Startet Jameis Winston 2019 so richtig durch oder droht er in der "Versenkun... - Bildquelle: imago images / ZUMA PressStartet Jameis Winston 2019 so richtig durch oder droht er in der "Versenkung" zu verschwinden? © imago images / ZUMA Press

Tampa Bay / München - Aus Sicht der NFL-Teams ist die 5th Year Option eine feine Sache. Sie können ihren Erstrundenpick von vor vier Jahren für eine weitere Saison binden und danach ganz in Ruhe entscheiden, ob der Akteur einen langfristigen Mega-Vertrag wert ist oder nicht – so geschehen bei Quarterback Jameis Winston und den Tampa Bay Buccaneers.

20,922 Millionen Dollar kassiert der 25-Jährige in der kommenden Saison. Möchte er auch langfristig solche Beträge kassieren, muss er vor allem eines tun: konstant Top-Leistungen abliefern. Seine Performance in der Saison 2019 entscheidet darüber, ob er langfristig das Gesicht der Buccaneers sein wird oder aber vielleicht irgendwo als Backup in der Versenkung verschwindet.

Head Coach Bruce Arians ist ein Quarterback-Flüsterer

Seine Voraussetzungen sind auf den ersten Blick gut. Der neue Head Coach Bruce Arians hat bewiesen, Quarterbacks besser machen zu können. Er war der erste Quarterback-Coach in der NFL-Karriere des legendären Peyton Manning, arbeitete auch eng mit Andrew Luck und Ben Roethlisberger zusammen.

Bei den Arizona Cardinals verhalf er sogar dem alternden Carson Palmer zu einem Leistungssprung. Im gestandenen Alter von 35 Jahren spielte der die Saison seines Lebens.

Warum also sollte er nicht auch Winston besser machen? Zumal Trainer und Spielmacher eine kleine gemeinsame Geschichte haben: Als Jugendlicher nahm Winston an einem der Freizeit-Camps von Arians teil.

Ebenfalls positiv ist, dass Winston diesmal wohl nicht um seinen Stammplatz bangen muss. Ereignete sich vergangene Saison ein munteres Wechselspielchen mit Quarterback-Kollege Ryan Fitzpatrick, so dürfte er diesmal gesetzt sein.

Nicht nur weil die Backups Blaine Gabbert und Ryan Griffin keine Konkurrenten auf Augenhöhe sind, sondern auch weil Trainer Arians ein Fan von Winston zu sein scheint.

Arians: Winston kann alles gewinnen

"Ich habe bei ihm ein großartiges Gefühl. Seine Begeisterung für das Spiel und seine Arbeitsbereitschaft sind unglaublich. Er ist immer um 5 Uhr morgens im Büro", erzählt der Head Coach und verspricht: "Wir bauen alles um ihn herum auf. Ich denke, er kann alles gewinnen. Ich finde, er hat die Intelligenz, die Härte und offensichtlich auch den Arm, um ein Team anzuführen."

Allzu viel gewonnen hat der First-Overall-Pick von 2015 bislang allerdings nicht. In 54 Partien stand er als Starter auf dem Platz. Seine Bilanz: 21 Siege, 33 Niederlagen, keine Playoff-Teilnahme.

Teilweise schien es auch so, als wäre Winston im System der Buccaneers gefangen. War dieses doch darauf ausgelegt, bei jeder Gelegenheit ein Big Play zu produzieren.

Das bedeutete: Viel Spektakel, viele Touchdowns, aber auch viele Fehler. 88 Touchdown-Pässen stehen 58 Interceptions gegenüber.

Ob die Fehleranfälligkeit im System von Arians abnimmt? Das Mini-Camp ließ wenig Hoffnung aufkommen. Laut ESPN warf Winston in einem Trainingsspiel gleich drei Interceptions.

Arians gab sich unbesorgt und erklärte dies damit, neue Spielsysteme ausprobiert zu haben: "Was die Interceptions angeht, möchte ich sehen, wo wir den Ball hinwerfen und dass wir daraus lernen."

An Waffen mangelt es Winston jedenfalls nicht. Mike Evans, Chris Godwin und OJ Howard blieben ihm als Anspielstationen erhalten, dann wurde auch noch Breshad Perriman verpflichtet – ein Mann für die Big Plays. Vergangene Saison fing dieser im Dienste der Cleveland Browns zwar nur 16 Bälle, hatte dabei aber einen durchschnittlichen Raumgewinn von 21,3 Yards zu verbuchen.  

Viele Aussetzer abseits des Spielfeldes

Doch ein Quarterback muss nicht nur konstant werfen, sondern braucht auch Führungsqualitäten. An diesen bestehen bei Winston durchaus Zweifel. Nicht nur weil ihn seine berühmte "Fingerlutsch-Ansprache" zum Gespött werden ließ, sondern weil er sich abseits des Spielfeldes immer wieder Fehlverhalten leistete.

Vergangene Saison wurde er für die ersten drei Saisonspiele gesperrt, weil er eine Uber-Fahrerin sexuell belästigt haben soll. Bereits am College wurde ihm eine Vergewaltigung zur Last gelegt, die ihm aber nicht nachgewiesen werden konnte.

Überhaupt war sein Verhalten als College-Star auffällig: 2014 wurde er für die erste Halbzeit des Spiels zwischen seinen Florida State Seminoles und Clemson gesperrt, weil er vulgäre Ausdrücke von sich gegeben haben soll.

Und dann wären da noch die Diebstähle: 2013 soll er bei Burger King Getränke geklaut haben, 2014 in einem Supermarkt Krabbenbeine. Winston, der in sehr ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, neigt offensichtlich zu dem einen oder anderen Aussetzer.

Football-Camps und Trainingsvideos

Doch er hat auch eine andere Seite. Vor einem Jahr wurde er Vater, könnte dadurch geerdeter sein. Überhaupt widmet er sich gerne den Heranwachsenden, veranstaltet Football-Camps und gibt sich gegenüber den Kindern kumpelhaft.

Im Trainingslager im Mai gab sich Winston jedenfalls sehr fokussiert: "Ich konzentriere mich darauf, mich selbst zu verbessern. Ich versuche, mich jeden Tag selber zu schlagen, damit ich der Beste bin, der ich sein kann, damit ich dieses Team führen und ihnen helfen kann."

Er zeigt gerne, wie hart er an sich arbeitet, um im fünften Jahr durchzustarten. Auf seinem Instagram-Profi veröffentlichte er Trainingsvideos, die von der Aufmachung und der Musik fast an die Trainingssequenzen aus den Rocky-Filmen erinnern – nicht zuletzt auch wegen seiner Box-Einlagen.

Winston will vor allem eines: Erfolg – nicht irgendwann, sondern jetzt. "Wir wollen dies nicht als ein Jahr des Wiederaufbaus betrachten. Das wird es nicht sein. Wir werden da rausgehen, guten Football spielen und eine großartige Mannschaft sein."

An diesem Vorhaben wird Winston gemessen. Nur wenn das gelingt, klappt es bei ihm mit dem langfristigen Mega-Vertrag.

von Oliver Jensen

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