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München/Green Bay - Es gibt wohl kaum einen Spieler in der NFL, der seine Worte so bewusst wählt wie Aaron Rodgers.

Der 37-Jährige spuckt nicht einfach laute Töne in die Mikrofone der US-Reporter, er überlegt sich jede Aussage ganz genau.

Gerade deshalb dürften viele Packers-Fans aufgeschreckt sein, als der Quarterback nach der bitteren 26:31-Pleite im Championship Game der NFC gegen die Tampa Bay Buccaneers vor die Presse trat.

Zukunft von Rodgers ungewiss

"Die Zukunft vieler Spieler ist ungewiss, mich eingeschlossen", erklärte der Spielmacher nachdenklich und sichtlich mitgenommen im Gespräch mit den Journalisten.

 

Dabei hat der designierte MVP beim Blick auf die Zahlen eigentlich ein gutes Spiel gemacht. 33 von 48 Pässen für 346 Yards brachte er bei seinen Mitspielern unter. Drei Touchdown-Pässen stand dabei eine Interception gegenüber.

Und obwohl sein Gegenüber Tom Brady gleich drei Interceptions hinnehmen musste, ging "A-Rod" am Ende als Verlierer vom Feld. Wieder einmal.

Field Goal statt vierter Versuch

Sinnbildlich für den tragischen Abend der Packers stand dabei ein Call von Head Coach Matt LaFleur. Mit noch gut zwei Minuten Spielzeit und acht Punkten Rückstand stand Green Bay an der Acht-Yard-Line der Buccaneers.

Nach drei erfolglosen Versuchen entschied sich der Trainer, ein Field Goal zu kicken anstatt den vierten Versuch auszuspielen. In der Hoffnung, Brady im anschließenden Drive noch einmal stoppen zu können. Doch dies gelang nicht.

"Es war nicht meine Entscheidung, aber ich verstehe die Überlegungen", erklärte Rodgers nach dem Spiel.

Ganz schuldlos war der Spielmacher an der Situation jedoch nicht. Beim zuvor ausgespielten dritten Versuch stand ihm das Feld offen, doch anstatt zu laufen und so zumindest ein paar Yards gut zu machen, entschied er sich für einen Pass - der jedoch wie die beiden Würfe zuvor nicht ankam.

Nicht die einzige entscheidende Situation, an der die Gastgeber noch zu knabbern haben dürften.

Rodgers sauer auf Schiedsrichter

Eine Defensive Pass Interference kurz vor Schluss besiegelte die Niederlage der Gastgeber, und das, nachdem die Schiedsrichter zuvor relativ großzügig gepfiffen hatten.

"Das war ein schlechter Call", echauffierte sich Rodgers. "Wir hätten den Ball bei noch 1:35 Minuten Spielzeit und einem Timeout zurückbekommen. Wir hätten die Chance gehabt, in den Super Bowl einzuziehen. Also ja, das war eine schlechte Entscheidung", so der Quarterback weiter.

Doch bei all dem Unverständnis über die Schiedsrichter, dem mutmaßlichen Ärger über den Field-Goal-Call von LaFleur, den beiden Fumbles von Running Back Aaron Jones - am Ende sind die nackten Fakten eindeutig.

MVP ohne Titel

Mit ziemlicher Sicherheit wird "A-Rod" zum dritten Mal als MVP der Saison ausgezeichnet. 48 Touchdown-Pässe bei nur fünf Interceptions in der Regular Season lassen den Verantwortlichen auch kaum eine andere Wahl. Und dennoch steht der 37-Jährige wieder mit leeren Händen da.

 

Im zweiten Jahr in Folge verpassten die Packers den Super Bowl um nur einen Sieg. In diesem Jahr sogar im heimischen Lambeau Field.

Fünf Mal stand Rodgers im Halbfinale der NFL, vier Mal ging er als Verlierer vom Platz. Eine Horrorbilanz. Nur in der Saison 2010 erreichte er das Endspiel und schnappte sich die Vince-Lombardi-Trophy.

Mit nur einem einzigen Meisterring fällt die Bilanz eines der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte nicht allzu glorreich aus. Wie geht es nun weiter?

Viele Verträge laufen aus

Sein Kontrakt in Wisconsin läuft noch lange. Frühestens 2024 wäre Rodgers vertragsfrei, sollte er nicht vorher getradet werden. Ob der neunmalige Pro Bowler wirklich so lange bleibt, ist unklar.

"Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht", antwortete er nach der Pleite gegen die Bucs auf die Frage nach seiner Zukunft.

Mit Jordan Love hat sich die Franchise bereits im vergangenen Draft einen Quarterback in der ersten Runde ausgesucht - sehr zum Missfallen ihres Superstars, der mit seinen Leistungen mehr als nur deutlich gemacht hat, dass an ihm derzeit noch kein Weg vorbei führt.

Doch auch eine andere Unsicherheit lastet schwer auf dem Spielmacher. Die Zukunft vieler seiner Teamkollegen ist offen. So läuft der Vertrag seines bevorzugten Passempfängers Davante Adams nach der kommenden Saison aus, der am Sonntag so unglücklich agierende Running Back Jones wird schon im März Unrestricted Free Agent.

Rodgers mit Adams und Jones befreundet

"Das ist das Traurige daran, einfach die Ungewissheit. Die Endgültigkeit ist hart. Es gibt in dieser Offseason viele Unbekannte", so Rodgers.

Den Quarterback trifft die Untätigkeit der Packers-Verantwortlichen aber nicht nur sportlich: Spieler wie Adams oder Jones sind enge Freunde des 37-Jährigen. Ihre Abgänge würden auch persönlich schmerzen.

"Ich werde mir sicher eine Auszeit nehmen müssen, um den Kopf frei zu bekommen und zu sehen, wie es mit allem weitergeht, aber im Moment ist es ziemlich schwierig", schaute Rodgers voraus.

Mentor für Jordan Love?

In den vergangenen Jahren scheiterten die Packers häufig aufgrund einer schwachen Defensive. Die D-Line kam gegen die Bucs zwar nur mäßig in die Partie, drei Interceptions in der zweiten Hälfte sprachen jedoch für sich.

Den Einzug in den Super Bowl haben die Käseköpfe nur haarscharf verpasst, von einer Demontage wie vor einem Jahr, als die San Francisco 49ers mit 37:20 als klarer Sieger vom Feld gingen, kann keine Rede sein. Es besteht also durchaus die Basis für eine erfolgreiche Zukunft. Eine Zukunft, in der Rodgers auch als Lehrer fungieren könnte.

Als der heute 37-Jährige 2005 von den Packers gedraftet wurde, musste er noch drei Jahre warten, ehe er als Starter auf dem Feld stehen durfte. In dieser Zeit fungierte der legendäre Brett Favre als sein Mentor.

LaFleur will Rodgers behalten

Nun könnte es bei den Packers ähnlich ablaufen. Ein mehrmaliger MVP steht einem jüngeren Spielmacher als Mentor zur Seite.

Die Packers-Fans dürften dies in jedem Fall hoffen - besteht doch trotz der bitteren Niederlage die berechtigte Hoffnung, dass es in den nächsten Jahren mit dem Super-Bowl-Sieg klappt.

Trainer LaFleur hat indes bereits deutlich gemacht, dass er sich nichts mehr wünscht, als einen Verbleib von Rodgers: "Ich hoffe inständig, dass er zurückkommt."

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