Erlebt bei den Titans seinen zweiten Frühling: Quarterback Ryan Tannehill - Bildquelle: imago images / Icon SMIErlebt bei den Titans seinen zweiten Frühling: Quarterback Ryan Tannehill © imago images / Icon SMI

München / Tennessee - Groß waren die Augen, als das Special Team der Tennessee Titans das finale Field Goal der Kansas City Chiefs blockte und damit den Ausgleich zum 35:35 verhinderte.

Beim 35:32-Sieg über die Chiefs konzentrierte sich die Offense der Titans lange auf den bärenstarken Running Back Derrick Henry, der mit 188 Rushing Yards eine Saisonbestmarke aufstellte und das Ei zudem zwei Mal in die Endzone trug. Seit 2017 hat Henry vier Rushing Touchdowns über 65 Yards oder mehr vorzuweisen. In der entscheidenden Phase der Partie nahm dann aber Quarterback Ryan Tannehill die Zügel in die Hand.

So eröffnete der Routinier den finalen Drive des Teams mit einem 18 Yards Run und einer Incompletion. In der Folge bewies der Playmaker aber seine Nervenstärke, fand zunächst Tight End Anthony Firkser für 20 Yards durch die Mitte und dann Wide Receiver Adam Humphries für 23 Yards zum Touchdown. Tannehill selbst garnierte den Spielzug schließlich per Run zur Two Point Conversion.

Eine herausragende Teamleistung, die vor Wochenfrist kaum ein Fan oder Experte für möglich hielt.

 

Mariota hat letzte Chance verspielt

Marcus Mariota ging als Starter in das letzte Jahr seines Rookie-Vertrages und wollte die Spielzeit eigentlich nutzen, um die Zweifel an seiner Tauglichkeit als Franchise-Quarterback zu zerstreuen und bei den Titans einen langfristigen Vertrag erspielen.

Zwar warf Mariota in den ersten fünf Wochen bei sieben Touchdowns keine Interception, allerdings trügte hier der Schein. Gegen die Jacksonville Jaguars, Buffalo Bills und dann in Week 6 gegen die Denver Broncos gelang ihm kein Passing-Touchdown und nur gegen die Jaguars in Week 3 erzielte der Quarterback mehr als 300 Passing Yards. Deutlich zu wenig angesichts der im Vergleich zum Vorjahr deutlich verstärkten Offense um die Receiver-Neuzugänge Adam Humphries und den in der zweiten Runde gedrafteten A.J. Brown.

Der 0:16-Blowout bei den Broncos war für Mariota dann der Dolchstoß. Nach desaströsen 7 von 18 Pässen für 63 Yards und zwei Interceptions wurde der 26-Jährige im Laufe der Partie auf die Bank beordert und Backup Tannehill übernahm - den die Miami Dolphins im Sommer nach sechs Jahren verscherbelten.

Tannehill stabilisiert Offense

Seit seiner Beförderung zum Starter in Tennessee warf der 31-Jährige nur in Week 9 gegen die Carolina Panthers mehr als eine Interception und stellte in den vergangenen beiden Partien mit Läufen für 38 und 37 Yards sowie einem Rushing Touchdown darüber hinaus seine Qualitäten im Laufspiel unter Beweis. Mit Tannehill als Starter stehen die Titans bei einer Bilanz von 3-1, seine Statistiken seitdem sind beeindruckend.

Mit Tannehill legt die Offense im Schnitt 254,3 Passing Yards auf, mit Mariota erspielten die Titans durchschnittlich 187,7 Yards pro Partie (Rang 29 bis dato in der Liga). Insgesamt brachte Tannehill 97 von 136 Pässen für 1161 Yards und acht Touchdowns an, bei vier Interceptions. Mit 71,3 Prozent angekommener Pässe liegt Tannehill auf Platz zwei der Liga hinter Drew Brees (74,3 Prozent).

Tannehill hat den Wechsel in den vergangenen Spielen gerechtfertigt. Mehr noch – er hat seine Rolle als Starter zementiert.

Titans plötzlich im Playoff-Rennen

Mit einer Bilanz von 5-5 stehen die Titans nicht mehr auf dem letzten Platz der AFC South. Nach drei Siegen aus vier Spielen darf sich die Franchise auf einmal berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs machen – haben sie doch ihr Schicksal in der Division in der eigenen Hand. So bestreitet das Team vier der verbleibenden sechs Partien gegen Division-Rivalen, angefangen mit den Jacksonville Jaguars nach der Bye Week zu Hause und dem Gastspiel bei den Indianapolis Colts in Week 13.

Vom Division-Sieg zu träumen, wäre vermessen. Im Rennen um die Wild Card-Plätze sind die Mannen von Head Coach Mike Vrabel aber angekommen.

Tannehill richtet Blick nach vorne

Nach dem Husarenstück war der Jubel im Team groß, der neue Leitwolf blieb aber zurückhaltend: "Das war definitiv ein großer Sieg für uns. Wir werden die Bye Week nutzen, um uns zu erholen, gesund zu werden und zu versuchen, auf dem aufzubauen, was wir hier in den letzten Wochen geleistet haben und den Rest der Saison fortzusetzen."

Entscheidend sei "das Vertrauen, das wir ineinander in der Gruppe haben. Wir waren in den letzten Wochen hier im vierten Viertel zu Hause in einigen engen Spielen und haben einen Weg zum Sieg gefunden. Also denke ich, dass es einen starken Glauben gibt, dass wir, egal was passiert, solange wir eine Chance auf Punkte haben, einen Weg finden werden, um zu gewinnen."

Tannehill selbst gab sich nach dem Spiel verhalten, zeigte sich froh, eine Chance erhalten zu haben, wertete seinen Posten aber keineswegs als dauerhaft sicher: "Ich liebe es, rauszugehen und mich zu messen. Ich liebe es, mit den Jungs zu trainieren", richtete den Blick aber direkt auf die kommenden Aufgaben: "Ich habe im Moment eine Menge Spaß. Wir müssen nur weiter hart an uns arbeiten uns gewissenhaft auf jeden Sonntag vorbereiten."

In Miami geschasst, sammelt der Playmaker derzeit reichlich Argumente, auch 2020 bei den Titans den Starter zu geben - oder womöglich auf bei einer anderen Franchise. Nach der Saison wird er schließlich Free Agent.

Passing Defense als großes Manko

Die positiven Ergebnisse der vergangenen Wochen machen Mut, sollten aber nicht über die inkonstanten Leistungen zum Saisonauftakt hinwegtäuschen. Dies ist auch den Spielern klar.

"Wir waren in diesem Jahr nicht sehr konstant. Wir haben manchmal nicht unseren besten Football gespielt", drückte Safety Kevin Byard nach der Partie auf die Euphoriebremse und hob mahnend den Finger.

Die positive Entwicklung des Teams liege aber nicht nur allein an Tannehill: "Aber eine Sache in dieser Mannschaft ist herauszuheben: Wir reißen uns den Arsch auf. In jedem Spiel, egal was passiert. Auch wenn die Dinge nicht gut laufen, kämpfen wir einfach weiter und ich denke, heute haben wir den Beleg dafür geliefert."

Ein Punkt, der in der Bye Week adressiert werden muss, ist die Passverteidigung. 446 zugelassene Passing Yards wie gegen die Chiefs, sind deutlich zu viel. Die Secondary muss in den kommenden Wochen deutlich zulegen, andernfalls wird sich der Traum von der Postseason schnell wieder in Luft auflösen.

Daniel Kugler

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