Jakob Johnson spricht über seine Situation bei den Patriots - Bildquelle: gettyJakob Johnson spricht über seine Situation bei den Patriots © getty

München/Foxborough - Jakob Johnson erlebt ein verrücktes erstes NFL-Jahr. Der Fullback der New England Patriots arbeitet sich in kürzester Zeit vom International Pathway Program über den Practice Squad zum Starter beim Super-Bowl-Sieger hoch und wird nur von einer Verletzung gestoppt. In einer offenen Presserunde spricht der gebürtige Stuttgarter über seine Auszeit, die Zusammenarbeit mit Tom Brady und das Leben als NFL-Profi.

Jakob Johnson über ...

...  seine ersten Gedanken, als ihn die Patriots verpflichtet haben: "Man freut sich natürlich und der erste Gedanke war: Wow! Aber dann fällt dir ein, wie viele Stars da sind und mit wem du eigentlich zukünftig in einer Kabine sitzen wirst. Es wird dir sofort klar, dass du noch viel Arbeit vor dir hast, obwohl du die letzten Monate bereits hart an dir gearbeitet hast. Aber du wirst noch mehr investieren müssen, wenn du überhaupt eine Chance haben willst."

... seine Verletzung: "Verletzungen sind ein Teil des Sports, so ist das einfach. Natürlich will sich niemand verletzen, aber wenn es passiert, ist es kein Weltuntergang. Man muss den Fokus verändern und alles daransetzen, schnellstmöglich wieder fit zu werden. Ich bin auf keinen Fall in eine Depression verfallen. Ich hatte schon mal eine schwere Verletzung, alles ist eine Sache der Perspektive. Manche Leute sehen das Glas halb voll, andere das Glas halb leer. Und dann gibt es Leute wie mich, die sehen einfach ein Glas Wasser und sind froh, dass es überhaupt da ist."

... seine Rolle im Team während der Verletzungspause: "Ich fühle mich nicht ausgeschlossen sondern als normales Team-Mitglied. Es ist mir wichtig, so viel Zeit wie möglich hier im Gebäude und mit den Trainern zu verbringen. Ich muss noch immer sehr viel lernen, dafür nutze ich die zusätzliche Zeit."

... seine Perspektive bei den Patriots: "Ich könnte jetzt einen Prozentsatz schätzen, ob ich in dieser Saison nochmal zum Einsatz komme. Am Ende des Tages ist das eine Entscheidung, die meine Trainer fällen werden. Ich kann einfach nur hart arbeiten und alles dafür tun, um wieder gesund zu sein. Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht. Ich werde so lange hier arbeiten, wie mein Eingangsschlüssel funktioniert."

... sein Vorbild bei den Patriots: "Das ist natürlich schwer zu sagen, wenn man mit so vielen erfolgreichen Spielern in einem Team ist. Aber das große Vorbild ist einfach James Develin. Ich kann mir von ihm jederzeit Tipps holen, das ist eine große Hilfe."

… Tipps, die er jungen, deutschen Football-Spielern gibt: "Der erste Schritt ist immer so gut wie möglich zu werden, dort wo ich gerade aktiv bin. Viele Leute fragen mich auf Instagram, wie sie den Sprung auf das College schaffen können. Dabei sind sie zum Teil noch nicht mal Starter in ihrem Team oder spielen nicht in der GFL. Ein guter Weg ist es, sich in Deutschland zu behaupten und dort alles zu tun, was man tun kann, um ein besserer Football-Spieler zu werden. Was viele Leute vergessen: Bedingung für die Aufnahme am College ist das deutsche Fachabitur. Die schulischen Leistungen müssen stimmen, auch die Englischkenntnisse. Sonst wird es in den Meetings kompliziert."

... über den "Mitspieler" Tom Brady: "Beim allerersten Mal war ich noch ein bisschen Fan. Aber ich bin ja hier, um meinen Job zu machen, Teil des Teams zu sein und mir den Respekt solcher Spieler zu erarbeiten. Die Aufregung hat sich dann sehr schnell gelegt."

.. über die Defense der Patriots: "Da ich selbst einige Zeit in der Defense gespielt habe, ist es wirklich beeindruckend zu sehen, wie gut die Jungs ihren Job erledigen. Es ist eine Freude dabei zuzusehen, wie sie Woche für Woche wichtige Spiele für uns entscheiden."

... über die schwächelnde Offense: "Da lehne ich mich mit meinem bescheidenen Football-Wissen nicht aus dem Fenster. Das ist eine Frage für die Trainer (lacht)."

… die Chance, im regulären Practice Squad zu spielen: "Das Pathway Program ist super. Aber wenn du die Chance hast, dich im regulären Practice Squad zu beweisen, musst du das machen. Es ist ein riesen Kompliment und eine riesige Aufgabe, verbunden mit großen Erwartungen zugleich. Meine Freundin hätte mich lieber im Pathway Program gesehen, weil mein Job dann sicher gewesen wäre. Aber so ist das Leben in der NFL. Für Leute am Rand des Kaders gibt es keine Jobsicherheit! Das motiviert aber, jeden Tag um seinen Platz zu kämpfen."

... sein Leben in den USA: "Ich wohne mit meiner Freundin zusammen in einer Einzimmerwohnung. Sie ist Amerikanerin, hat aber das letzte Jahr in Deutschland gelebt. Eigentlich wollte sie auch gerne dortbleiben und war am Anfang etwas genervt, dass ich nun doch wieder in den USA bin. Aber inzwischen hat sie sich gut mit der Situation arrangiert."

... den Schwaben in ihm: "Ich habe bisher noch keinen Fernseher gekauft, weil ich - ganz Schwabe - den 'Black Friday" hier in den USA abwarten möchte. Bisher habe ich es nicht eingesehen, so viel Geld nur für einen Fernseher auszugeben."

Dominik Kaiser

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