dass, egal wie viel Erfolg ich habe, ich immer auf dem Boden bleiben muss. Denn mit einem Fingerschnipp kann dir alles genommen werden. Das macht mich dankbar für all die Dinge, die ich heute habe."

Mega-Vertrag: 68 Millionen Dollar für vier Jahre

Dass er als Fünftrunden-Pick zunächst deutlich weniger Geld kassierte als ursprünglich gedacht, kann er mittlerweile auch verschmerzen. Im Juli einigten sich die Falcons und Jarrett auf einen neuen Vierjahresvertrag im Wert von 68 Millionen Dollar.

Donnerstag kann er sein Mega-Gehalt im Spiel gegen die New Orleans Saints (ProSieben MAXX und ran.de übertragen die Thanksgiving-Spiele live ab 22:30 Uhr) ein weiteres Mal rechtfertigen. Er ist nämlich kein Spieler, der den Kopf in den Stand steckt.

Die Einstellung von Jarrett lautet: "Es kann alles so schnell gehen, warum also nicht das Beste aus jedem Moment machen? Warum nicht versuchen, dein Bestes zu geben, weil das alles nicht ewig so weitergehen wird? Das ist mein Weg, wie ich das Feuer bekämpft habe."

Oliver Jensen

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