Jim Turner sorgte 2012 für einen Mobbing-Skandal bei den Miami Dolphins. - Bildquelle: Getty ImagesJim Turner sorgte 2012 für einen Mobbing-Skandal bei den Miami Dolphins. © Getty Images

München/Cincinnati – Die Cincinnati Bengals gelten seit Jahren als "Bad Boys" der NFL. Frühere Bengals-Akteure wie Chris Henry, Adam "Pac-Man" Jones oder die noch immer in braun-schwarz aktiven Joe Mixon und Vontaze Burfict haben mit ihren Fehltritten auf und außerhalb des Spielfeldes fleißig dazu beigetragen. Da passt es ins Gesamtbild, dass die Franchise aus dem US-Bundesstaat Ohio in der vergangenen Woche die Verpflichtung des Skandal-Trainers Jim Turner bekanntgab.

Der Offensive-Line-Coach produzierte aufgrund von Mobbing-Vorfällen unrühmliche Schlagzeilen. Im Februar 2014 wurde er von den Miami Dolphins entlassen, nachdem eine Untersuchung der Liga, der sogenannte Wells Report, ihn in Verbindung mit einem Mobbing-Skandal bei den Dolphins brachte.

Was war geschehen? In den Jahren 2012 und 2013 soll der Offensive Tackle Jonathan Martin von einigen Mitspielern, vor allem von Richie Incognito, massiv gemobbt worden sein. Und zwar so sehr, dass der Zweitrunden-Pick sich im November 2013 nicht mehr dazu in der Lage sah, weiter für die Dolphins zu spielen.

Und was tat Turner dagegen? Nichts. Im Gegenteil: Der heute 54-Jährige soll nicht nur darüber Bescheid gewusst haben, sondern sich auch noch aktiv daran beteiligt haben.

Üble Schwulen-Witze

Und das war keine Ausnahme: In dem Bericht, der auszugsweise von "ESPN" veröffentlicht wurde, wird noch ein anderer Fall beschrieben. So soll es bei den Dolphins einen Running Gag gegeben haben, dass ein Spieler aus der Offensive Line, der im Report anonym als Player A bezeichnet wird, homosexuell sei.

"Der Dolphins Offensiv-Line-Coach Jim Turner war sich des Running Gags bewusst, dass Spieler A schwul sei, und nahm bei mindestens einer Gelegenheit an der Verspottung teil", heißt es in dem Bericht.

Konkret gemeint ist ein Vorfall aus der Weihnachtszeit 2012: Damals soll Turner all seinen Spielern eine Geschenktüte mit verschiedenen Artikeln überreicht haben. Einer der Inhalte war eine weibliche aufblasbare Gummipuppe. Nur Player A bekam etwas anderes - nämlich eine männliche Sex-Puppe.

Martin erklärte in dem Bericht, er habe es als beleidigend empfunden, dass Turner die Demütigung von Player A mit dieser Aktion gebilligt habe.  

Im Jahre 2014 brachte eine unabhängige Ermittlung die Missstände im Roster der Dolphins ans Tageslicht. Im Rahmen der Untersuchung belog Turner die Ermittler über seine Beteiligung an der Affäre und verzögerte die Aufklärung.

Fünf Tage nach Veröffentlichung des Berichts wurde Turner von der Organisation entlassen. In der Folge verklagte Turner die Anwaltskanzlei wegen Diffamierung, also dem Verbreiten von Gerüchten – allerdings ohne Erfolg. Der Fall wurde 2018 abgewiesen und geschlossen.

Als College-Coach suspendiert

Nach seiner Amtszeit bei den Dolphins war Turner im Coaching Staff des College Teams Texas A&M tätig. Auch dort leistete er sich einen Skandal: 2016 wurde er für zwei Wochen vom damaligen Coach Kevin Sumlin suspendiert, nachdem er eine Präsentation anfertigte, die als anstößig und frauenfeindlich angesehen wurde.

Und das bei einem Vortrag, der Frauen den Sport Football eigentlich näher bringen sollte.

Wie also ist es zu erklären, dass Bengals-Cheftrainer Zay Taylor so einen Mann in sein Coaching-Staff holt? Dazu muss man wissen: Taylor und Turner haben ein enges Verhältnis. Die beiden haben sowohl bei den Dolphins wie auch bei Texas A&M zusammengearbeitet.

Es war ein persönlicher Wunsch von Taylor, die Position des Offensive-Line-Coaches mit Turner zu besetzten. Bereits im Jahre 2016 versuchte Taylor, damals Offensive Coordinator an der Universität von Cincinnati, seinen alten Weggefährten zu verpflichten.

Taylor verteidigt Turner-Verpflichtung

Auf die Vorwürfe gegen Turner angesprochen, rechtfertigte der Head Coach seine Entscheidung. "Ich kenne diesen Mann sehr gut und ich weiß, dass er eine großartige Person ist, ein großartiger Mensch. Er ist jemand, dem ich vertraue", sagte Taylor, der bei den Bengals erstmals in seiner Karriere als Head Coach tätig ist und zuletzt Quarterback-Coach bei den Los Angeles Rams war.

Bedenken, dass Turner der falsche Mann für die Bengals sein könnte, habe der Cheftrainer nicht: "Ich würde niemals etwas tun, das den Ruf der Brown-Familie (Die Team-Besiter, Anm. d. Red.) und der Bengals-Organisation beeinflussen würde, wenn ich nicht an die Person glaube und diese nicht in- und auswendig kennen würde."

Den Ruf der Bad Boys dürfte den Bengals nach dieser Verpflichtung gleichwohl noch einige Zeit erhalten bleiben.

Daniel Kugler

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