Weiter für die Green Bay Packers am Ball: Aaron Rodgers lässt sich offenbar ... - Bildquelle: Getty ImagesWeiter für die Green Bay Packers am Ball: Aaron Rodgers lässt sich offenbar auf einige Vertragsanpassungen zu seinen Gunsten ein © Getty Images

München - Ist das nun wirklich ein Sieg für die Green Bay Packers? Dass Aaron Rodgers anscheinend trotz der offenkundigen Querelen auch diese NFL-Saison für die Franchise aus Wisconsin bestreiten wird? Ansichtssache, klar. Aber alles in allem drängt sich eher der Begriff Pyrrhussieg auf. (NEWS: Aaron Rodgers in Green Bay angekommen)

Denn "The Pack" musste seinem Superstar offenbar enorm viele und einschneidende Zugeständnisse machen. Das verdeutlichen die von NFL-Insider Ian Rapoport und "ESPN"-Reporter Adam Schefter verbreiteten Infos.

Letztes Vertragsjahr gestrichen und keine finanziellen Einbußen

Letzterer nannte vier konkrete Punkte. Das letzte Vertragsjahr 2023 wird gestrichen, zudem kann Rodgers nicht gegen seinen Willen via Franchise Tag gebunden werden. Schon im kommenden Jahr werden die Packers die Situation ihres Quarterbacks erörtern - und einem Trade-Wunsch dann wahrscheinlich entsprechen.

Ein nicht unerheblicher Teil seines aktuellen Basisgehalts von 14,7 Millionen US-Dollar wird zwar für mehr Cap Space zugunsten des Klubs in Bonuszahlungen umgewandelt - dabei muss Rodgers aber keinerlei finanzielle Einbußen hinnehmen. Die angeprangerten Probleme sollen über neue Mechanismen - was immer das auch heißen mag - gelöst werden.

Green Bay Packers wollten ihr Gesicht nicht verlieren

Im Grunde wird damit deutlich: Rodgers hat sich im Kräftemessen zwischen Star und Klub durchgesetzt. Der 37-Jährige kriegt seinen Willen, die Packers mussten sich letztlich beugen, um - in doppelter Hinsicht - nicht ihr Gesicht zu verlieren.

Denn der neunmalige Pro Bowler soll in seinem Zorn fest entschlossen gewesen sein, nie mehr für die Packers aufzulaufen, berichtet Rapoport. Nun scheint es so, als würden sich beide Seiten quasi noch einmal zusammenraufen für das gemeinsame Ziel. Beinahe wie in einer Ehe, in der das Feuer längst erloschen ist, aber der Schein nach außen gewahrt bleiben soll.

Für Rodgers zum jetzigen Zeitpunkt die optimale Lösung

Dafür musste eine Seite - nämlich der Klub - jedoch deutlich mehr auf die andere zugehen. Rodgers scheint sich allenfalls um Trippelschritte bewegt zu haben. Letztlich lief auch ihm die Zeit davon, schließlich beginnt mit den Training Camps in dieser Woche die heiße Phase der Vorbereitung.

Aus seiner Sicht wirkt es zum aktuellen Zeitpunkt wie die optimale Lösung. Falls Rodgers seinen Wert für die Packers ausloten wollte, weiß er nun: Mit Geld scheint der nicht aufzuwiegen zu sein. Die stolze Franchise ist bereit, sich gänzlich in seine Hände zu begeben.

"Das bedeutet: 'Ich bin größer als das Team'"

"ESPN"-Reporter Rob Demovsky bringt die Situation auf den Punkt: "Das ist ein Zeichen dafür, dass ein NFL-Spieler - zumindest ein so erfolgreicher wie Rodgers - weitaus mehr Kontrolle über den Verlauf seiner Karriere haben kann, als es in der NFL jemals der Fall war."

Im selben Bericht kommt ein langjähriger Personalverantwortlicher in der NFL zu Wort. "Das ist verrückt und es bedeutet: 'Ich bin größer als das Team.' Ich halte es für einen Einjahresvertrag mit anschließendem Trade", verdeutlicht der ungenannte Football-Experte, auf was sich die Packers da einzulassen scheinen.

"Packers müssen etwas Außergewöhnliches tun"

Es muss der schnelle Erfolg her, sonst beglückt Rodgers auf der Zielgeraden seiner Karriere bald eine andere Franchise und deren Anhänger. Nur eine weitere überragende Regular Season und das anschließende Aus im Championship Game dürften sein Fernweh nicht lindern.

