Die Houston Texans spielten 2019 noch in der Divisional Round. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesDie Houston Texans spielten 2019 noch in der Divisional Round. © 2020 Getty Images

Houston/München - Der Juli neigt sich dem Ende entgegen, die Vorfreude auf die neue Saison der NFL steigt überall.

Oder besser gesagt, fast überall.

Denn in Houston könnte die Stimmung deutlich besser sein. Die Texans sind nach Einschätzung fast aller Experten das schlechteste Team der Liga, eine historische 0-17-Saison scheint nicht ausgeschlossen.

Das wäre eine Premiere, schließlich ist die Saison 2021 die erste, in der 17 Spiele in der Regular Season gespielt werden.

Die Texans befinden sich im Rebuild, eine komplett neue Mannschaft soll aufgebaut werden. Aber wie genau das aussehen soll, ist noch unklar.

Der Klub aus Texas ist derzeit mehr als nur ein großes Fragezeichen. Ein übergeordneter Plan ist noch nicht erkennbar, fast alle Positionsgruppen werden im NFL-Vergleich auf den letzten Plätzen verortet. Es gibt nicht viel in diesen Tagen, was den Texans Hoffnung machen könnte.

Head Coach Culley beschwört den Teamgedanken

Im Trainings Camp wurden T-Shirts mit der Aufschrift "Team. Team. Team" verteilt. "Nur darum geht es. Das ist es, was wir sind", beschwört Head Coach David Culley den Teamgeist. Was man eben so macht, wenn man praktisch keine Stars im Kader hat.

Culley ist mit seinen 65 Jahren übrigens Rookie als Head Coach. Obwohl er seit 27 Jahren in der NFL ist, trug er noch nie die Verantwortung für ein Team. Ob die Texans nun eine gute Station für ein Debüt als Head Coach im Fast-schon-Rentenalter sind, sei mal dahingestellt.

Dass Culley ein praktisch entkerntes Team übernommen hat, ist aber nicht seine Schuld. Tatsächlich war es Culleys zu Beginn der Saison 2020 entlassener Vorgänger Bill O'Brien, der als Head Coach und General Manager in Personalunion einige sehr fragwürdige Entscheidungen traf.

Die Trades von Jadeveon Clowney, Laremy Tunsil und Kenny Stills sorgten bereits für immer heftigeres Kopfschütteln bei den Texans-Fans, als O'Brien dann noch Superstar-Receiver DeAndre Hopkins für einen Zweitrunden-Pick und Running Back David Johnson zu den Arizona Cardinals ziehen ließ, war die Empörung riesig.

Der Trade gilt als der schlechteste in der Geschichte der Texans, sogar als einer der schlechtesten in der NFL überhaupt.

Auch Watt und Fuller sind weg

O'Briens Nachfolger als General Manager, Nick Caserio, ließ dann auch noch J.J. Watt nach Arizona und Will Fuller nach Miami ziehen. Von der Mannschaft, die noch 2019 die AFC South gewann und sich erst in der Divisional Round in einer dramatischen Partie dem späteren Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs geschlagen geben musste, ist praktisch nichts mehr übrig.

Auch Quarterback Deshaun Watson ist eigentlich nur noch auf dem Papier Teil des Teams. Auf 388 Passing Yards brachte er es am 13. Januar 2020 in dem bemerkenswerten Playoff-Game gegen die Chiefs. Was genau 67 Passing Yards mehr waren, als sein Gegenüber Patrick Mahomes sammelte. Und der wurde immerhin MVP der Saison.

Watson hat bewiesen, dass er ein guter NFL-Quarterback sein kann, in Houston hat er dennoch keine Zukunft.

Bereits im Januar verlangte er einen Trade, um jeden Preis wollte er damals Texas verlassen. Auch die Texans wären wohl nicht abgeneigt, aber so einfach wird es nicht, einen Abnehmer für den 25-Jährigen zu finden.

Denn seit März wurden schwere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Watson erhoben, nicht weniger als 22 Frauen klagen gegen den Quarterback.

Vor den Texans liegen zwei schwere Jahre - mindestens

Watson und Linebacker Zach Cunningham sind die einzigen beiden Spieler, die einen Vertrag über 2024 hinaus besitzen. Ob es gelingt, Watson zu traden und was die Texans für den umstrittenen Quarterback im Gegenzug bekommen, könnte für die nähere Zukunft mitentscheidend sein.

Viele Spieler besitzen aktuell nur Einjahresverträge, so dass die Texans in 2023 ein Cap Space von 124,8 Millionen Dollar haben werden. Zumindest diese Zahl macht Hoffnung für den Neustart, der dann Formen annehmen dürfte. Bis dahin liegen aber ganz schwere Zeiten vor den Texans.

Schon am 1. Spieltag der NFL-Saison 2021 (live auf ProSieben, ProSieben MAXX und ran.de) droht ein undankbares Spiel, dann reisen nämlich die Jacksonville Jaguars ins NRG Stadium nach Houston.

Der AFC South-Rivale spielte letztes Jahr eine 1-15-Saison und war der Prügelknabe der Liga, ist aber mit seinem Neustart deutlich weiter. Denn immerhin wurde im Draft mit Trevor Lawrence das größte Quarterback-Talent der vergangenen Jahre geholt, Lawrence soll die Jags in eine bessere Zukunft führen.

Für das NFL-Debüt des großen Hoffnungsträgers könnten die Texans mit ihrer schwächelnden Defense der ideale Sparringspartner sein. Was ziemlich bitter für die Texans wäre.

Andererseits sind die Jaguars selbst ein Team, dass sich noch finden muss. Gelingt es den Texans, den von Head Coach Culley beschworenen Teamgeist auf den Platz zu bringen, ist vielleicht auch eine Überraschung möglich.

Das wäre dann zumindest ein guter Auftakt in eine Saison, die für die Houston Texans nicht viel Positives bereithalten wird.

Christian Stüwe

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