Josh Allen gewann mit den Buffalo Bills die ersten beiden Saisonspiele - Bildquelle: getty images / imagoJosh Allen gewann mit den Buffalo Bills die ersten beiden Saisonspiele © getty images / imago

München / Buffalo - Spricht man über die besten Quarterbacks der NFL, werden meist die gleichen Namen genannt.

 

Das wären der Super-Bowl-MVP Patrick Mahomes, der letztjährige MVP Lamar Jackson, die Routiniers Drew Brees, Tom Brady und Aaron Rodgers, der mobile Russell Wilson, vielleicht auch noch Dak Prescott oder Deshaun Watson.

Josh Allen hingegen findet in dieser Aufzählung meist nicht statt.

Dabei befindet sich der Spielmacher der Buffalo Bills auf dem besten Wege zum Elite-Quarterback. Der NFL-Experte und Journalist Chris Mortensen sagt bei "ESPN": "Ich denke, Josh Allen ist momentan der am meistunterschätzte Quarterback der NFL." 

Auf den Spuren von Brady, Manning und Mahomes

Seine Leistungen in den ersten beiden Spielen unterstreichen diese These: 729 Passing-Yards sind der Bestwert der Liga.

Der 24-Jährige ist nach Peyton Manning, Tom Brady und Patrick Mahomes erst der vierte Quarterback der NFL-Geschichte, der in den ersten beiden Saisonspielen bei mindestens 700 Passing-Yards sechs Touchdown-Pässe warf und sich keine einzige Interception leistete.

Und das ist noch nicht alles: Allen ist auch noch sehr mobil, lief in den ersten beiden Spielen für 75 Yards und einen Touchdown. In den vorherigen beiden Spielzeiten hatte er insgesamt 1141 Rushing-Yards vorzuweisen, lief zudem 17 Mal in die gegnerische Endzone.

Dies sind Zahlen, von denen selbst die meisten Running Backs nur träumen können.

Am vergangenen Sonntag bewies der Spielmacher zudem Nervenstärke. Die Miami Dolphins führten im letzten Viertel mit vier Punkten, sodass Allen gezwungen war, seine Mannschaft in die gegnerische Endzone zu führen.

Allen tat dies nicht nur einmal, sondern in gleich zwei Drives in Folge - einmal davon durch einen 46-Yard-Touchdown-Pass auf John Brown.

Durch seine Adern fließt Eiswasser

"Durch seine Adern fließt Eiswasser", sagt Head Coach Sean McDermott. "Es gibt keine Spielsituation, die für ihn zu groß ist. Das zeichnet ihn aus, seitdem seine Profikarriere hier begann."

Damit spricht der Trainer auf das Jahr 2018 an, als die Buffalo Bills Josh Allen beim NFL Draft 2018 an Position 7 auswählten. Eine Entscheidung, die damals sehr kritisch betrachtet wurde.

Zu viele Fehlwürfe im College-Football

Allen galt zwar als sehr talentiert und mit einem Kanonenarm ausgestattet. Allerdings haftete ihm das Image der Ungenauigkeit an. Im College-Football brachte er im Jahre 2017 nur 56,3 Prozent seiner Pässe an den Mann.

Dass das Spielsystem der Wyoming Cowboys darauf ausgerichtet war, viele tiefe und somit riskante Pässe zu werfen, ließ die Kritik nicht abebben.  

Zumal ihm auch in der NFL zunächst viele Fehler unterliefen. In der Saison 2018 brachte er nur 52,81 Prozent seiner Pässe ans Ziel, warf zudem mehr Interceptions (12) als Touchdown-Pässe (10).

Seitdem allerdings fand eine Entwicklung statt. Und die ist so positiv, dass er in den ersten beiden Spielen der laufenden Saison 70,37 Prozent seiner Pässe anbrachte. Damit zählt er zu den acht verlässlichsten Passgebern unter den Starting-Quarterbacks.

"Ich denke, dass ich schon immer mit viel Selbstvertrauen gespielt habe", sagt Allen. "Aber nun kenne ich unser Spielbuch noch besser, kenne die Offensive Line besser, weiß unsere Offense zu bedienen – das fühlt sich momentan sehr gut an."

Ein Kandidat für den MVP?

Sollte er diese Form über die komplette Saison beibehalten, könnte er vielleicht sogar ein MVP-Kandidat werden. Darauf angesprochen, gibt sich Allen allerdings bescheiden.

"Wir haben gerade einmal zwei Wochen gespielt und ich möchte hier kein Thema lostreten", stellt er klar. "Wir versuchen hier in Buffalo einfach nur, unseren Job zu machen. Wir haben viele Leute, die echte Profis sind und hart arbeiten. Coach McDermott führt uns in die richtige Richtung und wir versuchen einfach, ihm zu folgen."

Statt sich über mögliche Auszeichnungen Gedanken zu machen, richtet er den Blick lieber nach vorne: "Die ersten zwei Wochen waren gut. Wir haben auf einem hohen Niveau gearbeitet. Aber bereits am Sonntag erwartet uns ein starkes Rams-Team mit den Top-Spielern in der Defense. Darauf müssen wir vorbereitet sein, darauf sollten wir uns konzentrieren." 

Vermutlich ist es wirklich zu früh, um MVP-Diskussionen über ihn zu führen. Aber es dürfte nicht zu früh sein, um Josh Allen bei der Aufzählung der besten Quarterbacks zu erwähnen.

Oliver Jensen

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