Linebacker Josh Allen gilt im Draft 2019 als ein sicherer Top-5-Pick - Bildquelle: imago/ZUMA PressLinebacker Josh Allen gilt im Draft 2019 als ein sicherer Top-5-Pick © imago/ZUMA Press

Lexington/München - Er ist kein Mann der leisen Töne. Der Linebacker Josh Allen macht vor dem Draft 2019 (am 26. April ab 1:50 Uhr live auf ran.de und ProSieben MAXX) ordentlich Werbung in eigener Sache. "Ihr könnt euch den Film ansehen, die Spiele anschauen. Wenn es um Statistiken geht – ich bin landesweit die Nummer zwei in Sacks", sagt der 21-Jährige. "Ich spiele körperlich, ich habe die komplette Saison gespielt, jedes Spiel. Ich bin gesund. Ich bin der beste Edge Rusher, der beste Pass Rusher, insgesamt der beste Spieler im Draft."

Eigentlich hat er es überhaupt nicht nötig, so viel Werbung in eigener Sache zu betreiben. Die Leistungen des 1,96 Meter großen und etwa 118 Kilogramm schweren Defense-Spielers sprechen für sich: Alleine in der vergangenen Spielzeit kam er im Dienste der Kentucky Wildcats auf 17 Sacks, 88 Total Tackles, 21,5 Tackles for Loss und 5 Forced Fumbles.

Josh Allen (der nur zufällig den gleichen Namen hat wie der Quarterback der Buffalo Bills) wurde mit Auszeichnungen überhäuft, unter anderem im Jahre 2018 mit dem SEC Defensive Player of the Year Award und der Bronko Nagurski Trophy. In vielen Mock Drafts wird er als Third-Overall-Pick geführt, oftmals hinter Quarterback Kyler Murray und Defensive End Nick Bosa.

Ein besserer Athlet als Khalil Mack

Experten vergleichen ihn bereits mit den ganz großen Superstars der NFL. Ein Defensive Coach, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte gegenüber ESPN: "Athletisch ist er noch besser als Khalil Mack. Ich denke zwar, dass Mack in dieser Phase seiner Karriere noch stärker war, kann aber einige Ähnlichkeiten zwischen den beiden erkennen. Das Potential von Allen ist enorm." 

Sämtliche NFL-Teams haben sich bereits mit ihm zusammengesetzt, zum Beispiel die San Francisco 49ers, die Oakland Raiders, die Tampa Bay Buccaneers, die New York Giants und die Detroit Lions.

Stellt sich also die Frage, warum ein Spieler, dem gefühlt ohnehin schon ein Großteil der NFL zu Füßen liegt, verbal überhaupt so viel trommeln muss. Eine mögliche Antwort: Weil Allen einen Großteil seiner Karriere unterschätzt wurde und noch immer das Gefühl in ihm steckt, er würde immer unter dem Radar fliegen.

Einfach hatte dieser Mann es wirklich nie. In der Kindheit stotterte er, später wurde ihm zudem noch eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung diagnostiziert. Mitschüler und Mannschaftskameraden mobbten ihn. Ein guter Start ins Leben sieht anders aus.

Anfänge als Wide Receiver

Auch im Football hatte Allen zunächst einen schweren Stand. Er begann seine Karriere an der High School als Wide Receiver und stand in seiner ersten Saison bei keinem einzigen Snap auf dem Spielfeld. Die zweite Saison lief besser: 1150 Yards und 11 Touchdowns.

Ein Schulwechsel ging mit einem Positionswechsel einher. Er wurde zum Defensive End umgeschult, erwartete ab sofort also keine Pässe mehr von Quarterbacks, sondern jagte sie stattdessen. Trotz guter Statistiken fand er allerdings kaum Anerkennung. 

Das beste Beispiel: Die Recruiting-Website 247Sports bewertete Allen damals bei fünf möglichen Sternen lediglich mit einer Zwei-Sterne-Perspektive. Die Redaktion platzierte mehr als 2.000 Spieler in der Rekrutierungsklasse von 2015 vor ihm. Sein damaliger High-School-Trainer John Fiore sagt: "Einige Leute konnten das Potenzial in ihm einfach nicht erkennen."

Hätte der Trainer sich nicht persönlich an die Verantwortlichen der Kentucky Wildcats gewandt und hartnäckig Werbung für Allen betrieben, wäre er vermutlich nie dort untergekommen. Vielleicht würde er nun auch nicht im Draft zur Auswahl stehen – schon gar nicht als potentieller früher First-Round-Pick.

Onkel im NBA-Draft ausgewählt

Dabei liegen die sportlichen Gene in der Familie: Sein Onkel Gregory Hines wurde 1983 in der fünften Runde des NBA-Draft ausgewählt, spielte zwar nie in der stärksten Basketballliga der Welt, war aber dennoch zehn Jahre als Basketballprofi aktiv. Auch seine drei Schwestern sind ambitionierte Basketballspielerinnen.

Doch Josh Allen musste eben härter als andere darum kämpfen, die Entscheidungsträger am College von sich zu überzeugen. Vielleicht hat er also noch immer das Gefühl, er müsse auch heute noch ordentlich trommeln, um die General Manager der NFL zu überzeugen. "Es ist eine zusätzliche Motivation, übersehen zu werden. Ich wurde immer übersehen", sagt er.

Auch Brad White, sein Defensive Coordinator aus Kentucky, sagt, dass Allen daraus eine besondere Motivation zieht und bringt einen Vergleich zum G.O.A.T. an: "Auf die gleiche Weise wie es Tom Brady motiviert hat, erst an Position 199 gedraftet geworden zu sein, treibt es ihn nun auch an."

Allen: Ich tue das für alle, die übersehen werden

Sollte er wirklich an Position 3 gedraftet werden wie in vielen Mock Drafts, würde er Stand heute bei den New York Jets landen. Das würde bedeuten: Er spielt nur 14 Meilen von seiner Heimatstadt entfernt und erhält einen voll garantierten Vertrag über mehr als 30 Millionen Dollar.

Doch Allen geht es laut eigener Aussage nicht nur um das Geld. Er kämpft auch für all die anderen Athleten, die ebenfalls unterschätzt werden. "Ich tue das für andere Leute, die eigentlich hoch rekrutiert werden sollten, aber übersehen werden. Wenn ich es trotzdem geschafft habe, kann es jeder schaffen."

Das ist seine Botschaft. Das ist es, was jeder wissen soll. So gesehen ergibt es einmal mehr Sinn, dass Allen kein Mann der leisen Töne ist.

Oliver Jensen

Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein

US-Sport-Videos

US-Sport-News

US-Sport-Galerien

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020