James Morgan. - Bildquelle: imago images/ZUMA PressJames Morgan. © imago images/ZUMA Press

München – Wenn sich rund um den Draft etwas verselbständigt, kann es schnell gehen. Sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Hoch. Oder auch runter.

Dann tritt eine Draft-Dynamik ein, die nur schwer zu stoppen ist. Da werden kleine sportliche Dramen geschrieben, mit Abstürzen hoch gehandelter Talente. 

Aber auch nette Erfolgsstorys von Aufsteigern, die so hoch niemand auf dem Zettel hatte.

Helden aus der dritten Reihe sozusagen.

Reihe von Interessenten

Wie jetzt bei James Morgan. Kein Mann für das Scheinwerferlicht des ersten Abends (23. April, live auf ProSieben MAXX und ran.de), wenn die Top-Picks verkündet werden.

Oder?

Der Houston Chronicle berichtet, dass die Green Bay Packers, Chicago Bears, Indianapolis Colts, Las Vegas Raiders, New York Giants, Buffalo Bills, New York Jets und Miami Dolphins die Bemühungen intensiviert haben, von einem "signifikanten Interesse" ist die Rede. 

Und: Die New England Patriots haben laut ESPN eine Videokonferenz mit ihm abgehalten.  

Ein Kandidat für besagte Dynamik: Einige Interessenten, namhafte Teams, was wiederum die restliche Konkurrenz auf den Plan ruft. Nach dem Motto: Was hat der Kerl, dass ein Drittel der Liga an ihm dran ist? 

Gute Frage. Was hat Morgan denn auf einmal zu bieten?

Auf den ersten Blick ist da nichts, was einen vom Hocker haut. Wenn man sich die Zahlen betrachtet.

Der in der Nähe von Green Bay aufgewachsene 23-Jährige spielte zunächst für Bowling Green, hatte als Starter 2016 und 2017 aber seine Probleme.

Als Junior ging er zur Florida International University, wo er 2018 und 2019 für die Panthers auflief. In seiner Debüt-Saison führte er das Team zum erst zweiten Bowl-Sieg der Geschichte, er stellte mit 26 Touchdowns einen FIU-Rekord auf.

In seinem letzten Jahr ging es ein wenig bergab, er warf für 2585 Yards, 14 Touchdowns und fünf Interceptions. Mit einer 6-7-Bilanz ging es in den Camellia Bowl, der allerdings verloren wurde.

Die weiteren Blicke zählen

Es ist aber wie immer der zweite oder dritte Blick, der zählt. So preisen Experten Aufnahmen aus seiner 2018er-Saison an, in der vergangenen plagte ihn eine Knieverletzung. Ein typischer Grund übrigens für die hintere Reihe beim Draft.

Doch inzwischen ist er wieder fit, und sowohl beim Shrine Bowl als auch beim Combine konnte er Eindruck hinterlassen. Ein Scout erklärt, Morgan habe einen der drei stärksten Arme im Draft, sei intelligent und ein Führungsspieler. 

Drei attraktive Attribute.

Andere Scouts vergleichen ihn mit Kirk Cousins und Joe Flacco. Seine Mängel: Ungenauigkeiten, seine Fußarbeit, fehlende Mobilität in der Pocket.

Er selbst will so sein wie seine Helden, die Packers-Legenden Brett Favre und Aaron Rodgers. Wenn man im Schatten des Lambeau Field geboren wurde, hat man keine andere Wahl. Es ist die logische.

"Ich versuche, das Beste aus beiden Welten herauszuholen", sagte er. "Du willst die furchtlose Mentalität von Favre. Er hatte nie Angst, einen Wurf zu machen. Er wusste, dass er jeden Wurf machen kann. So fühle ich mich. Rodgers hingegen ist mit dem Ball sehr sicher, er macht kaum Turnover. Er trifft gute Entscheidungen. Hab niemals Angst, sondern nimm, was sie mir geben. Das ist sehr wichtig für mich."

Zunächst trug er deshalb die 4 (Favre), in den letzten Jahren die 12 von Rodgers. Die ja auch Brady bei den Patriots trug.

Funfact: Er wäre nach Bud Keyes 1988 der erste Quarterback aus Green Bay, der von den Packers ausgewählt wird. Und die schließen nicht aus, 2020 einen jungen Quarterback auszuwählen, der vielleicht mal die Rodgers-Nachfolge antreten kann.

Morgans Kurs steigt

Patriots? Packers? Solche Spekulationen treiben den Kurs nach oben.

Ein Mann für Tag drei, wenn überhaupt, hieß es zunächst. Inzwischen könnte es auch Tag zwei werden. Oder sogar Runde eins?

 

Er überlässt nichts dem Zufall, bereitet sich trotz des Coronavirus weiterhin akribisch vor und passt sich den Gegebenheiten an. Virtuelle Interviews? Jederzeit. Workouts auf Video? Aber klar.

"Ich versuche zu kontrollieren, was ich kann und bereit zu sein: Wenn ich trainieren muss, wenn ich ein FaceTime-Interview mit dem Trainer führen muss oder so etwas", sagte Morgan: "Besonders als Quarterback beschäftigt man sich ständig mit Dingen, bei denen etwas Unvorhergesehenes passiert, und dies ist nur ein weiterer Schritt."

Um bereit zu sein. Denn wenn sich rund um den Draft etwas verselbständigt, kann es schnell gehen.

Andreas Reiners

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