Jarrett Stidham könnte bei den New England Patriots der Nachfolger von Tom B... - Bildquelle: imago/ZUMA PressJarrett Stidham könnte bei den New England Patriots der Nachfolger von Tom Brady (kleines Foto) werden © imago/ZUMA Press

München / New England – Er weiß, dass sein Name immer wieder im Zusammenhang mit der alles entscheidenden Frage genannt wird: Ist er der Nachfolger von Tom Brady? Jarrett Stidham, der in der 4. Runde gedraftet wurde, könnte das zukünftige Gesicht der New England Patriots sein.   

Was der 22-Jährige dazu sagt? Möglichst gar nichts. Der aus Texas stammende Quarterback geht der hohen Erwartungshaltung bestmöglich aus dem Wege, flüchtet sich stattdessen in die typischen Phrasen eines jeden Rookies. "Ich wache jeden Tag auf und sage, heute muss ich es noch besser machen", erzählte er im Minicamp der Presse.

Weitere Standardaussagen, dass er zum Beispiel so viele Informationen wie möglich aufsauge und sich weiterentwickeln möchte, folgten in der Medienrunde.

Stidham zunächst hinter Brady und Hoyer Nummer 3?

Doch so sehr Stidham dem Thema aus dem Wege gehen möchte – es eilt immer wieder zu ihm zurück. Sämtliche Medien, ob nun die "Sports Illustrated" oder der "Boston Herald", sehen in ihm den wahrscheinlichen Erbe von Brady.  

Vier Quarterbacks stehen bei den Patriots derzeit unter Vertrag. Hinter Brady und dem routinierten Backup Brian Hoyer duellieren sich Danny Etling, der Siebtrunden-Pick aus dem Vorjahr, und Stidham um die Rolle des dritten Quarterbacks.

Nach den Eindrücken im Minicamp zu beurteilen, liegt Stidham vorne. Er übernahm meist die Snaps der Third-String-Offense.

Tom Brady rechnet mit neuem Vertrag

Tom Brady wird im August 42 Jahre alt und geht in sein letztes Vertragsjahr. Auch wenn der sechsmalige Super-Bowl-Sieger zuletzt andeutete, dass eine Vertragsverlängerung nur noch Formsache sei, könnte seine Karriere ganz schnell vorbei sein. Jeder Hit könnte ihn theoretisch in die Rente befördern.

Ein Nachfolger müsste dann parat stehen. Hoyer wäre vielleicht die kurzfristige Lösung, weil er zehn Jahre NFL auf dem Buckel hat und das System der Patriots gut kennt. Stidham allerdings taugt zur langfristigen Lösung.  

"Großartig" - Stidham schwärmt von Brady

Brady hielt sich von den freiwilligen Workouts zwar fern, war aber beim obligatorischen Minicamp im Gillette Stadium anwesend und bot Stidham die erste Gelegenheit, mit ihm zusammenzuarbeiten.

"Er ein großartiger Spieler und ein großartiger Mensch. Es war einfach großartig, ihm bei der Arbeit zuzusehen", sagt Stidham über Brady. "Er macht das schon so lange und hat jede Menge Wissen. Also versuche ich nur, mich zurückzulehnen und zu beobachten, wie er arbeitet. Ich möchte so viel wie möglich aufsaugen."

Doch ist Stidham wirklich stark genug, um auf einen Superstar wie Tom Brady zu folgen? Und wenn ja: Warum wurde er dann erst in der 4. Runde ausgewählt? Um beide Fragen beantworten zu können, muss man die Vorgeschichte kennen. 

Stidham wurde während der High-School-Zeit als Vier-Sterne-Rekrut eingestuft und spielte 2015 seine erste College-Saison für die Baylor Bears. Er ging zwar als Backup in die Saison, erkämpfte sich aber über den Saisonverlauf den Posten des Starting-Quarterbacks und überzeugte mit starken Leistungen (Rating: 199,0).

Nach dem sexuellen Missbrauchsskandal, bei dem mehrere Footballspieler von den Bears angeklagt und teilweise auch verurteilt wurden, wandte sich Stidham von der Universität ab.

2017 der große Durchbruch

Zunächst schrieb er sich am McLennan Community College ein, wo er allerdings kein Football spielte. Ende 2016 erfolgte dann der Wechsel zur Auburn University. Dort nahm er seinen Sport wieder auf.  

Stidham wurde 2017 zum Starting-Quarterback ernannt und führte die Tigers nach Triumphen gegen hochrangige Gegner wie Georgia oder Alabama zur SEC West Division-Meisterschaft.

Die Leistungen von Stidham: einfach stark. Er brachte 66,5 Prozent seiner Pässe an den Mann und hatte ein Quarterback-Rating von 151. Der Passgeber wurde mit Auszeichnungen überhäuft, wurde zum Beispiel zum SEC Newcomer of the Year ernannt und in das First-team All-SEC berufen. Ein enormer Hype brach um den 1,88 Meter großen Quarterback aus.

Hätte der Draft zur damaligen Zeit stattgefunden, wäre er sicherlich weit früher als an Position 133 gedraftet worden.

Es folgte allerdings die Saison 2018, die weniger erfolgreich verlief – sowohl für Stidham wie auch für die Auburn Tigers insgesamt. Innerhalb der Southeastern Conference (SEC) gelangen nur drei Siege bei fünf Niederlagen. Das ergab Platz 5 innerhalb der Division.  

2018 kamen die Schwächen zum Vorschein

Stidham konnte die Leistungen aus der Vorsaison nicht bestätigen, verlor das Selbstvertrauen, brachte "nur" noch 60,7 Prozent seiner Pässe an das Ziel und hatte ein Rating von 137,7. Zum Vergleich: First-Overall-Pick Kyler Murray kam vergangene Saison auf ein Rating von 199,2.

Ein nicht namentlich genannter NFL-Scout berichtet auf nfl.com, dass der offensive Mannschaftsteil der Tigers 2018 insgesamt nicht funktionierte: "Die Offense war schlecht, die Receiver konnten sich nicht freilaufen und das Coaching war ein großes Problem, denke ich. Er (Stidham) hat nicht gut gespielt, bekam aber auch nicht viel Hilfe."

An seinem Potential besteht eigentlich kein Zweifel: Stidham ist ein mobiler Quarterback, der allerdings auch von der Pocket aus gut funktioniert, ein hohes Spielverständnis mitbringt und meist die richtigen Entscheidungen trifft.

Allerdings kamen 2018 auch seine Schwächen ans Tageslicht: Unter Druck neigt er zu Fehlern und agiert nervös, hat zudem bei tiefen Bällen ein Problem mit der Genauigkeit. Die Folge: Stidham rutschte im Ranking vieler NFL-Teams nach hinten.

Stidham: Patriots eine großartige Organisation

Es könnte also etwas Zeit vergehen, bis Stidham seine Schwächen ausgemerzt hat und ein legitimer Brady-Nachfolger ist. Zumal der Sprung vom College in die NFL ohnehin groß ist. "Man merkt den Unterschied sofort, wenn man im Rookie-Minicamp loslegt", sagt Stidham

Insgesamt ist er glücklich darüber, dass er ausgerechnet von den Patriots ausgewählt wurde: "Das ist eine großartige Organisation und es macht viel Spaß, ein Teil davon zu sein."

Auch wenn man immer wieder unfreiwillig mit der alles entscheidenden Frage konfrontiert wird.

Oliver Jensen

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