J.J. Watt nimmt bei den Arizona Cardinals einen wohl letzten Anlauf auf den ... - Bildquelle: Imago Images/ran.deJ.J. Watt nimmt bei den Arizona Cardinals einen wohl letzten Anlauf auf den Titel. © Imago Images/ran.de

München/Arizona - Für gewöhnlich ist die Medienlandschaft in den USA bestens informiert. Bahnt sich in der NFL eine spektakuläre Personalie an, so wissen es die meisten schon lange, bevor es öffentlich kommuniziert wird. 

Bei J.J. Watt und seinem Wechsel zu den Arizona Cardinals war das anders. Als Favoriten galten andere Teams. Die Buffalo Bills, die Green Bay Packers oder auch die Tennessee Titans. Doch der 31-Jährige entschied sich dafür, seinen scheinbar letzten Titelanlauf im Wüstenstaat der USA zu wagen. 

Seine Wahl überbrachte Watt via Twitter. Gewichte stemmend im Cardinals-Shirt. Der Blick fokussiert nach vorne. Dazu schrieb er schlicht: "Quelle: Ich".

Der dreimalige Defensive Player of the Year will keinen Zweifel daran lassen, dass er nach neun Jahren bei den Housten Texans nun Arizona als legitimen Titelanwärter sieht.

Blickt man auf die anderen Teams, die zur Auswahl standen, ist das eine durchaus mutige Entscheidung, die Risiken birgt. 

Watt spielt in starker Division

Zwar gilt Kyler Murray mehr und mehr als neuer Stern am Quarterback-Himmel der NFL, bei den Packers hätte Watt mit Aaron Rodgers aber einen Spielmacher der absoluten Extraklasse an seiner Seite gehabt und dazu ein fast schon sicheres Playoff-Ticket buchen können. Gleiches gilt für die Bills, die bereits in der jüngst zu Ende gegangene Saison unter Beweis stellten, dass sie ein ernstzunehmender Anwärter sind. 

Doch Watt entschied sich für ein Team, das in der letzten Saison die Playoffs mit einer 8:8-Bilanz verpasste und in der NFC West mit den Seattle Seahawks, den Los Angeles Rams und den San Francisco 49ers die vielleicht schwierigste Division der Liga vor der Brust hat.

Über Watts genaue Beweggründe lässt sich derzeit nur spekulieren, ausführlich geäußert hat sich der Defensivspieler noch nicht dazu. Er hatte aber erst kürzlich auf drängelnde Fan-Fragen hin durchblicken lassen, dass er sich Zeit lassen wolle. Heißt: Die Entscheidung ist wohlüberlegt.

Wiedervereinigung mit Hopkins und Joseph

Eine wichtige Rolle dürfte die Wiedervereinigung mit gleich mehreren alten Bekannten spielen. Neben Receiver DeAndre Hopkins gilt das vor allem für Defensive Coordinator Vance Joseph. In seinen ersten Jahren bei den Texans war Joseph Coach der Defensive Backs und führte Watt 2012 zu seinem ersten von dreien DPOY-Titeln. 

Unter Joseph trifft Watt nun auf eine bärenstarke Defensive und bildet zusammen mit Chandler Joseph das beste Pass-Rush-Duo der Liga. Seit 2012 haben Jones (97) und Watt (95,5) ligaweit die meisten Sacks aller Spieler gelandet.

Mit einem gleichstarken Partner an seiner Seite wird Watt nun auch wieder häufiger im Eins-gegen-Eins-Duell blitzen können. In Houston richtete sich die gegnerische O-Line meist immer nach Watt und doppelte ihn nahezu bei jedem Play.

Gut möglich, dass er bei den Cardinals daher auch häufiger durch die Mitte der Defensive Line angreift und nicht ständig nur über die Außenpositionen. 

31 Millionen Dollar für zwei Jahre

Hinzu kommt: Auch wenn der 31-Jährige stets betonte, dass die finanziellen Aspekte seines neuen Vertrages eher zweitrangig sind, so dürfte sich ein Blick aufs Konto zukünftig lohnen. Watt kassiert in zwei Jahren 31 Millionen US-Dollar, 23 Millionen sind garantiert. 

Für die Cardinals werden die kommenden Wochen und Monate nun von entscheidender Bedeutung sein. In der Vorsaison kam die Franchise auf eine 8:8-Bilanz - fünf der acht Niederlagen fielen jedoch mit weniger als acht Punkten Differenz aus, drei davon nur mit drei Punkten. Es zeigt: Arizona fehlt nicht mehr viel. 

Arizona vor wichtiger Offseason

In Haason Reddick könnte die Defensive allerdings einen ihrer wichtigsten Stützen verlieren. Der Linebacker gehörte mit 12,5 Sacks im Vorjahr zur absoluten Liga-Elite und wird nun Free Agent. Angesichts von nur elf Millionen Dollar Cap Space könnte eine Vertragsverlängerung problematisch werden. 

Den Cardinals bleibt aber die Free Agency und der NFL Draft im April, um die Lücken bestmöglich zu schließen. Dann könnten sie trotz starker Division und mangelnder Erfahrung zu einem echten Contender für den Super Bowl werden.

Und Watts Mut zum Risiko so belohnen. 

Timo Nicklaus

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