Colin Kaepernick ist seit drei Jahren ohne Job in der NFL. - Bildquelle: imago/Icon SMIColin Kaepernick ist seit drei Jahren ohne Job in der NFL. © imago/Icon SMI

München – Irgendjemand wird es doch probiert haben. Fast drei Jahre ist es immerhin her. Eine lange Zeit. Viel Zeit, um die Gelegenheit mal zu nutzen. Für einen Anruf, ein Angebot, zumindest mal ein Workout. Ein Versuch kostet ja nichts, könnte man meinen.

Doch nichts. Denn der Fall Colin Kaepernick ist kompliziert, vor allem politisch heikel. Es war schon länger klar, dass Kaepernicks sportliche Situation traurig ist. 

Mit Lügen aufräumen

Wie traurig, das verriet sein Team mit einem Statement, mit "Fakten, um die falschen Geschichten rund um Colin Kaepernick" anzusprechen. 

Kapernicks Agent Jeff Nailey und PR-Direktorin Jasmine Windham wollen auf eher ungewöhnliche Art und Weise mit Gerüchten und Halbwahrheiten aufräumen: mit einem Frage-und-Antwort-Spiel. Kein Interview mit dem früheren Quarterback der San Francisco 49ers, sondern vom PR-Team formulierte Antworten auf selbst ausgewählte Fragen.

Das Statement kommt zu einem Zeitpunkt, wo zahlreiche NFL-Quarterbacks verletzt ausfallen und teilweise Undrafted Rookies ihre Chance bekommen, Kaepernick aber seit drei Jahren immer noch ohne Job ist. Auch jetzt noch, obwohl er sich im Streit mit der Liga um seinen Hymnenprotest schon länger geeinigt hat. Fakt ist: Der Mann wird nicht jünger.

Was die lange Pause betrifft, lässt sein Team keine Zweifel aufkommen: Der 31-Jährige sei fit, "er arbeitet seit drei Jahren an fünf Tagen in der Woche, um sich darauf vorzubereiten, wieder zu spielen", heißt es. 

Aber: "Kein einziges Team hat Colin einen Job angeboten seit 2016, als er seinen friedfertigen Protest begonnen hat", teilte sein Team mit. Mehr noch: Selbst zu einem Workout kam es nicht. "Kein einziges Team" habe ihn dazu eingeladen. 

Nur ein Interview

Die Seattle Seahawks hat Kaepernick tatsächlich in dieser Zeit besucht, zu mehr kam es aber nicht. Danach habe Head Coach Pete Carroll erklärt, "Colin ist ein Starter in dieser Liga". Aber: "Kein anderes Team hat mit ihm gesprochen oder ein Workout mit ihm gemacht", heißt es weiter. Nette Worte von Carroll, von denen sich Kaepernick aber nicht viel kaufen kann.

Sein Agent teilt mit, dass er seinerseits alle 32 Teams kontaktiert habe, um für seinen Klienten zu trommeln. "Mit wenig bis gar keiner Antwort über Colins Chancen. Das habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt", sagte er. Dass Kaepernick ein bestimmtes Gehalt gefordert habe, sei in diesem Zusammenhang "komplett falsch".

 

In dem Q&A-Statement erklärt sein PR-Team zudem, warum er die 49ers verlassen hat und Free Agent wurde. Kaepernick habe sich für den Schritt nach einem Gespräch mit GM John Lynch entschieden. "Um seine Möglichkeiten zu maximieren und weil die 49ers ihn vor dem Start der Saison 2017 entlassen hätten."

Der Rest ist eine recht ausführliche Statistik-Sammlung, um zu unterstreichen, dass es Kaepernick noch könnte, wenn er denn dürfte. Es wirkt wie ein letztes, großes Aufbäumen. Eine Verzweiflungstat, ein Hilferuf. 

In der Hoffnung, dass es dann vielleicht doch noch mal jemand probiert.

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