Gardner Minshew: Bald das neues Gesicht der Jacksonville Jaguars? - Bildquelle: Getty ImagesGardner Minshew: Bald das neues Gesicht der Jacksonville Jaguars? © Getty Images

Jacksonville/München - Gardner Minshew bekommt den Snap. Er schaut. Findet keinen offenen Receiver. Bewegt sich nach rechts. Weicht Pro-Bowl-Safety Jamal Adams aus. Wirft aus dem Lauf auf den komplett blank stehenden Chris Conley. Der Ball landet perfekt in seinen Armen. Conley muss nur noch den Turbo zünden und in die Endzone laufen. Es sind Spielzüge wie diese, die Minshew von den Jacksonville Jaguars aktuell zu einem der besten Rookies der bisherigen Saison machen. 

Dabei deutete vor der aktuellen Spielzeit nichts auf einen Einsatz des Mann mit dem markanten Schnauzbart hin, denn er ist schließlich ein Sechstrunden-Pick, ein "Projekt", wie die Spätrunden-Picks gerne bezeichnet werden.

Minshew kein gewöhnlicher Rookie

"Er ist noch nicht bereit", ist eine weitere übliche Floskel, die die Head Coaches nutzen, um den Lernprozess der Spätrunden-Picks zu beschreiben. Die meiste Spielzeit sehen die Youngsters in der NFL dann in der Preseason oder in den Special Teams. 

Nicht so bei den Jaguars. Da herrscht seit dem zweiten Spieltag absolute "Minshew-Mania". Gardner Minshew polarisiert, amüsiert, und - das ist das Wichtigste - liefert richtig stark ab. Der Rookie spielt sich seit seiner Einwechslung am ersten Spieltag gegen die Kansas City Chiefs in die Herzen der Fans.

Foles oder Minshew?

Dabei lässt er den eigentlichen Starter, Neuverpflichtung Nick Foles, den die Jaguars vor der Saison mit einem 88-Millionen-Dollar-Vertrag ausgestattet haben, in Vergessenheit geraten. Doch Foles ist seit einigen Tagen wieder im Training dabei und dürfte, nachdem er auf der "Injured Reserve List" stand, ab dem elften Spieltag wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Head Coach Doug Marrone steht vor einer schweren Entscheidung.

Startet er den Rookie und lässt den Super-Bowl-MVP von 2017 auf der Bank oder rotiert die teure Neuverpflichtung zurück in die Startformation, während die mögliche Zukunft der Franchise wieder auf der Bank Platz nimmt? 

Minshew spielt wie ein Routinier

"Ich zerbreche mir nicht den Kopf über mögliche Szenarien. Wenn es soweit ist, werden wir eine Entscheidung treffen. Bis dahin kann noch einiges passieren", sagte Marrone auf der Pressekonferenz nach dem Sieg über die New York Jets. 

Kurz zuvor führte Minshew die Jaguars zum vierten Saisonsieg, warf für 279 Yards und drei Touchdowns, die meisten Touchdowns in einem Spiel eines Rookies in der Geschichte der "Jags". Er stellte bei dem Spiel erneut unter Beweis, was ihn so erfolgreich macht: Minshew kann sich durch seine Mobilität und Wendigkeit mehr Zeit erlaufen. Er schafft es regelmäßig, dem ersten Passrusher auszuweichen und dann eine Anspielstation zu finden.

Seine Genauigkeit und Antizipation sind zwei weitere wichtige Faktoren. Der 23-Jährige verbuchte in acht Spielen 1976 Yards, 13 Touchdowns und lediglich 2 Interceptions. Durch sein Laufspiel fügte er weitere 201 Yards hinzu. "Er kann das ganze Spielfeld scannen, diese Fähigkeit haben oft nur die guten Quarterbacks", lobt Offensiv-Koordinator John DeFilippo. Minshew spielt wie ein Routinier, vermeidet Ballverluste und findet oft den freien Passempfänger. 

Jaguars bieten guten Startpunkt für Rookie-Quarterback

Lob für den frühen Erfolg von Minshew sollte allerdings auch das Trainerteam erhalten. Denn: Was benötigt ein junger Quarterback, um in der NFL erfolgreich zu sein? Eine funktionierende Offensive-Line, einen starken Running Back und eine dominante Defensive.

Bei den Jaguars werden alle drei Punkte positiv abgehakt. Die Offensive-Line um Pro-Bowl-Guard Andrew Norwell ist solide, Running Back Leonard Fournette nimmt durch seine starken Läufe Druck von Minshews Schultern und die Defensive hält meistens die gegnerische Offensive in Schach. 

Wie sieht die Zukunft bei den "Jags" aus?

Marrone wird voraussichtlich vor dem Spiel am elften Spieltag gegen die Indianapolis Colts eine schwere Entscheidung treffen müssen: Minshew oder Foles? Nick Foles ist mittlerweile 30 Jahre alt, war die meiste Zeit seiner Karriere Backup, spielte 2017 grandios in den Playoffs und im Super Bowl. Um ihn und seinen 88-Millionen-Vertrag auf die Bank zu setzen, bräuchte es ordentlich Mumm. 

Doch die Jaguars könnten von einer solchen Entscheidung profitieren, schließlich liefert Minshew ab und macht das Team um sich herum besser.

Eine Anekdote könnte die Jaguars letztlich überzeugen, dem Rookie vollends zu vertrauen: Ein gewisser Tom Brady, seines Zeichens selbst ein Sechstrunden-Pick, sprang 2001 für den verletzten Starter ein, behielt den Job und die Patriots bereuen diese Entscheidung bis heute nicht.

Tim Rausch

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