John Kuhn, der vor gut zehn Jahren bei Rodgers' einzigem Super-Bowl-Triumph an dessen Seite stand, betonte in der "CBS"-Radiosendung "Zach Gelb Show": "Ich denke, die Packers werden in diesem Jahr etwas Außergewöhnliches tun müssen, vielleicht sogar etwas Ungewöhnliches."

Spekulationen über Cobb und Adams

Dazu gehörten neben Erfolgen auf dem Platz auch Personalentscheidungen. Bereits jetzt wird über eine Rückholaktion von Randall Cobb spekuliert, um Rodgers' Laune zu heben. Auch eine Vertragsverlängerung von Davante Adams könnte nun dank des zusätzlichen finanziellen Spielraums wieder in Angriff genommen werden.

"Die Realität sieht so aus, dass er noch drei, vier, fünf Jahre im Tank hat", mutmaßt Kuhn über Rodgers: "Und sein Gefühl sagt ihm, wenn die Packers in diesem Jahr nicht 'all in' gehen, könnte das ein Zeichen sein sie verlassen zu müssen."

Packers müssen Rodgers jeden Wunsch von den Lippen ablesen

Die einzige Chance auf eine Zukunft mit Rodgers über das Frühjahr 2021 hinaus scheint für die Packers also darin zu liegen, ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Und am besten immer noch eine Kirsche on top zu präsentieren.

Nicht auszuschließen ist aber auch, dass das Tischtuch bereits komplett zerschnitten, der angerichtete Schaden nicht mehr zu reparieren ist. Seit dem Draft, also seit zwei Monaten, bewegte das Gezerre in Green Bay die Football-Welt. Hinter den Kulissen dürfte der Streit schon deutlich früher Fahrt aufgenommen haben. Das zerrt an den Nerven, kostet Kraft und ermüdet irgendwann.

Misserfolg könnte Rodgers schnelle Backup-Rolle einbrocken

Trotz allem ist von Rodgers, immerhin amtierender MVP, eine weitere formidable Saison zu erwarten. Wenn auch mit dem Handicap, nicht so viel Zeit für die Abstimmung mit seinen Receivern zur Verfügung zu haben.

Ein gewisses Risiko geht aber auch der Routinier ein. Denn sollten die Packers überhaupt nicht in Schwung kommen, könnte sich Rodgers angesichts der neuen Vertragssituation schnell auf der Bank wiederfinden. Mit Jordan Love steht sein mutmaßlicher Nachfolger längst in den Startlöchern. Ihm sollte die Zukunft gehören - fragt sich nur, wann die beginnt.

Rodgers während Verhandlungen in kalifornischer Heimat

Während sich der First Rounder des Draft 2020 bislang in der Vorbereitung als Starter beweisen durfte, verfolgte Rodgers die jüngsten Verhandlungen zwischen seinem Lager und der Chefetage der Packers aus seiner kalifornischen Heimat.

So konnte Klub-Präsident Mark Murphy bei der insgesamt harmonischen Mitgliederversammlung am Montag auch noch nicht garantieren, dass der prominenteste Profi des Teams zum Auftakt des Training Camp in Green Bay aufschlagen würde. Wenig später landete Rodgers zumindest in der Stadt.

Der Packers-Boss betonte noch einmal, dass es keinerlei Trade-Gedanken gebe. Von dieser Haltung haben sich Murphy und General Manager Brian Gutekunst nicht abbringen lassen. Allerdings ganz offenbar zu einem immens hohen Preis.

Werden Rodgers und Packers zu schlechten Vorbildern?

Kein Zweifel: Die Packers stehen vor ihrer wichtigsten Saison mindestens seit dem Super-Bowl-Sieg im Februar 2011. Andere Teams werden die Entwicklung umso genauer verfolgen.

Womöglich haben die Packers ihren Liga-Kontrahenten einen Bärendienst erwiesen. Falls immer mehr Stars ihre Muskeln nicht nur auf dem Platz spielen lassen und dazu übergehen, ihren Arbeitgeber bei Vertragsstreitigkeiten am Nasenring durch die NFL-Manege zu führen.

Insofern wären weder die Packers noch Rodgers ein gutes Vorbild für den Rest der Liga. Einen wirklichen Gewinner hat der sich anbahnende Deal jedenfalls nicht hervorgebracht.

Marcus Giebel

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