Lässt das Quarterback-Spiel kinderleicht aussehen: Aaron Rodgers führt die G... - Bildquelle: Getty ImagesLässt das Quarterback-Spiel kinderleicht aussehen: Aaron Rodgers führt die Green Bay Packers seit mehr als einem Jahrzehnt an © Getty Images

Green Bay/München - Die Lobeshymnen gehörten nach dem 42:21 über die Detroit Lions ganz eindeutig Aaron Jones. Und das völlig zurecht. Der Running Back der Green Bay Packers legte bärenstarke 236 Total Yards zurück, war sowohl im Lauf wie durch die Luft die Nummer eins in diesem Division-Duell und erzielte obendrein drei Touchdowns.

Zum Start ins dritte Viertel legte er mit einem Run über 75 Yards in die Endzone den Grundstein zu einer spektakulären und einseitigen zweiten Hälfte, in der den Gästen endgültig der Zahn gezogen wurde. In Jones' Schatten glänzte einmal mehr aber auch der Mann, von dem die Football-Welt seit mehr als zehn Jahren überhaupt nichts anderes mehr erwartet: Aaron Rodgers.

 

Rodgers und die bittere Nachricht im April

240 Passing Yards bei zwei Touchdowns sind für den "Gunslinger" in normalen Zeiten kaum der Rede wert. Aber was sind schon normale Zeiten?

Nein, hier soll nicht zum x-ten Mal auf die besonderen und erschwerten Umstände wegen der Corona-Pandemie verwiesen werden. Das Virus grassierte bereits seit Wochen in den USA, als der nach außen immer so selbstbewusst auftretende Rodgers Ende April kurzzeitig ins Grübeln geraten sein dürfte.

Love dank Trade mit Dolphins nach Green Bay geholt

Und wohl auch mehrmals schlucken musste, als der Name des First-Round-Picks seiner Packers verlesen wurde: Jordan Love. Ein hochtalentierter Quarterback, dem nicht wenige Experten eine große Zukunft prognostizieren und eine baldige Starterrolle zutrauen.

Rodgers machte erst gar keinen Hehl daraus, dass er mit diesem neuen Teamkollegen völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden war. Zumal die Packers für Love extra noch einen Draftpick-Trade mit den Miami Dolphins eingegangen waren, um vier Positionen früher wählen zu dürfen.

Plötzlich lastet intern Druck auf Rodgers

Der seit mehr als einem Jahrzehnt unantastbare Signal Caller, der einst selbst mit Brett Favre eine NFL-Legende abgelöst hatte und mit seinen maßgenauen Pässen eine Defense wie kein Zweiter sezieren kann, machte zwar öffentlich gute Miene zum mindestens merkwürdigen Spiel.

Doch er dürfte sich seinen Teil gedacht haben, "angepisst" gewesen sein, wie es mehrere US-Experten nannten.

Denn abgesprochen war dieser Schritt der Verantwortlichen mit dem Gesicht der Franchise ganz offensichtlich nicht. Seither lastet erstmals in all den Jahren mit Rodgers als Anführer auch intern ein gewisser Druck auf dem achtmaligen Pro Bowler, der angesichts seiner unfassbaren Veranlagungen viel zu wenig Trophäen eingeheimst hat.

McCarthy überstand titellose Jahre nicht

Im Februar 2011 führte der damals 27-Jährige "The Pack" zum Sieg im Super Bowl XLV, wurde obendrein MVP des Spiels. Die Trophäe des wertvollsten Spielers in der Regular Season ergatterte Rodgers 2011 und 2014. Seither herrscht Flaute.

Ende 2018 wurde bereits Head Coach Mike McCarthy Opfer der - gemessen an den immensen Erwartungen in und um Green Bay - enttäuschenden Jahre. An der Demission des Mannes, der ihn zu einer NFL-Legende formte, hatte der zuweilen launige Rodgers durchaus seinen Anteil.

Playoff-Aus soll Rodgers "fokussierter" gemacht haben

Ob er vor dieser Saison befürchtete, wie sein Football-Ziehvater selbst auch vor die Tür gesetzt zu werden, um einem kompletten Neuaufbau unter dem deutlich offensivfreudigeren Head Coach Matt LaFleur nicht im Weg zu stehen? Wohl kaum. Selbstzweifel sind für Rodgers ein Fremdwort. Für ihn geht es einfach nur darum, dass ihm ein Team zur Seite gestellt wird, in dem er alle seine Qualitäten entfalten kann.

