Joe Flacco (r.) hat wohl wenig Interesse an einer Mentorenrolle für Rookie D... - Bildquelle: GettyJoe Flacco (r.) hat wohl wenig Interesse an einer Mentorenrolle für Rookie Drew Lock (l.). © Getty

München/Denver - Die Denver Broncos gehen mit einer komplett neuen Quarterback-Situation in die kommende Saison. In der Offseason wurde via Trade mit den Baltimore Ravens Joe Flacco verpflichtet. Im Draft kam in Runde zwei dann mit Drew Lock ein extrem talentierter junger Signal Caller hinzu. Die Rollenverteilung scheint auf den ersten Blick klar geregelt.

Es ist ein klassisches Vorgehen bei Franchises in der NFL. Mit Flacco ist ein echter Veteran, der bereits einen Super Bowl Ring sein Eigen nennen kann, der neue Leitwolf under Center. Der 34-Jährige bringt reichlich Erfahrung mit. In den vergangenen elf Saisons ging er je als Starter für die Baltimore Ravens auf das Feld, wurde erst in der vergangenen Spielzeit nach Woche neun durch Lamar Jackson ersetzt. Flacco scheint also der ideale Mann, um in Denver einen jungen aber zukunftsträchtigen Quarterback anzulernen.

Flacco sieht sich nicht als Mentor

Für Drew Lock ist die Situation eigentlich auch ein totaler Glücksfall. Er wird nicht "ins kalte Wasser geschmissen" und kann ein Jahr hinter Flacco NFL-Luft schnuppern, von ihm lernen und von seiner Erfahrung profitieren. Das einzige, was zum Problem in diesem augenscheinlich sinnvollen Szenario werden könnte: Flacco selber hat wohl ziemlich wenig Bock darauf, die Mentorenrolle für Lock einzunehmen.

Am ersten Tag der Organized Team Activities (OTA´s) sagte Flacco, dass er natürlich hoffe, dass Lock von ihm lerne, machte aber auch klar, warum er nach Denver gekommen ist: "Ich versuche, dort raus zu gehen und den besten Football meines Lebens zu spielen." Angesprochen auf seine Lehrerrolle für Lock antwortete Flacco: "Ich hoffe, dass er sich entwickelt. Aber ich sehe das nicht als meinen Job an. Mein Job ist es, Spiele für dieses Football-Team zu gewinnen."

Rich Scangarello als Lock-Lehrer

Mit diesen Aussagen macht Flacco trotz seines fortgeschrittenen Alters außerdem deutlich, dass er sich nicht lediglich als eine Art Brücken-Quarterback sieht. Als passenden Mentor hat er auch eine Alternative parat: Offensive Coordinator Rich Scangarello. "Drew wird von ihm lernen, wenn er ihm zuhört und seine Zeit im Training auf dem Feld nutzt. Ich hoffe, dass er auch von mir lernt, weil das bedeutet, dass wir dort draußen sind und viel Spaß gemeinsam haben. Und er wird lernen, indem er uns zuschaut und sieht, wie wir unseren Job gut machen."

Flacco hatte bereits nach seinem Trade zu den Broncos angekündigt, sich keine Sorgen über weitere Quarterbacks zu machen und sein Spiel durchziehen zu wollen, um die Franchise voran zu bringen. In der kommenden Saison mag es vielleicht noch sein, dass die Broncos sich damit abfinden, dass Flacco nicht den Mentor spielen möchte. Allerdings ist der Draft von Drew Lock eher als eine Investition in einen zukünftigen Starting Quarterback anzusehen. Flacco muss seinen Worten also Taten folgen lassen, damit die Mentorenrolle nicht früher oder später sein Hauptjob wird - und zwar als Backup von Lock. 

Der Draftfluch des John Elway

Die Verpflichtung von Routinier Joe Flacco im Sommer macht zwei Dinge deutlich: Einerseits wurde Case Keenum nicht zugetraut, die junge Broncos Offense ein weiteres Jahr zu führen. Andererseits wollen die handelnden Herren in Mile High nicht erneut den Fehler begehen, vorschnell die Zügel des Playmakers in die Hände eines unerfahrenen Spielers zu legen und die Entwicklung von Lock überstürzen.

Dieser pflegliche Umgang mit dem Rookie ist durchaus berechtigt. In den vergangenen Jahren mutete der Platz des Broncos-Quarterbacks regelrecht wie ein Schleudersitz an. Seit dem Karriereende der lebenden Legende Peyton Manning 2015 griff die Franchise reihenweise ins Leere bei der Suche nach einem Nachfolger.

Ob Brock Osweiler (2. Runde, 2012), Trevor Siemian (7. Runde, 2015) oder Paxton Lynch (1. Runde 2016). Die Liste der gescheiterten Projekte von General Manager John Elway ist lang und wirft auch einen leichten Schatten auf das neue Projekt Lock.

Elway lernt aus Fehlern und fährt zweigleisig

Elway genießt in Denver absoluten Legendenstatus. Auch deshalb wurde bisher innerhalb der Franchise keine Kritik an seiner Person laut. Der Druck, nach Jahren der Erfolglosigkeit endlich den Quarterback der Zukunft zu finden, wird damit allerdings nicht weniger.

Um eine erneute Bruchlandung zu vermeiden, zog Elway die nötigen Lehren aus den Versäumnissen der Vorjahre und richtete den Draft entsprechend auf die Unterstützung seines QBs aus. Um Flacco den Einstieg zu erleichtern, bekam die junge Offense um die beiden im vergangenen Jahr gedrafteten Wide Receiver Courtland Sutton und DeSean Hamilton mit Tight End Noah Fant eine neue Waffe. 

Und auch der Second Rounder wurde verwendet, um Flacco zu schützen und die wackelige Offensive Line der Broncos zu verbessern. Tackle Dalton Risner kommt mit reichlich Vorschusslorbeeren vom College und wird die Line durch seine Athletik und Vielseitigkeit aufwerten.

Das Ziel ist klar: Lock soll mittelfristig übernehmen, aber auch der kurzfristige Erfolg der Franchise darf nicht zu kurz kommen. Ein erneutes Verpassen der Playoffs kann sich die Franchise eigentlich nicht erlauben.

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