Gardner Minshew hatte in London nicht viel zu lachen. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesGardner Minshew hatte in London nicht viel zu lachen. © 2019 Getty Images

London - Gestatten, Gardner Minshew, der derzeit vielleicht kultigste Quarterback der NFL. Olivgrüne Bomberjacke, Stirnband, Schnauzer. Er nimmt noch einen Schluck aus der Wasserflasche, fährt sich durch die Haare. Dann muss er den Journalisten im Londoner Wembley Stadion seine bislang schwerste Niederlage als NFL-Quarterback erklären, ein 3:26 gegen die Houston Texans. Und das dauert - genau 25 Sekunden.

Auf die Frage, wie frustrierend der Nachmittag für ihn und seine Jacksonville Jaguars gewesen sei, sagt er: „Ja, das kotzt mich an. Wir haben nichts aus unseren Versuchen gemacht; wir haben nicht genügend Plays gemacht, um gewinnen zu können. Tja - das war heute kein Spaß...“

Der Frust saß tief

Die Enttäuschung ist sichtbar, er spricht leise, man kann ihn kaum verstehen. Er blickt noch einmal kurz in die Runde - und verlässt dann den Raum. Das war nur Pflichterfüllung, weil es das Protokoll der NFL so vorsieht, dass der Quarterback bei der Pressekonferenz nach dem Spiel zu erscheinen hat.

Der Frust saß tief, sehr tief. Für Minshew ging es in Wembley um viel. Er hätte weitere wertvolle Punkte machen können im Jaguars-internen Quarterback-Duell mit Spitzenverdiener und Super-Bowl-MVP Nick Foles - stattdessen wurde es eine bittere Lehrstunde für den eigentlichen Backup, der zuletzt mit starken Leistungen für Furore gesorgt hatte.

Vier Minshew-Turnovers

Vor allem das vierte Quarter gegen die Texans wird böse in Erinnerung bleiben. Insgesamt zwei Interceptions und zwei Fumbles machen letztlich jegliche Hoffnung auf Erfolg in diesem Spiel zunichte.

Minshew kassierte insgesamt drei Sacks, bekam viel Druck von der Texans Defense. Auch ein Grund für die Leistung in London. Dabei versuchte der Jacksonville-Quarterback viel, bewegte sich wie gewohnt schnell und wendig, teilweise auch aus der Pocket heraus. Aber diesmal flogen viele Pässe erstaunlicher Weise knapp über oder am Empfänger vorbei.

„Heute hat man gesehen, dass er doch noch keinen so starken Wurfarm hat“, sagt ranNFL-Experte Björn Werner.

"Jetzt wird Nick Foles wieder reinkommen"

Letztlich war es in London viel Mania und nicht so viel Minshew wie erhofft. Jaguars-Coach Doug Marrone wird nun auf dem Rückflug in die USA nicht mehr so furchtbar lange grübeln müssen ob seiner bevorstehenden Quarterback-Entscheidung. Nick Foles, vergangenes Jahr Super-Bowl-Sieger mit den Eagles, steht nach überstandener Verletzung vor seinem Comeback.

Marrone will das Team nach der Bye-Week am nächsten Sonntag informieren, auf wen er ab Woche 11 setzt. Für Björn Werner ist die Sache klar: „Jetzt wird Nick Foles wieder reinkommen.“

Aus London berichtet: Michael Gerhäußer

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