Fünf Problemfälle in der NFL (von links): Mitchell Trubisky, Kyle Allen, Phi... - Bildquelle: gettyFünf Problemfälle in der NFL (von links): Mitchell Trubisky, Kyle Allen, Philip Rivers, Mason Rudolph und Nick Foles © getty

München - Elf Spieltage sind rum, das Ende der Regular Season in der NFL rückt immer näher. Allmählich trennt sich die Spreu vom Weizen. Gleich eine Hand voll Quarterbacks ließ ihre Franchise am letzten Spieltag im Kampf um die begehrten Plätze im Stich. Einige scheinen mit dem Playoff-Druck zurechtzukommen. 

ran.de zeigt, welche Quarterbacks wackeln. 

Philip Rivers (Los Angeles Chargers) 

Die Playoff-Chancen der Chargers (4-7) sind nach der Pleite im Monday Night Game gegen die Kansas City Chiefs auf ein Minimum gesunken. Wie schon bei der 24:26-Pleite gegen die Oakland Raiders in der Vorwoche stand der Quarterback der Chargers völlig neben sich. Insgesamt sieben Rivers-Pässe landeten in beiden Spielen beim Gegner - drei gegen Oakland, vier gegen die Chiefs.

 

Rivers ist der erste Quarterback der Chargers seit Erik Kramer im Jahr 1999, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielen mindestens drei Interceptions warf. Zuletzt feuerte er 2016 gegen die Miami Dolphins vier Bälle in einem Spiel in gegnerische Hände. Seine 13 Interceptions und 15 Turnover in dieser Saison bedeuten einen persönlichen Negativrekord.

Gerade in engen Spielen versagt Rivers. Er hat als Starting Quarterback 61 Spiele mit sieben Punkten Unterschied oder weniger verloren - mehr als jeder andere in der Super Bowl Ära. Im Dezember wird Rivers 38 Jahre alt und nicht wenige Experten halten ihn für nicht mehr NFL-tauglich.

"ESPN"-Analyst Jordan Schultz schreibt auf Twitter: "Rivers hat eine unglaubliche Karriere hingelegt, er ist für mich ein Hall-of-Fame-Kandidat. Aber er ist kein Starting Quarterback mehr. Er ist es einfach nicht mehr. Sein Arm war nie überragend und mittlerweile ist er einfach nur noch schlecht. Er braucht ewig, um Entscheidungen zu treffen, seine Beinarbeit ist lahm. Tyrod Taylor sollte für den Rest der Saison übernehmen." 

Zu allem Überfluss verletzte sich Rivers auch noch gegen die Chiefs am Wurfarm. Kurz vor Ende des zweiten Viertels trottete er an die Seitenlinie mit den Worten: "Diese Sch... passiert jedes Mal." Rivers konnte das Spiel beenden und es ehrt ihn, dass er die Wehwehchen am Arm nicht als Ausrede für seine schwache Leistung geltend machte. "Diese Fehler dürfen mir nicht passieren", sagte er. 

Auch in dieser Saison wird Rivers wohl der Traum von der ersten Super-Bowl-Teilnahme verwehrt bleiben. In der kommenden Woche haben die Chargers spielfrei. So bleibt Rivers wenigstens genug Zeit, die Wunden zu lecken.  

Mason Rudolph (Pittsburgh Steelers) 

Der Roethlisberger-Vertreter war an dem Aufreger der gesamten NFL-Saison beteiligt. Stichwort Helmattacke von Myles Garrett. Tagelang lief die Prügelszene auf sämtlichen Plattformen rauf und runter, das Sportliche des Thursday Night Games fand kaum Erwähnung.

 

Dabei war Rudolph hauptverantwortlich für die fünfte Niederlage der Steelers. Der Quarterback (23/44, 221 YDS, TD, 4 INT) fand nie ins Spiel und traf gleich mehrere falsche Entscheidungen. Seine vier Interceptions gehen komplett auf seine Kappe; bei dem einen abgefälschten Ball wurde der von Rudolph auserwählte Receiver gut gecovert.

Zuvor hatte Rudolph nach einem sehr holprigen Start aufsteigende Tendenz gezeigt und die Steelers zu vier Siegen in Folgen geführt. Das Spiel gegen Cleveland war aber ein herber Rückschlag, sowohl für Rudolph als auch für die Playoff-Chancen der Steelers. In den Statistiken TD pro INT, geworfene Yards und Completions liegt Rudolph jenseits der Top 20. (Quelle: ran-Datenbank)

Sein Pass-Rating schrumpfte nach der Horror-Vorstellung gegen die Browns von durchschnittlich 103.2 auf 74.2. In seinen acht Spielen als Starter warf er acht Interceptions und verlor nach Sacks viermal den Ball. Rudolph hat große Schwächen im Downfield Passing, durchschnittlich wirft er pro Versuch nur 6,3 Yards. Zugute halten muss man Rudolph, dass ihm mit Juju Smith-Schuster und Diontae Johnson zuletzt zwei starke Receiver fehlten. 

Dennoch muss er in den nächsten Spielen endlich konstant liefern, sonst finden die NFL-Playoffs zum zweiten Mal in Folge ohne den sechsmaligen Super-Bowl-Champion statt.  

