Haben noch eine Rechnung offen: Matt LaFleur und Aaron Rodgers. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesHaben noch eine Rechnung offen: Matt LaFleur und Aaron Rodgers. © 2019 Getty Images

München/Green Bay – Danica Patrick musste etwas loswerden. Dabei war sie einfühlsam, tröstend, aber auch emotional. Wie man so ist als Lebensgefährtin von Packers-Quarterback Aaron Rodgers, aber auch Ex-Spitzensportlerin. 

Also nicht nur als Freundin, sondern auch als früherer Profi, wohl wissend, wie sich Niederlagen anfühlen. Vor allem die, bei denen man kurz vor dem großen Ziel scheitert.

Wie die Packers und Rodgers.

"Stolz. Jenseits der Worte. Ein Aus ist immer schwer. Aber diese Saison war ziemlich erstaunlich und wir hatten fast unsere Taschen für den Super Bowl gepackt", schrieb sie: "Etwas sagt mir, dass dies nur der Anfang einer guten langfristigen Entwicklung für die Packers ist."

Zahlen lügen nicht

Doch man darf nicht vergessen: Zahlen lügen nicht. Das 20:37 bei den San Francisco 49ers im NFC-Championship-Game ist deshalb ein sehr guter Fingerzeig. 

Vielleicht ist der Abstand zwischen den beiden Teams unter dem Strich ein wenig geringer, doch er ist da.

Doch Rodgers selbst ist optimistisch. 

"Das Fenster ist weiterhin offen für uns und das ist das Aufregende", sagte A-Rod bezüglich künftiger Super-Bowl-Chancen der Packers. "Es macht die Niederlage nicht erträglicher, aber den Blick in die Zukunft umso aufregender."

Das Wichtigste: 2019 bleibt ihm in Erinnerung als das Jahr, als "Football wieder Spaß machte".  

 

Ein Wort, das man im Laufe der Saison immer wieder hörte. Auch nach der bitteren Schlappe gegen die Niners. 

Spaß.

Kein Selbstläufer nach zwei enttäuschenden Jahren 2017 und 2018 inklusive der Entlassungen von Trainer Mike McCarthy und Manager Ted Thompson. Brian Gutekunst übernahm in der Offseason 2018, Matt LaFleur ein Jahr später. Die Aufgabe: Das sinkende Schiff wieder auf Kurs bringen, um es etwas martialisch zu formulieren. 

Aber nach zwei Saisons ohne Playoffs schrillen bei einem Klub wie den Packers die Alarmglocken nun mal besonders laut. Und Anführer wie Rodgers schrillen gleich mit, gerne mal doppelt so laut. Denn als Mittdreißiger sinken die Hoffnungen, noch einmal in den Super Bowl einzuziehen, rapide.

"Das ist ein riesiger Sprung, von verpassten Playoffs zu einem neuen Trainer, zu neuen Spielern", sagte Defensive Tackle Kenny Clark. Ein nicht zu unterschätzender Umbruch, kompliziert, herausfordernd.

Aber: Der Sprung kann als gelungen bezeichnet werden.

"Ich denke, die Zukunft ist vielversprechend für uns. Wir haben auch ein junges Team. Ich bin gespannt, in welche Richtung die Jungs einschlagen werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Offseason jeder ernst nehmen wird und wir werden eine viel bessere Mannschaft im nächsten Jahr", sagte Clark. 

Das Potenzial herausgekitzelt

Die Packers haben bewiesen, was mit dem richtigen Umfeld, mit dem richtigen Plan möglich ist. Denn klar ist: Green Bay mag nicht das beste Team sein, nicht den ausgewogensten und am besten bestückten Kader haben. 

Doch LaFleur hat es geschafft, das Potenzial nahezu maximal herauszukitzeln, viel mehr als eine 13-3-Bilanz geht kaum. Verbunden mit der Aussicht auf mehr. Gutekunst gelangen die richtigen personellen Griffe. Parallel formten sie eine Gewinner-Kultur in der Kabine, eine Sieger-Mentalität.

Linebacker Blake Martinez erklärte, er sei noch nie bei einem Team gewesen, das so ein brennendes Verlangen gehabt habe, zu gewinnen und sich zu verbessern. 

Ein Pfund: Das funktionierende Verhältnis zwischen LaFleur, Gutekunst und Rodgers. "Es sind Brian und seine Mitarbeiter und es ist Matt LaFleur", sagte Rodgers zum Erfolgsschlüssel. "Was er mit seinen Mitarbeitern gemacht hat, ist fantastisch. Es sind die richtigen Leute, um das Team zu führen."  

Was es speziell machte: "Es ist ein von Spielern angeführtes Team, eine eng verbundene Truppe und die richtigen Puzzlestücke sind vorhanden", so Rodgers.

Genau: Der Boden ist bereitet. Die Defense gehörte bereits zu den besseren der Liga, hat aber auch Baustellen wie zum Beispiel auf der Linebacker-Position. 

Probleme in der Offense

Doch offensichtlich sind die Probleme in der Offense, die Alternativen neben Top-Receiver Davante Adams. Dahinter blieb Kontinuität auf der Strecke, so gesehen ist es fast schon tragisch, dass sich das deutsche Receiver-Talent Equanimeous St. Brown vor der Saison verletzte - er hätte sicher seine Chancen bekommen. 

Sicher ist aber auch, dass die Packers auf der Position etwas tun werden, ob nun in der Free Agency oder im Draft, wo sie zuletzt 2002 einen Receiver in Runde eins gedraftet haben. 

Diesmal sind sie an 30. Stelle dran, rund 30 Millionen Dollar stehen laut "OverTheCap" zudem aktuell für Investitionen zur Verfügung. Auf die Frage, ob die Packers neue Spieler vertragen könnten, sagte Rodgers: "Da hätte niemand etwas dagegen."

Noch nicht alles gesehen

Er sagt aber auch ganz klar: Die Liga hat noch nicht gesehen, wozu die Offense in Gänze in der Lage ist, wenn das Potenzial der Spieler, aber auch das des Schemas. 

"Ich habe viel Vertrauen in Brian und in die Arbeit, die er geleistet hat. Sie sind All-in gegangen - so weit sie konnten. Ich bin zuversichtlich, dass er diesen Kader weiter verstärken wird."

 

Schnell abhaken konnte Rodgers die Niederlage trotzdem nicht, auch wenn sie sich aufgrund der Aussichten anders – besser – anfühlte als 2014 und 2016, als man ebenfalls im Championship Game scheiterte. 

Denn aussichtsreiche Zukunft hin oder her: Rodgers ist 36. Und Zahlen lügen auch hier nicht. "Es schmerzt mehr als früher, weil ich weiß, dass ich nicht mehr viele Chancen bekommen werde, noch einmal in den Super Bowl einzuziehen", sagte er.

Doch die Hoffnung lebt, dass die nächste Chance nicht lange auf sich warten lässt.

Andreas Reiners

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