Wie im Zusammenspiel mit Jones. Der sprach nach seiner Glanzleistung auch über Rodgers. "Fokussierter" sei der 36-Jährige in dieser Saison, erklärte der Star des Abends im Lambeau Field den großen Unterschied zur vergangenen Saison. Bereits da führte Rodgers die Packers bis ins NFC Championship Game, wo ihm bei der 20:37-Pleite gegen die San Francisco 49ers aber auch zwei Interceptions unterliefen.

Championship Game und Rodgers sind noch keine Freunde

Eigentlich völlig untypisch für den Star-Quarterback, der jedes noch so kleine Fenster genauestens anvisiert. Doch das Spiel um den Conference-Titel, der letzte Schritt auf dem Weg in den Super Bowl, war noch nie Rodgers' bevorzugte Bühne: In vier Auftritten - inklusive der Championship-Saison 2010 - warf er mehr Interceptions (sieben) als Touchdowns (sechs), sein Passer Rating in NFC Championship Games liegt bei unwürdigen 78,0.

Und eben wegen dieser erneuten Enttäuschung im Januar, als Corona und auch Love noch ganz weit weg waren, sei Rodgers nun eben besonders fokussiert - vermutet Jones. Antrieb dürfte dem Kalifornier dabei auch geben, dass er im Frühjahr neben Tom Brady als einer von zwei Quarterbacks in das 2010s All-Decade Team gewählt wurde. Dem Jahrzehnt also, das so verheißungsvoll begann, um mit einer von vielen Enttäuschungen zu enden.

Rodgers spielt jetzt unter seinem Rekordvertrag

Außerdem greift ab dieser Saison sein 2018 unterschriebener Vierjahresvertrag über 134 Millionen US-Dollar. Der mit Abstand wertvollste in Rodgers' Karriere.

Bislang sieht es so aus, als würde die mutmaßliche Packers-Taktik, Rodgers mit dem Draft von Love zu kitzeln und zu Höchstleistungen anzustacheln, Früchte tragen. Den er zwar anlernen, aber nicht allzu bald in seiner heimischen Pocket sehen möchte.

In beiden Spielen mehr als 40 Punkte erzielt

Die Offensivmaschinerie läuft wie geschmiert. Vor dem Heimsieg gegen die Lions wurden die jedoch auch enttäuschenden Minnesota Vikings mit 43:34 bezwungen.

Zwei Erfolge gegen Rivalen aus der NFC North, die das Niveau der vergangenen Jahre offenbar nicht ganz halten kann. Rodgers und den Packers kann das aber herzlich egal sein. Als erst achtes Team in der Super-Bowl-Ära starteten "The Green and Gold" mit zwei Siegen und jeweils mehr als 40 Punkten in eine Saison.

Rodgers bei den Werten hinter Allen und Wilson

Seit Rodgers Regie führt, gelang Green Bay eine derartige Miniserie während einer Spielzeit erst zweimal: in seinen MVP-Jahren 2011 und 2014. Ob sich diese Geschichte ein drittes Mal wiederholt? Seine Werte nach den beiden Offensivfeuerwerken sind beeindruckend, aber nicht NFL-Spitze: 604 Passing Yards, eine Passquote von 67,6 Prozent, sechs Touchdowns ohne Interception.

Die diversen Rankings führen andere an: Josh Allen oder Russell Wilson. Doch Rodger befindet sich quasi in Lauerstellung.

Besonderes Lob für Jones

Wichtiger ist ihm ohnehin, dass das Team funktioniert. Auf dem Platz ein Rädchen ins andere greift. Was natürlich auch in Rodgers' Hand liegt. Herausragende Zahlen dürfen dann gerne andere liefern.

"Wir haben einige tolle Spielmacher im Team und die Nummer 33 ist ein ganz besonderer", fiel der wichtigste Playmaker in die Loblieder auf Jones ein. Womit die Rollen klar verteilt wären. Zumindest vorerst.

Marcus Giebel

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