K'Lavon Chaisson bezeichnet sich selbst als den wertvollsten Spieler beim NF... - Bildquelle: imago images/ZUMA PressK'Lavon Chaisson bezeichnet sich selbst als den wertvollsten Spieler beim NFL Draft 2020 © imago images/ZUMA Press

München - Diese eine Frage wird Jahr für Jahr heiß diskutiert: Wer ist der wertvollste Spieler beim NFL Draft?

Ist es vielleicht Quarterback Joe Burrow, der als potentieller Nummer-1-Pick gehandelt wird? Oder ist es Defensive End Chase Young, der von vielen Experten positionsübergreifend als bester Spieler des Draft 2020 (in der Nacht vom 23. auf den 24.April ab 1:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) bezeichnet wird?

Auch Spielmacher Tua Tagovailoa war ein Kandidat auf diesen Titel - bis er eine schwere Hüftverletzung erlitt.

K'Lavon Chaisson, Linebacker von der LSU, kann diese Diskussionen nicht nachvollziehen. Denn eigentlich, so glaubt der 20-Jährige, dürfte es gar keine zwei Meinungen geben.

So tönte Chaisson beim Combine: "Es ist doch offensichtlich. Ich werde ehrlich sein: Ich bin der wertvollste Spieler in diesem Draft. Und das wissen wir alle."

Der Mann, der drei Football-Sprachen spricht

Warum das so ist? Der 1,93 Meter große und 113 Kilogramm schwere Athlet zieht einen Quervergleich zum Arbeitsmarkt: "Wenn Sie jemanden einstellen würden, möchten Sie dann einen Mitarbeiter haben, der nur eine Sprache spricht? Oder hätten sie lieber jemanden, der drei Sprachen spricht? Ich bin derjenige, der drei Sprachen spricht."

Welche Sprachen das sind? "Ich kann Pass Rush, ich kann jeden Gegenspieler decken und ich kann das Laufspiel stoppen. Kein Offensive Lineman wird jemals dazu in der Lage sein, mich vom Ball abzuschirmen oder mich einzuschüchtern", erklärt er. 

Stellt sich die große Frage: Ist Chaisson wirklich so gut, wie er behauptet? Oder ist er vor allem ein Großmaul?

LSU-Leistungsträger - zumindest 2019

Vergangene Saison zählte er tatsächlich zu den Schlüsselspielern der LSU Tigers. Mit 6,5 Sacks, 60 Tackles, 13,5 Tackles für Raumverlust und einem erzwungenen Ballverlust war er ein Grund dafür, dass LSU die College-Meisterschaft gewann.

Betrachtet man allerdings seine gesamte College-Laufbahn, so relativieren sich die Zahlen: In drei Spielzeiten kamen insgesamt 9,5 Sacks zusammen.

Nun ist ihm zugute zu halten, dass er in der Saison 2018 aufgrund eines Kreuzbandrisses lediglich ein Spiel bestreiten konnte. Trotzdem: 9,5 Sacks sind gut - aber nicht überragend.  

Chaisson sieht das natürlich anders. "Lassen Sie sich nicht von der Anzahl der Sacks täuschen", fordert er. "Ich bin in jedem Spiel produktiv. Mein Einfluss ist immer spürbar. Ich bin nicht nur ein Pass-Rusher. Ich kann Spiele auf andere Weise beeinflussen."

Immer im Gesicht der Quarterbacks

Selbst wenn er keine Sacks macht, würde er ständig Druck ausüben, erklärt er: "Ich bin immer im Blickfeld des Quarterbacks. Alle O-Liner, gegen die ich je gespielt habe, werden bestätigen, dass sie meine Anwesenheit jederzeit gespürt haben." 

Nun sind die Qualitäten von Chaisson unbestritten: Der Edge-Rusher ist flexibel einsetzbar, sehr athletisch und beweglich, hat für seine Position den idealen Körperbau und ist auf wie auch neben dem Spielfeld ein Anführer.

Laut seinem offiziellen Draft-Profil ist er ein Pass-Rusher mit Pro-Bowl-Potential. Er gilt als ein ähnlicher Spielertyp wie Aldon Smith, der nach längerer Karriere-Unterbrechung nun bei den Dallas Cowboys einen Vertrag unterschrieb.

Die Experten sind sich einig, dass Chaisson ein Erstrundenpick ist. Doch ist er wirklich der wertvollste Spieler im gesamten Draft?

In den Mock Drafts vieler Experten wird er meistens Mitte der ersten Runde ausgewählt, manchmal auch etwas später.

Viele Fragezeichen

Hinter dem Linebacker stehen nämlich auch Fragezeichen. Zunächst einmal gilt er als verletzungsanfällig. Da wäre nicht nur der Kreuzbandriss 2018, sondern auch eine Knöchelverletzung, die ihn 2019 zwei Partien kostete.

Zudem ist er nicht frei von Schwächen: Seine Balance und seine Handarbeit gelten als verbesserungswürdig. Er erfüllt auch nicht die Anforderungen eines physischen Run-Stoppers.

Ebenfalls wichtig: Chaisson hat noch nicht bewiesen, in den ganz großen Spielen zu funktionieren. Im Finale um die College-Meisterschaft blieb er mit zwei Tackles eher unauffällig. Dafür aber trumpfte er im Peach Bowl mit zwei Sacks auf.

Vater Kelvin wurde erschossen

Das Talent liegt dabei gewissermaßen in der Familie: K'Lavons Vater Kelvin Chaisson war ebenfalls Linebacker und spielte für die Baylor University.

"Er war ziemlich gut", so K'Lavon. "Was mein Vater als Footballspieler geleistet hat, hat mich selber motiviert."     

Im Alter von 33 Jahren, Sohnemann K'Lavon ging noch zur High School, wurde Kelvin Chaisson erschossen. Es blieb ihm verwehrt, die sportliche Entwicklung seines Sohnes mitzuerleben.    

"Ich weiß, mein Vater würde sich freuen", ist sich Chaisson sicher. "Er hat mir immer gesagt, ich soll bei jedem Spiel hart arbeiten. Das hat mich angetrieben."

Und aus ihm einen der besten Spieler der diesjährigen Draft-Klasse gemacht.

Nur ob er wirklich der wertvollste Spieler ist, wird K'Lavon Chaisson erst noch beweisen müssen.

Oliver Jensen

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