Joe Burrow verletzte sich gegen Washington schwer am Knie. - Bildquelle: imago images/ZUMA WireJoe Burrow verletzte sich gegen Washington schwer am Knie. © imago images/ZUMA Wire

München/Washington - Es sind Geschehnisse, die die Zukunft von NFL-Klubs verändern können. Nicht nur auf kurze Zeit, sondern über Jahre hinweg.

Die Cincinnati Bengals kennen das. Nun ist es schon wieder passiert. Die schwere Knieverletzung von Joe Burrow bei der 9:20-Niederlage beim Washington Football Team gehört zu diesen Geschehnissen.

Als Burrow von Washingtons Defensive Lineman Jonathan Allen getackelt wurde, bog sich sein Knie auf unnatürliche Weise durch. Burrow ging unter Schmerzen zu Boden und wurde vom Feld gefahren.

 

Burrow macht Fans Hoffnung

Der Verdacht auf Riss des vorderen Kreuzbandes bestätigte sich nach einer MRT.

Trotzdem twitterte der Quarterback, dass er für all den Zuspruch sehr dankbar sei und man ihn schon nicht so schnell loswerde.

Nicht nur Kreuzband betroffen

Allerdings ist auch klar, dass für Cincinnatis Hoffnungsträger die Saison vorzeitig beendet ist, ein monatelanges Rehaprogramm auf ihn wartet, sobald er operiert wurde und das Kreuzband das Knie wieder stabilisiert.

Vor August wird Burrow nicht wieder unter Wettkampfbedingungen auf dem Football-Feld stehen können, es könnte aber auch bis November 2021 dauern.

"Hoffentlich kann er das Training Camp schon mitmachen", sagt Dr. Timothy Kremchek, Leitender Arzt des MLB-Klubs Cincinnati Reds dem "Cincinnati Enquirer". "Dann müssen wir hoffen, dass er einen solchen Fortschritt macht, damit er annähernd dorthin kommt, um spielen zu können."

Das große Problem: Bei einer Knieverletzung in dieser Form ist nur selten das Kreuzband allein betroffen - so auch bei Burrow. Das Innenband hat es ebenfalls erwischt, zudem stellten die Ärzte strukturelle Schäden im Knie fest.

Vier Phasen auf dem Weg zurück

Für Burrow werden die nächsten Wochen und Monate harte Arbeit, sich wieder in die Form zu bringen, die ihn zum Nummer-1-Pick im April diesen Jahres machten.

Nun muss erst einmal die Schwellung zurückgehen, erst dann ist der operative Eingriff möglich. Danach gilt es an Beweglichkeit und Muskelaufbau um das Knie herum zu arbeiten, damit er es wieder funktional belasten kann, beschreibt Kremchek das Vorgehen.

In vier Phasen unterteilt der Mediziner den Weg zurück: Wiedererlangung der Beweglichkeit, funktionelle Belastung, Stärkung der Muskulatur, Sport- und Footballspezifisches Training.

Nach der OP dauert es rund sechs Wochen, bis er die Beweglichkeit wiedererlangt. Im Anschluss stehen in etwa vier Monate Muskelaufbau auf dem Programm, ehe in den weiteren vier Monaten Football-typische Bewegungsabläufe trainiert werden können.

Brady: Drei Titel nach Kreuzbandriss

Immerhin befürchtet der Mediziner keine großen Folgen - was das sportliche Können angeht. "Wenn er die richtige Behandlung erhält und nicht zu früh zu viel will, kann er zu 100 Prozent wieder zurückkommen", sagt Kremchek.

Bestes Beispiel: Tom Brady. Der Quarterback der Tampa Bay Buccaneers und Rekord-Super-Bowl-Champion mit sechs Triumphen gewann die Hälfte seiner Trophäen nach dem Riss des vorderen Kreuzbandes im September 2008.

Nachdem er die komplette Saison verpasst hatte, kehrte er zur Spielzeit 2009 zurück. 2010 wurde er sogar zum zweiten Mal zum MVP ausgezeichnet und gewann 2015, 2017 und 2019 die Vince Lombardi Trophy mit den New England Patriots.

Palmer erlebt ähnliches Schicksal in Cincinnati

Und auch in Cincinnati kennen sie Comebacks - wenn auch nicht ganz in Brady-Art. Carson Palmer riss 2005 in den Playoffs gegen die Steelers das Kreuzband, als Pittsburghs Kimo von Oelhoffen ihn auf Kniehöhe getackelt hatte.

In der Folgesaison stellte Palmer mit 4.035 Passing Yards einen neuen Bengals-Rekord auf und wurde in den Pro Bowl gewählt.

Neben der körperlichen bedarf es aber auch der mentalen Stärke. Die haben Brady und Palmer bewiesen. Auf die hoffen die Bengals auch bei Burrow.

Rainer Nachtwey

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