James Conner (l.) wurde 2017 von den Steelers in der dritten Runde gedraftet... - Bildquelle: imago/ZUMA PressJames Conner (l.) wurde 2017 von den Steelers in der dritten Runde gedraftet. © imago/ZUMA Press

Pittsburgh/München - Ramon Foster ist einer der Typen, die bei den Pittsburgh Steelers die Drecksarbeit machen. Der knapp 150 Kilogramm schwere Guard wirft sich in ebenso schwere Spieler, um seinen Quarterback Ben Roethlisberger zu beschützen. Und er stellt Blocks für die Running Backs seines Teams, unter anderem für Superstar Le'Veon Bell.

Foster ist aber auch ein Freund der klaren Worte. Und eben solche richtete er kürzlich an den derzeit streikenden Bell. "Er scheint ein Typ zu sein, dem alles egal ist", ärgerte sich Foster über die Abwesenheit des Superstars: "Wir müssen für ihn die Arbeit machen, dabei verdient er sieben Mal so viel wie ich".

Auch am Sonntag, beim Heimspiel gegen die Kansas City Chiefs (ab 19 Uhr exklusiv im Livestream auf ran.de) wird Bell wieder fehlen.

Conner bedankt sich nach Touchdown bei den O-Linern

Die Stimmung in Pittsburgh scheint zu kippen. Vielleicht hat der exzentrische Bell mit seinem Fernbleiben in diesem Sommer den Bogen überspannt. Unter Umständen könnte sich seine Verhandlungsposition aber auch verschlechtert haben. Denn zuletzt machte mit James Conner ein junger Running Back auf sich aufmerksam, dem die Herzen der Fans in Pittsburgh nur so zufliegen. Vielleicht, weil er sich so ganz anders präsentiert als Bell.

"Ich konnte ohne berührt zu werden in die Endzone laufen. Die Jungs vor mir haben ein Loch freigeblockt, durch das ich laufen konnte. Deshalb habe ich mich direkt rumgedreht und mit ihnen gefeiert. Weil sie das möglich gemacht haben", beschreibt Conner ganz bescheiden seinen ersten NFL-Touchdown beim 21:21 gegen die Cleveland Browns am vergangenen Sonntag.

Mit zwei Touchdowns, 135 Rushing Yards und 57 Passing Yards ist Conner der Mann des Spiels. Wie bescheiden er sich danach präsentiert, dürfte nicht nur Ramon Foster gefallen. Genauso wie das für NFL-Verhältnisse geradezu niedrige Gehalt des Ballträgers. Knapp zwei Millionen Dollar verdient der Running Back in den nächsten drei Jahren, also etwa ein Siebtel von den 14 Millionen Euro, die Bell allein in dieser Saison zustehen würden.

2015 erkrankt Conner an Krebs

Beschwert hat sich Conner darüber bislang nicht. Was vielleicht auch daran liegt, dass der im Städtchen Erie, 200 Kilometer nördlich von Pittsburgh geborene Running Back auf tragische Weise erfahren musste, dass es weitaus Wichtigeres gibt als Geld.

Der Tag, der sein Leben, seine Sicht auf die Dinge im Leben veränderte, war der 26. November 2015. Der damals 20 Jahre alte College-Student erhielt eine niederschmetternde Diagnose: Krebs. Morbus Hodgkin. Ein bösartiger Tumor im Lymphsystem.

Für Conner, den Star des Teams der University of Pittsburgh, ging es plötzlich nicht mehr um Touchdowns, um Raumgewinn, um Siege mit dem Football-Team. Es ging nur noch um den Sieg im Kampf gegen den Krebs.

"Als mir der Doc einige Wochen zuvor mitteilte, dass ich mir das Innenband gerissen hatte und die Saison aussetzen müsste, habe ich geweint. Wie ein kleines Kind. Als ich von der Krebsdiagnose erfuhr, war da nichts", erinnert sich Conner: "Nur Leere. Ich habe nichts mehr gehört. Das einzige was mir in den Kopf schoss, war: Menschen sterben deswegen."

Touchdown beim Comeback

Die nächsten Monate waren extrem hart. Familie, Freunde und Mitspieler unterstützen Conner während seiner Chemotherapie und den Bestrahlungen. Vor allem aber Eric Berry, der Safety der Kansas City Chiefs, der ein Jahr zuvor die gleiche Diagnose erhalten hatte, wurde zu einer wichtigen Stütze.

Wie Berry gelang es auch Conner schließlich den Krebs zu besiegen und auf das Footballfeld zurückzukehren. Inklusive eines Touchdowns beim Comeback, knapp zehn Monate nach der schlimmen Diagnose. Der 1,85 Meter große und 105 Kilogramm schwere Athlet schaffte es, beinahe wieder an die alte Form anschließen.

Pouncey glaubt an Conner

Weshalb die Steelers mit dem 105. Pick in der dritten Runde des Drafts 2017 dafür sorgten, dass der Local Hero in der Stahlstadt blieb. Zunächst als Backup für Bell, ohne Touchdown in der ersten Saison. Ein Innenbandriss im Knie beendete die erste Spielzeit am 15. Spieltag.

Nun scheinen die Zeiten als Platzhalter aber vorbei, in Abwesenheit Bells ist Conner plötzlich ein heißer Kandidat für eine Breakout-Season.

"Jedes Jahr wird in der NFL ein Star geboren. Hätte irgendjemand vor der letzten Saison geglaubt, dass Kareem Hunt ein All Pro wird?", fragt Pittsburghs Center Maurice Pouncey: "Wenn James kein Krebs bekommen hätte, wäre er ein Erstrundenpick gewesen. Wartet einfach ab."

Und Pouncey muss es wissen, schließlich ist er auch einer der schweren Jungs, die Löcher für die Running Backs reißen. Für James Conner scheint er dies gern zu tun.

Christian Stüwe/Rainer Nachtwey

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