Jonah Williams: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesJonah Williams: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. © 2019 Getty Images

München - Keine Frage: Wer Profi werden will, sollte sich auch professionell verhalten und vorbereiten. Akribisch und gewissenhaft. Intensiv. Um das Risiko, das große Ziel nicht zu erreichen, zu minimieren, um ein Scheitern zu verhindern.

Oder man macht es wie Jonah Williams. Der verrückte Freak unter den Talenten. Besessen von Football. Und das alles im positiven Sinne.

Man muss sich das mal in Ruhe vor Augen führen. Da sitzt ein 21-Jähriger nicht nur bei der üblichen Routine einer Team-Vorbereitung mit den diversen Besprechungen und Meetings, sondern auch noch vor seinem Laptop. 

"Tonnen von Spielszenen" - nicht nur vom Gegner

Denn vor jedem College-Spiel hat sich der Offensive Lineman jeden Offensiv-Snap seines Gegners angeschaut und analysiert. "Tonnen von Spielszenen", wie er erklärt. In Excel notiert er dann die Total Rushes, Moves und Pass-Rush-Wins. Macht sich Notizen. Und lässt Excel rechnen, welche Moves die besten seiner Gegner sind, auf welche er sich besonders vorbereiten sollte. 

Er geht davon aus, dass er rund 90 Prozent der Aktionen der Gegner auf dem Feld einfängt, visualisiert in einem Netzdiagramm. 

Er hebt die Vorbereitung auf ein neues Level. Als College-Spieler wohlgemerkt. Bedeutet konkret: Hat ein gegnerischer Edge Rusher eine besondere Stärke, einen speziellen Bewegungsablauf, einen Lieblings-Move - Williams weiß nicht nur, was kommen wird. Er weiß auch, wie er am besten darauf reagieren muss.

 

Was er sich noch mehr anschaut als seine Gegner: sich selbst. Er ist ein Perfektionist, manchmal über die Schmerzgrenze hinaus. Auch da macht er sich Notizen und schleppt seinen Laptop mit zum Training, um die Verbesserungen bestmöglich umzusetzen. 

Ein Freak eben.

Thomas lobt den 21-Jährigen

Für Browns-Legende Joe Thomas ist das "genial. Das zeigt sein Level an Vorbereitung. Und es sagt eine Menge über den Erfolg aus, den er auf dem nächsten Level haben wird. Denn das ist die Art von Vorbereitung, die du brauchst, um deinem Gegner gegenüber einen Vorteil zu haben."

In der Zeit zwischen dem Ende der College-Saison, hin zum Combine und dem Draft (in der Nacht auf den 26. April ab 1:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) überlässt Williams nichts dem Zufall. Mit dem zukünftigen Hall of Famer Joe Staley arbeitet er an Stärken und Schwächen, an seiner Fußarbeit, der Gewichtsverteilung und dem Einsatz der Hände. 

Mit Staley kann er auch über das leidige Thema der vermeintlich zu kurzen Arme sprechen. Er wurde beim Combine mit einer Armlänge von 33 5/8 Inches vermessen, also knapp über 85 Zentimeter. Scouts bevorzugen allerdings mindestens rund 87,6 Zentimeter. 

Ja, was sich nach einer Kleinigkeit von 2,6 Zentimetern anhört, kann bei einem Draft große Auswirkungen haben. Die Arme von 49ers-Legende Staley waren bei seinem Pro Day übrigens keine 84 Zentimeter lang. 

"Das Thema ermüdet mich", sagt Williams dann auch. "In einem Monat werden die Leute nicht mehr davon sprechen. Es wird darum gehen, was ich einem Team geben kann."

 

Das dürfte eine Menge sein, glaubt man den College-Zahlen: Bei seinen 44 Spielen in Alabama als Starter ließ er in drei Jahren fünf Sacks zu, vier davon als Freshman.

Hinzu kommen laut Pro Football Focus zwölf Pressures bei 466 Snaps. Er wurde zwei Mal SEC Champion und 2018 in das All-America-Team gewählt. Einer der besten Blocker auf dem College, der zahlreiche Top-Pass-Rusher gestoppt hat, ein wichtiges Puzzlestück im dominanten Laufspiel der Crimson Tide.

Dazu ist er vielseitig, kann als Guard oder Tackle eingesetzt werden, sowohl rechts als auch links. Auf der Position hat er die letzten beiden College-Jahre gespielt.

Er gilt als einer der besten, wenn nicht der beste Quarterback-Beschützer im Draft. Getroffen hat er sich im Vorfeld mit zahlreichen Teams, die mit Top-Picks ausgestattet sind, darunter die New York Giants und Jets, die Arizona Cardinals, die Buffalo Bills oder die Jacksonville Jaguars. 

Keine Schublade bitte

In den diversen Mock Drafts erlebt er eine breite Streuung, von einem echten Top-Pick in den Top fünf bis hin zu einem Top-20-Pick. Vor allem vor einem hat Williams Respekt: dass er in eine Schublade gesteckt wird. So etwas passiert schnell. Die Horrorvorstellung: Williams, der Theoretiker, der Kopfmensch.

"Ich will ein ganz normaler Offensive Lineman sein. Ich will körperlich spielen, es zu Ende bringen. Ich bin kein softer, intellektueller Kerl, der die ganze Zeit nachdenkt", betont er.

Er weiß: Der Draft hat trotz aller Prognosen durchaus eigene Gesetze, hin und wieder eine seltsame Dynamik.

Da hilft dann auch manchmal die beste Vorbereitung nichts. 

Andreas Reiners

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