Wie geht es für Josh Rosen weiter? - Bildquelle: imago/Icon SMIWie geht es für Josh Rosen weiter? © imago/Icon SMI

München – Es gibt Aussagen, die rennen einem ewig nach. Sie werden mit einer beeindruckenden Ausdauer bei jeder Gelegenheit hervorgekramt und mit einer nervigen Penetranz unter die Nase gerieben. Süffisanz und Schadenfreude inklusive. Lachen können darüber in der Regel nur die anderen.

Josh Rosen hat auch so ein Zitat, das ihn treu begleitet. 

Vor allem, wenn es nicht so läuft bei ihm. 2018 lief es sehr oft nicht so, wie er gehofft, nein, wie er es erwartet hatte. Und immer wieder kommt er auf den Tisch, sein Arroganz-Anfall aus dem Draft 2018. 

Neun Fehler vor ihm

Nachdem die Arizona Cardinals ihn an Nummer zehn ausgewählt hatten, unterstellte er, dass vor ihm "neun Fehler" gemacht wurden. Auch seine Korrektur auf "drei Fehler", mit denen er seine vor ihm ausgewählten Quarterback-Kollegen Baker Mayfield, Sam Darnold und Josh Allen diskreditierte, half nicht mehr, machte es eigentlich sogar nur noch schlimmer. 

Den Stempel als selbstbewusst-eingebildeter Schnösel hatte er endgültig zementiert. Schon zuvor war er als Jungstar aufgefallen, der zu allen Themen eine dezidierte Meinung hatte. Er gilt als einer, der immer alles hinterfragt.

Es gab vor dem Draft sogar die Debatte, ob er zu schlau für Football sei. Aussagen wie damals waren allerdings kein Beweis für diese Annahme. Aussagen seines College-Coaches, er müsse intellektuell gefordert werden, damit er sich nicht langweile, muteten für einen Quarterback dafür schon damals seltsam an.

"Ich bin mir sicher, dass die Teams, die mich nicht ausgewählt haben, im Laufe des nächsten Jahrzehnts erkennen werden, dass sie einen Fehler gemacht haben", meinte Rosen.

Blöd, wenn es komplett anders läuft und man den vollmundigen Worten kaum Taten folgen lässt. Alle vier haben im Laufe der vergangenen Saison bei ihren Teams die Starter-Position erobert, vor dem Abschied nach der Rookie-Saison steht aber nur Rosen. 

Schwache Statistiken

Und das durchaus überraschend. Ja, er brachte schwache 55,2 Prozent seiner Würfe zum Mann, auch seine 2278 Yards, elf Touchdowns und 14 Interceptions bei einem QB-Rating von 66,7 sind alles andere als berauschend. In vielen Statistiken wird er weit unten geführt.

Aber bei der schlechtesten Franchise der Liga gelten für einen Quarterback auch andere Kriterien und Maßstäbe als nur nackte Zahlen. 

Denn es gibt genug sportliche Gründe, warum es für ihn nicht lief, angefangen bei einer indiskutablen Offensive Line über schwächelnde Receiver und zwei entlassenen Offensive Coordinator. "Es war eine schwierige Lernerfahrung", sagte er: "Aber es war eine Lernerfahrung."

 

Doch es gibt genug Gründe, warum er weiterhin ein großes Talent ist und in Zukunft zu den besten seines Fachs zählen kann. Klar, er hat – wie die "drei Fehler" vor ihm auch – Lehrgeld gezahlt und durchlebte die typischen Höhen und Tiefen eines Rookies. Von den Anlagen her gilt er aber immer noch als bester Quarterback der letztjährigen Klasse. Er war auf dem College nicht umsonst "der Auserwählte".

Kommt Kyler Murray?

Doch bei den Cardinals hat sich einiges verändert. Kliff Kingsbury, ein erklärter Fan von Top-Prospect Kyler Murray, hat als Head Coach nun das Sagen. Und seitdem verstummen die Gerüchte nicht mehr, dass die Cards ihre große Quarterback-Hoffnung beim Draft (ab dem 25. April live auf ProSieben MAXX und ran.de) gegen eine vermeintliche größere austauschen wollen. 

Was als Rosen-Problem immer wieder angeführt wird, ist seine Persönlichkeit. Er gilt als schwieriger Charakter, der zwar auf dem Feld alle Voraussetzungen mitbringt, im Locker Room aber angeblich nicht akzeptiert wird. Denn ein großer Quarterback muss mehr Talente mitbringen als die, die er auf dem Feld einsetzen kann. Er muss vor allem ein Anführer sein. 

Ein Vorwurf: Rosen benehme ich so, als habe er nichts mehr zu beweisen. Er bekommt das Team nicht hinter sich. Kann seine Mitspieler nicht mitreißen, sie nicht davon überzeugen, für ihn durch das Feuer zu gehen und in den Krieg zu ziehen. Unter dem Strich kann man es so zusammenfassen: Er kann alles, was ein Quarterback können muss. Außer, wie ein Quarterback zu agieren. Er wäre nicht der Erste, der an sich selbst scheitert.

"Großartiger Teamkollege"

Gegenargumente liefern wiederum Mitspieler, wie zum Beispiel Larry Fitzgerald, der Rosen als "großartigen Teamkollegen" preist. "Er ist sehr selbstbewusst, aber nicht auf negative Art. Er ist sehr gut darin, negative Dinge hinter sich zu lassen."

Sein Ego wird es deshalb wohl auch verschmerzen, wenn das Kapitel Cardinals nach nur einer Saison wieder geschlossen wird. Denn Interessenten stehen angeblich schon Schlange, darunter die New York Giants oder die New England Patriots. Das aktuelle Problem: Angeblich können die Cardinals nur einen Drittrundenpick für Rosen erwarten. Heißt aber wohl vor allem: Die Verhandlungen sind eröffnet.

 

Für Rosen wäre es eine große Chance. Was kann es für einen Rohdiamanten Besseres geben, als von den Größten zu lernen? Von Eli Manning (vielleicht ein paar Jahre zu spät) oder Tom Brady? 

Fakt ist: Nimmt Rosen die Chance tatsächlich als solche wahr und lässt Taten sprechen, kann er beweisen, dass die anderen beim Draft einen Fehler gemacht haben. Und irgendwann über seine Arroganz-Ausage ebenfalls lachen.

Andreas Reiners

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