Kyle Allen (Carolina Panthers) 

Für den Newton-Ersatz gilt das Gleiche wie für Rudolph: Eine katastrophale Vorstellung gegen die Atlanta Falcons lässt an seinen Fähigkeiten, die "Cats" in die Playoffs zu führen, zweifeln. Der Signal Caller leistete sich bei 325 Yards (0 TD) vier Interceptions gegen ein keineswegs furchteinflößendes Falcons-Team, das mit gerade mal mit zwei Saisonsiegen im Gepäck in Carolina antrat.

Kein Geringerer als der eigene Head Coach machte Allen nach der Partie öffentlich rund. "Ich kann mich nur wiederholen. Er hat erneut falsche Entscheidungen getroffen. Er muss den Ball besser schützen, bessere Calls machen und besser werfen", sagte Ron Riviera. 

Dabei war Allen als Vertreter des verletzten Cam Newton glänzend in sein diesjähriges NFL-Abenteuer gestartet. In seinem ersten Spiel (Woche 3 gegen Arizona) gelangen ihm gleich vier Touchdown-Pässe. In seinen ersten vier Spielen als Starter warf er nicht eine Interception, in den vier darauffolgenden Partien dagegen neun.

Allen ist der Quarterback, der unter den derzeit aktiven 32 Startern in der NFL am wenigsten verdient: das Minimal-Gehalt von 495.000 US-Dollar. Nach dem Debakel gegen die Falcons meinen einige Panthers-Fans zurecht.  

Nick Foles (Jacksonville Jaguars) 

Der Super-Bowl-Champion von 2018 hat in Jacksonville per se einen schweren Stand. Gardner Minshew II ist aufgrund seines Erscheinungsbildes (olivegrüne Bomberjacke, Stirnband, Schnauzer) nicht nur eine NFL-Kult-Figur, sondern auch absoluter Liebling der Fans der Jags. Die "Minshew Mania" wurde weit über die Grenzen Jacksonvilles hinaus bekannt. 

Minshew hat als Backup von Foles der Jaguars überwiegend gute Leistungen gezeigt. Dass "Holy Nick" nach überstandener Verletzung übernehmen würde, war aber auch Minshew bewusst. Zumal Minshew bei seinem letzten Auftritt als Starter gegen die Houston Texans in London eine äußerst dürftige Vorstellung ablieferte.

Um sich in der tabellarisch verdammt engen AFC South durchzusetzen, vertrauen die Jags voll auf die Magie von Nick Foles. Doch der enttäuschte bei seinem Comeback im wichtigen Division-Game gegen die Indianapolis Colts (13:33). Im Jags-Fan-Forum "bigcatcountry" wird Foles - neben der katastrophalen Verteidigung am Boden - für die Niederlage verantwortlich gemacht. Seine Zahlen gegen die Colts (296 YDS, 2 TD, 1 INT) seien deutlich besser als es die Leistung tatsächlich auf dem Feld war. 

Die ersten Fans schreien bereits nach Gardner Minshew, doch das wird nicht passieren. Die Jaguars haben ihren Trumpf Foles gespielt und werden weiter auf ihn setzen. Oder wie es ein Jags-Anhänger formulierte: "Das Heu ist aus der Scheune, die Zahnpasta ist aus der Tube. Die Jaguars haben ihr Bett mit Foles gemacht und jetzt liegen sie drin. Mit ihm. Es gibt kein Zurück mehr."

Mitchell Trubisky (Chicago Bears) 

Nach 58 quälenden Minuten wurde Trubisky "erlöst". Head Coach Matt Nagy setzte seinen strauchelnden Quarterback im Spiel gegen die Los Angeles Rams auf die Bank, für die letzten Minuten übernahm Chase Daniel. Anschließend begründete Nagy seine Maßnahme mit einer Hüftverletzung, Trubisky selbst sprach von Hüft-Schmerzen, die ihn ab dem zweiten Viertel stark behindert hätten.  

Doch das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Viele NFL-Experten sind der Ansicht, dass Trubisky aufgrund seiner enttäuschenden Saison nicht mehr tragbar ist als Starter der Bears und Nagy nur einen Vorwand suchte, um seine Entscheidung zu rechtfertigen, ohne Trubisky dabei zu kränken. 

Unterstützt wird diese These durch die Tatsache, dass Trubisky nicht im Medical Tent der Bears verschwand, sondern das Spielende an der Seitenlinie verfolgte.

Zuvor waren Trubisky und seine Offensive nicht in der Lage, die starke Vorstellung der Bears-Defense zu veredeln. Beim Stand von 7:10 und dem ersten eigenen Touchdown erzwangen die Bears vier Punts der Rams in Folge. Ihrerseits schafften Trubisky und Co. in den nächsten 14 Plays lächerliche 30 Yards und mussten ebenfalls vier Mal punten. 

Mit einer Bilanz von 4-6 kann die Bears nur noch ein Wunder in die Playoffs bringen. Daran hat Trubisky entscheidenden Anteil. Er kann seine starke letzte Saison nicht wiederholen. 2018/19 warf er in 14 Spielen 24 TD-Pässe, in der laufenden Saison sind es neun in neun Spielen. 230 Yards pro Spiel stehen 175 in diesem Jahr gegenüber. 

Wer im nächsten Spiel der Bears gegen die New York Giants Chicagos Quarterback sein wird, ist eine der spannendsten Fragen dieser Woche.

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