T.J. Hockenson (links) und Noah Fant spielten am College Seite an Seite. Nun... - Bildquelle: imago/ZUMA PressT.J. Hockenson (links) und Noah Fant spielten am College Seite an Seite. Nun wollen sie für unterschiedliche Teams die NFL aufmischen © imago/ZUMA Press

München - Es ist in der NFL eher ungewöhnlich, einen Tight End im Draft früh auszuwählen. Zwischen den Jahren 2001 und 2018 gab es lediglich drei Top-10-Spieler auf dieser Position: Kellen Winslow Jr, der kürzlich wegen Vergewaltigung verurteilt worden ist, wurde im Jahre 2004 an Position 6 von den Cleveland Browns ausgewählt, Vernon Davis 2006 an selbiger Position von den San Francisco 49ers, Eric Ebron 2010 an Position 10 von den Detroit Lions.

Seit dem vergangenen Draft hat der überschaubare Club der Top-10-Tight-Ends ein neues Mitglied. Erneut waren es die Detroit Lions, die ihr Erstrunden-Pick für einen Tight End opferten und an Position 8 T.J. Hockenson auswählten.

Hockenson war nicht der einzige vielversprechende Tight End im Draft 2019. Noah Fant wurde an Position 20 von den Denver Broncos ausgewählt.

Das Besondere: Die beiden waren bis zur vergangenen Saison noch Mannschaftskameraden am College bei den Iowa Hawkeyes. Es ist das erste Mal in der Geschichte der NFL, dass die beiden höchstgepickten Tight Ends für die gleiche Uni gespielt haben.

"Es ist definitiv eine coole Sache, wenn zwei Tight Ends von der gleichen Universität kommen", sagt Hockenson. Dennoch möchten die beiden als eigenständige Akteure wahrgenommen werden. Fant sagt:  "Am Ende des Tages sind T.J. und ich zwei verschiedene Spieler mit unterschiedlichen Fähigkeiten."

Hockenson: Ein Tight End der aussterbenden Spezies

Hockenson galt bereits vor dem Draft als etwas höher veranlagt als sein Mannschaftskamerad. In der vergangenen Saison hatte der 1,96 Meter große Athlet 760 Receiving Yards und sieben Touchdowns zu verbuchen. Er gilt als ein perfekter Allrounder, der als Passempfänger sehr flexibel eingesetzt werden kann und zudem ein exzellenter Blocker ist.

Laut dem ran-College-Experten Nils Müller ist Hockenson dadurch ein Spielertyp, den es kaum noch zu finden gibt: "Am College stirbt der Blocking-Tight-End aus. Man kriegt immer mehr Tight Ends, die gut receiven, aber weniger gut blocken. Hockenson hingegen setzt reihenweise Defensive Liner beim Laufblocken auf den Hintern. Er ist ein sehr physischer Tight End. Daher wird er mit Heath Miller und Jason Witten verglichen."

Fant: Der schnelle Receiving-Tight-End

Fant ist nicht ganz so vielseitig, dafür aber vor allem als Passempfänger stark. 2018 hatte der 1,96 Meter große Tight End 519 Receiving Yards und sieben Touchdowns zu verbuchen. Seine große Stärke: der Speed. Bei der Combine lief er im 40-Yard-Dash die schnellste Zeit (4,50 Sekunden) aller Tight Ends.

"Noah Fant ist anders als Hockenson. Er ist mehr der moderne Receiving-Tight-End", sagt ran Experte Patrick Esume, der von Tight Ends aus Iowa grundsätzlich viel hält: "George Kittle, der Receiving-Leading-Tight-End der NFL, kommt ebenfalls aus Iowa. Das ist die Tight-End-Schule."

Hockenson: tolle Arbeitsmoral, hohe Intelligenz

Abzuwarten bleibt, welcher Tight End seinem Team auf Anhieb eher weiterhelfen kann. Unter den Fans der Lions wurde der Pick von Hockenson mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Eigentlich galt die Defense, vor allem der Pass Rush, vor dem Draft als großes Need.

Zudem wurde bereits Eric Ebrom, der letzte Top-10-Tight End, den hohen Erwartungen in Detroit nicht vollauf gerecht. Erst in der vergangenen Saison, dann allerdings im Dienste der Indianapolis Colts, hatte er seinen großen Durchbruch und wurde für den Pro Bowl nominiert.

Ob Hockenson schneller durchstartet? Offensive Coordinator Darrell Bevell ist zuversichtlich, lobt vor allem dessen Arbeitsmoral und Intelligenz: "Er hat bislang sehr gute Arbeit geleistet, indem er sich innerhalb des Teams sehr engagiert hat und auf dem Spielfeld viel aufgesaugt hat. Er hat viele Fähigkeiten, die wir allerdings noch weiterentwickeln müssen."

Joe Flacco freut sich über Fant

Und wie sieht es bei Fant in Denver aus? Auch er dürfte das Passspiel seines Teams beleben, nachdem vergangene Saison Jeff Heuerman mit 281 Receiving Yards noch der effektivste Tight End war.

Fant passt auch gut zu dem Stil des neuen Quarterbacks Joe Flacco, der gerne Tight Ends anwirft. Vergangene Saison gingen 165 seiner 306 geworfenen Pässe über die Line of Scrimmage in die Mitte des Feldes.

"Ich freue mich total über ihn. Wenn man ihn sich anschaut, ist er ein wirklich athletischer Typ. Ich glaube es wird unterschätzt, was er an der Line of Scrimmage tun kann", sagt Flacco über Fant. "Er kann offensichtlich gut laufen. Und Tight End können in dieser Offense wichtige Spieler sein, wenn sie gut laufen können und ein Gefühl für die Routen entwickeln."

Angesichts der Fähigkeiten von Hockenson und Fant erscheint es gar nicht mehr so ungewöhnlich, Tight Ends im Draft früh auszuwählen.

Oliver Jensen

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