Jimmy Garoppolo und Joe Staley: Jubeln sie auch am Sonntag? - Bildquelle: imago images/Icon SMIJimmy Garoppolo und Joe Staley: Jubeln sie auch am Sonntag? © imago images/Icon SMI

München - In jeder Mannschaft gibt es in der Regel einen Spieler, den jeder Fan mag. Auf den sich alle einigen können, auch die Teamkollegen. Dem man alles erdenklich Gute gönnt.

Oft sind diese Spieler gar nicht mal die Superstars, die extrovertierten Egomanen, die auffallen und polarisieren, sondern vor allem echte Routiniers. 

Treue Seelen.

Für immer ein Team

Jungs, die ihre ganze Karriere bei einem Team geblieben sind. Und die ihre Karriere wohl auch dort beenden, wo sie einst begann.

Denn sie sind eine echte Seltenheit geworden. Raritäten. Und oft genauso wertvoll.

Wie Joe Staley.

 

"Ich möchte nur für diese Jungs gewinnen", sagte Quarterback Jimmy Garoppolo vor dem Super Bowl am Sonntag (ab 22:45 Uhr live auf ProSieben und ran.de) gegen die Kansas City Chiefs. "Jungs wie Joe Staley. Er hat alles durchgemacht, was man in einer Karriere mit einem Team durchmachen kann. Für Jungs wie ihn spielst du." 

Und durchmachen trifft es ganz gut, denn der Left Tackle hat sportlich tatsächlich alles mitgenommen, was geht, seit er 2007 in der ersten Runde an 28. Stelle von den 49ers gedraftet wurde. Tolle Jahre, bescheidene Jahre, richtige sch… Jahre. Höhenflüge, Abstürze. 

Staley wollte nach dem sechsten Spiel seiner Karriere schon aufhören, als er von Hall of Fame Defensive End Michael Strahan eine Lehrstunde erteilt bekam. Der Druck als Erstrundenpick, die fehlende Erfahrung, die leichte Naivität, das ganze Ding implodierte kurz, ehe er es als Weckruf verstand. 

Karaoke und Joe Show

Er biss sich durch, nervte mit schrecklichen Karaoke-Einlagen, unterhielt mit seiner "Joe Show", bei der er Teamkollegen interviewt, wurde Pro Bowler, war im All-Pro-Team, in den Playoffs, in NFC-Championship-Games. Und ja, auch im Super Bowl. Wie sich eine Niederlage im größten Spiel des Jahres anfühlt, weiß er seit sieben Jahren, 2013 verloren die Niners 31:34 gegen die Baltimore Ravens.

"Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich immer daran geglaubt habe. Es gab einige dunkle Jahre hier", sagte er. Von seinen 13 Saisons erlebte er immerhin neun ohne Playoffs.  

Nach der Niederlage im Super Bowl gegen die Ravens verpasste San Francisco fünf Mal in Folge eine positive Bilanz. 

Doch mit der Ankunft von Trainer Kyle Shanahan und Manager John Lynch 2017 änderte sich vieles. "Als ich ihre Vision für das Team kennenlernte, war ich ziemlich zuversichtlich, dass wir dort ankommen würden, wo wir jetzt sind", sagte Staley. Im dritten Jahr sind sie tatsächlich angekommen, nach einem Umbruch und einer beeindruckenden Saison.

Und dass der 35-Jährige immer noch dabei ist, ist auch keine Selbstverständlichkeit. Immer mal wieder wurde er von Verletzungen zurückgeworfen, hinzu kam irgendwann das Alter, alleine 2019 hat er neun Spiele verletzungsbedingt verpasst.

Doch wenn man dachte, dass das Karriereende anklopft, legte er nochmal nach, steigerte sich, machte sich unverzichtbar. Staley gehört seit Jahren zu den besten Tackles der Liga.

Vertragsverlängerung im Sommer 2019

Der Lohn: Im Sommer 2019 wurde sein Vertrag um zwei Jahre verlängert und neu strukturiert, womit er auch vom Gehalt her auf einem Top-Level bleibt. 

Er bekam nochmal monetären Nachschlag - rund 36 Millionen für drei Jahre, 17 davon garantiert - dafür die 49ers im Gegenzug die Sicherheit, dass er in San Francisco bleibt. 

Denn zum einen ist er Identifikationsfigur, zum anderen Leistungsträger, wie er in den Playoffs bewies, als er gegen die Minnesota Vikings und die Green Bay Packers den Druck von Garoppolo fern hielt. 

Laut "ProFootballFocus" hat er sowieso nur in 2,8 Prozent seiner Snaps Drucksituationen für seinen Quarterback zugelassen.

Doch es gab auch den Moment, der ihn zum Nachdenken brachte. Es war die erste Niederlage der 49ers in dieser Saison gegen die Seattle Seahawks nach zuvor acht Siegen. 

Staley feierte sein Comeback nach einem Wadenbeinbruch. Zu früh, er hatte von der Reha Rückenschmerzen. Ein Desaster. Es setzte die erste Niederlage, Staley sah schlecht aus und brach sich zudem einen Finger, was die nächste Pause zur Folge hatte.

Schlimmer waren die Kommentare. Die Abgesänge, die er in den sozialen Medien lesen musste.

Harte Kritik

"Die Mannschaft hat wirklich gut gespielt und wir hatten viele Fans, die vorher nicht da waren und plötzlich Fans sein wollten. Ich denke, die Leute haben vergessen, was ich für dieses Team getan habe und was für ein Spieler ich bin", sagte er.

Die Kritik ärgerte ihn maßlos, er wandelte es in Motivation um. "Ich fühlte mich respektlos behandelt. Ich wurde als Grund abgestempelt, dass wir verloren haben, weil ich erledigt sei. Das bin ich nicht."

Jetzt bekommt er in seinem 13. Jahr tatsächlich seine zweite Chance. Er lässt keine Zweifel aufkommen, wie viel ihm ein Sieg bedeuten würde. "Mein großes Ziel war es schon immer, den Super Bowl zu gewinnen", sagte Staley. "Ich möchte ihn so sehr gewinnen." 

Keine Frage: In San Francisco gönnt man es ihm ganz besonders.

Andreas Reiners

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