Quenton Nelson (Nr. 56.) ist der Hauptgrund dafür, dass Quarterback Andrew L... - Bildquelle: imagoQuenton Nelson (Nr. 56.) ist der Hauptgrund dafür, dass Quarterback Andrew Luck weniger Sacks kassiert als in den Jahren zuvor. © imago

Indianapolis / München – Ob Andrew Luck wohl ein schlechtes Gefühl hatte, als er sich in Week 1 erstmals nach 616 Tagen Verletzungspause wieder hinter die Offensive Line stellte? Man hätte es dem Quarterback der Indianapolis Colts (am Sonntag um 19 Uhr gegen die Houston Texans live auf ran.de) jedenfalls nicht verübeln können. Jahrelang war er aufgrund der Schwäche seiner Vorderleute Freiwild, ständig auf der Flucht und bei gefühlt jedem Pass unter Druck.

 

44 Sacks ließen die Colts alleine in der Spielzeit 2016 zu – damals der fünfthöchste Wert der Liga. Danach musste Luck sich einer Schulteroperation unterziehen, die ihn die ganze Saison 2017 zum Zusehen zwang. Rückblickend lässt sich dieser Verletzungsausfall fast als Glücksfall bezeichnen. 2017 wurde der Schutz nicht besser, sondern noch weitaus schlechter. 56 Mal wurden die Ersatz-Quarterbacks Jacoby Brissett und Scott Tolzien zu Boden gebracht. Keine O-Line ließ vergangene Saison mehr Sacks zu.

Möglicherweise war der mangelnde Schutz sogar ein Grund dafür, dass das Comeback von Luck auf 2018 verschoben wurde. Wozu einen 140-Millionen-Dollar-Quarterback mit angeschlagener Schulter auf das Spielfeld schicken, wenn die O-Line ihn nicht beschützen kann und der nächste Ausfall droht? Die Verletzungsgefahr war bei Luck immer präsent. Alleine zwischen 2015 und 2017 hatte er 26 Spiele verpasst.

Unter Frank Reich genießt die Offensive Line Priorität

In Indianapolis musste ein Umdenken stattfinden. Vorbei waren die Zeiten, in denen bei der Offensive Line der Rotstift angesetzt wurde, um das Geld und die hohen Picks meist in andere Mannschaftsteile zu stecken. Unter der Führung des neuen Head Coaches Frank Reich hatte es oberste Priorität, Luck bei seiner Rückkehr einen besseren Schutz zu bieten.

Weil die Colts im Draft 2018 im Gegensatz zu einigen anderen Teams keinen Quarterback benötigten, gaben sie ihren 3. Pick an die New York Jets ab und erhielten im Gegenzug vier Picks zurück, unter anderem den Erstrundenpick an Platz sechs und zwei Zweitrundenpicks. So hatte General Manager Chris Ballard die Möglichkeit, gleich zwei schwächelnde Mannschaftsteile mit jungen Talenten auf Vordermann zu bringen: die Front Seven der Defense und eben die Offensive Line.

Zwei der ersten drei Picks wurden für neue "Bodyguards" von Luck aufgewendet. Guard Quenton Nelson kam als höchstgedrafteter O-Liner an Position 6. In der zweiten Runde wurde der ebenfalls hoch veranlagte Braden Smith ausgewählt. Zudem wurde in der Free Agency Guard Matt Slauson verpflichtet, der in den ersten fünf Saisonspielen als Starter auflief, ehe ihn eine Verletzung aus dem Verkehr zog.

Die Verantwortung für diesen Mannschaftsteil wurde in die Hände von dem neuen Offensive Line Coach Dave DeGuglielmo gelegt, der selbige Position unter anderem bei den Miami Dolphins und den New England Patriots bekleidete.    

Nur 14 Sacks – der zweitbeste Wert der Liga

Das Upgrade hat funktioniert: Lediglich 14 Sacks ließen die Colts in der laufenden Saison zu – der zweitbeste Wert der Liga. Zum Vergleich: Seit Beginn der Ära von Luck gab es in den Jahren seit 2012 erschreckende 41, 32, 29, 37, 44 und 56 Sacks.  

Beeindruckend: Zwischen Week 6 und Week 11 wurde Luck in fünf aufeinanderfolgenden Spielen nicht zu Boden gebracht. In 239 aufeinanderfolgenden Dropbacks wurde der Passgeber nicht gesackt – so etwas hatte es in der NFL seit 1991 nicht mehr gegeben.

Dass diese Erfolgsserie mittlerweile riss und es vergangene Woche gegen die Jacksonville Jaguars drei Sacks gab, die Offense zudem punktlos blieb, lässt sich als Ausrutscher einer insgesamt positiven Entwicklung bewerten.   

Der ehemalige Erstrunden-Center Ryan Kelly, der Ende 2017 verpflichtete Guard Mark Glowinski, Left Tackle Anthony Castonzo bilden gemeinsam mit den Rookies Nelson und Smith eine verschworene Einheit.

Quenten Nelson ist der Schlüsselspieler

Nelson ist der Hauptgrund für die starke Entwicklung. Er galt bereits im Vorfeld des Draft als der beste O-Liner, bringt mit seinen 1,96 Metern und 149 Kilogramm optimale Maße mit und ist ein idealer Pass-Blocker, kann aber auch im Run-Blocking glänzen.

Laut Offensive Line Coach DeGuglielmo hat er das Niveau der gesamten Unit angehoben: "Die Mitspieler sehen, wie er Leute niederreißt. Er spielt mit einer Bosheit und bringt die natürliche Bosheit bei anderen Spielern zum Vorschein." Nelson fungiert bereits als Vorbild für die älteren Mitspieler, wie der Coach erklärt: "Er zeigt den Veteranen, wie seine Fußarbeit funktioniert und was er mit den Händen macht."

Was DeGuglielmo besonders zu schätzen weiß: Nelson tut all das innerhalb des Regelwerks, fabriziert also keine unnötigen Strafen: "Er greift nicht in die Masken, er hält keine Jungs fest, weil er das nicht muss. Und das ist das Schöne daran, wie er spielt. Er spielt im Rahmen des Spiels. Er hängt sich voll rein, spielt körperlich und ist explosiv."

Der interne Wettbewerb: Pass-Rusher niederringen

Der Ehrgeiz aller Beteiligten ist groß. Die O-Liner geben sich nicht damit zufrieden, einfach nur ihren Quarterback zu beschützen. Sie tragen einen internen Wettbewerb aus, wer wie viele Pass Rusher ausgeschaltet hat, sie im Idealfall nieder gerungen und sich danach auf sie gelegt hat. "Wenn sie nach einem Scoring Drive auf die Bank kommen, vergleichen sie, wie oft sie ihren Kerl nieder gerungen haben – sie sagen dann: Coach, ich habe drei, Coach, ich habe vier", berichtet DeGuglielmo.

Spätestens wenn Luck dies von seinen Bodyguards hört, dürften die Zeiten, in denen er sich mit einem schlechten Gefühl hinter die Offensive Line stellte, endgültig vorbei sein.

Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren kostenlosen WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp

US-Sport-Videos

US-Sport-News

US-Sport-Galerien

Die nächsten Spieltage

NFL 2018 / 2019