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München - Vielleicht wollten die Seattle Seahawks sich ein wenig Zeit verschaffen. Eine Probefahrt vor dem großen Deal. Vielleicht wollten sie erst schauen, wie das hochgelobte Puzzle-Stück in ihr Team passt. 

Als die Seahawks per Trade Star-Safety Jamal Adams von den New York Jets loseisten, unter anderem für zwei Erstrunden-Picks, entschieden sie sich gegen eine vorzeitige Verlängerung. Gut elf Monate ist das her. Mittlerweile arbeiten die Seahawks laut Head Coach Pete Carroll "mit Hochdruck an einer großen Vertragsverlängerung."

Seahawks-Insider schätzen, dass Adams einen jährlichen Verdienst nahe der 20-Millionen-Marke anpeilen wird, knapp vier Millionen mehr als der aktuell bestbezahlte Safety, Justin Simmons. Und das, obwohl die Probefahrt ein paar Bodenwellen erwischte. 

Schwierigkeiten in der Pass-Verteidigung

"Ich mache keine Entschuldigungen für meine Leistungen", sagte Adams nach dem Wild-Card-Match gegen die Los Angeles Rams. Die Seahawks unterlagen mit 20:30, Adams sah bei einer langen Completion auf Wide Receiver Cooper Kupp in der Pass-Verteidigung sehr unglücklich aus. 

Ein Problem, was sich durch die gesamte Saison zog. Gedeckt von Adams fingen Passempfänger 41 der 54 Targets für 446 Yards und drei Touchdowns. Adams vereitelte derweil fünf Pass-Completions, eine Interception gelang ihm nicht. Die Schwierigkeiten in der Passverteidigung sind für Adams ungewohnt. Bei den Jets ließ er in den letzten zwei  Spielzeiten sechs Yards weniger zu, als in einer bei den Seahawks.

Bei den "Hawks" fiel auf, dass er vermehrt einen Schritt zu spät war oder Routen der Passempfänger falsch las. Ein Grund könnten die Verletzungen sein, die über die Saison an seinem Körper zehrten. 

Nach der Saison unterzog er sich Operationen an beiden Schultern und an zwei Fingern, kurierte kleinere Verletzungen weiter aus. "Ich habe mich die gesamte Saison über nicht beschwert, weil das Team vorgeht", schrieb er auf Social Media nach den Operationen. 

Stark als Pass-Rusher

Adams warf seinen Körper in die vergangene Saison... und in gegnerische Quarterbacks. Der 25-Jährige setzte seinen Qualitäten als Pass-Rusher eine Schippe drauf, sammelte 34 Pressures und 9,5 Sacks, so viel, wie nie ein Defensive Back vor ihm. 

Die Seahawks setzten ihn häufig nahe der Line of Scrimmage ein, Offensive Lines und der gegnerische Quarterbacks mussten auf ihn achten, selbst, wenn er letztlich in die Pass-Verteidigung ging, anstatt auf Quarterback-Jagd. 

Dabei profitierte Adams nicht nur von dem Scheme, was oft dafür sorgte, dass er keinen Blocker schlagen musste, um zum Quarterback zu gelangen, sondern er stellte immer wieder unter Beweis, dass er Tight Ends oder Running Backs auf dem Weg zum Quarterback aussteigen lassen kann.

Verlängerung? 

"Wenn ich wieder fit bin, werde ich allen Kritikern zeigen, was ich kann", prophezeite Adams jüngst in einem Social-Media-Post. Der Safety dürfte, wenn er fit ist, einen Schritt nach vorne machen, besonders in der Passverteidigung. 

Bei den Seahawks steht er noch dank der Fifth-Year-Option für die kommende Saison unter Vertrag, ob er auch ohne Verlängerung spielen wird, ist fraglich. 

Die Seahawks planen hinter den Kulissen ohnehin eine Vertragsverlängerung. Sollte Adams zu einem der bestbezahlten Safeties der Liga aufsteigen, muss er dies auch auf dem Feld bestätigen. Als flexibel einsetzbarer Safety, der sowohl auf Quarterback-Jagd, als auch in die Passverteidigung gehen kann, wäre er extrem wertvoll. Nicht zu schweigen von den Eigenschaften, die sich auf keinem Statistikbogen widerfinden: Adams bringt eine Energie, einen Enthusiasmus, eine Führungsqualität mit, die nicht viele Spieler in der NFL besitzen. 

Die Probefahrt ist vorbei, jetzt muss Adams die PS auf die Straße bringen. 

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