Kareem Hunt ist jetzt auf dem Free-Agent-Markt - Bildquelle: imagoKareem Hunt ist jetzt auf dem Free-Agent-Markt © imago

Kansas City/München - Kareem Hunt war ein Leistungsträger bei den Überfliegern der Kansas City Chiefs. Doch ein Skandal-Video später steht Hunt ohne Team, dafür aber mit einer drohenden langen Strafe und einem völlig ruinierten Ruf da.

An der Besserung seines Rufes will der Running Back nun offenbar arbeiten. Laut Ian Rapoport wolle er sich nun bezüglich seiner Probleme beraten lassen. 

ran.de fasst in einer Chronik zusammen, wie es dazu kommen konnte und wie die Zukunft des Running Backs aussehen könnte. 

Februar 2018: Erstmals kommen Vorwürfe ans Tageslicht

Im Februar wird bekannt, dass der inzwischen 23-jährige Hunt eine Auseinandersetzung mit einer Frau gehabt haben soll. Es folgten Untersuchungen sowohl durch die NFL, als auch durch die Behörden. Auch die Chiefs haben Hunt zu einem Gespräch vorgeladen. Eine Bestrafung oder ein Haftbefehl blieben allerdings aus.

Juni 2018: Neuer Vorwurf - Hunt soll einen Mann geschlagen haben

Kareem Hunt soll sich einen weiteren Fehltritt geleistet haben, indem er einen Mann schlug. Der Vorfall bleibt zunächst aber ohne Folgen.

August 2018: Hunt entschuldigt sich

Kurz vor dem Saisonbeginn bezieht Hunt Stellung zu beiden Vorkommnissen und meint, er habe "daraus gelernt" und sei nun "voll auf Football fokussiert". Chiefs-Eigentümer Clark bezeichnet den Running Back als "jungen Mann", der "in der Offseason sicher ein paar Lektionen gelernt hat und hoffentlich nicht mehr in Situationen wie diese gerät". Der Owner geht nicht von einer Bestrafung durch die NFL aus und behält zunächst auch Recht. Coach Andy Reid sieht von einer internen Disziplinierung seines Star-Spielers ab.

30. November 2018: Video wird veröffentlicht

In dem von "TMZ" veröffentlichten kurzen Clip einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie Hunt und das Opfer erst einige Worte wechseln und von anderen Personen voneinander getrennt werden. Der Running Back schubst die Frau, die den 23-Jährigen daraufhin ins Gesicht schlägt. Zwei Männer zerren Hunt anschließend fort, doch der Running Back macht sich frei und rempelt einen weiteren Mann an, der die Frau mit sich reißt. Hunt tritt die Frau zudem gegen das Bein.

Nach "TMZ" ereignet sich die Szene in einem Hotel in Cleveland, in dem Hunt ein Apartment gemietet hatte. Die herbeigerufene Polizei habe niemanden festgenommen oder den Vorfall zur Anzeige gebracht.

Die Frau und Hunts Begleiter machen den Berichten zufolge unterschiedliche Aussagen zur Ursache der Auseinandersetzung. Demnach gibt das Opfer an, sie wurde angegriffen, weil sie sich weigerte, mit einem von Hunts Begleitern Sex zu haben. Die Männer beschuldigen die Frau dagegen, Hunt als N***** beschimpft zu haben, als der diese des Hotelzimmers verwiesen hatte.

30. November 2018: NFL kündigt Untersuchungen an

Wie genau der Vorfall ablief, will die NFL nun in neuen Untersuchungen und in einer Befragung von Hunt herausfinden. Bis diese Untersuchungen abgeschlossen sind, steht der Running Back auf der "Exempt List" und darf damit weder trainieren, noch an NFL-Spielen teilnehmen. Hunt droht nun wegen der beiden gewaltsamen Vorfälle eine Sperre, die laut NFL-Insider Ian Rapoport über die übliche Sechs-Spiele-Suspendierung bei häuslicher Gewalt hinausgehen werde. Hunt wolle eine verhängte Strafe möglichst schnell ohne Einspruch akzeptieren, um so von der Exempt List genommen zu werden. Denn erst wenn dies geschehen ist, wird die Spielsperre wirksam.

30. November: Chiefs trennen sich von Hunt

Die Kansas City Chiefs reagieren auf die Vorwürfe und trennen sich von Hunt. Im offiziellen Statement der Chiefs heißt es: "Anfang des Jahres wurden wir auf den Vorfall aufmerksam gemacht. Zu dieser Zeit leiteten die National Football League und die Strafverfolgungsbehörden Ermittlungen ein. Im Rahmen unserer internen Gespräche mit Kareem sprachen mehrere Mitglieder unseres Managementteams direkt mit ihm. Kareem war in diesen Gesprächen nicht ehrlich. Das heute veröffentlichte Video bestätigt diese Tatsache. Wir stellen Kareem sofort frei."

1. Dezember: Weitere Details kommen ans Tageslicht

Der sich gegen Rassismus engagierende Filmproduzent Tariq Nasheed bringt auf Twitter weitere Informationen ans Licht. So soll Hunt zwei Frauen aus dem Hotelzimmer geworfen haben, nachdem er herausgefunden hatte, dass sie zu jung waren, um alkoholische Getränke zu sich zu nehmen.

Im Anschluss habe die Frau circa 30 Minuten lang an die Zimmertür geschlagen und Hunt lautstark mit "F*** you ni**er" angeschrien. Dies soll auch im Polizeireport vermerkt sein. Erst nach diesem Vorfall soll Hunt die Frau geschubst und im weiteren Verlauf geschlagen sowie getreten haben.

Zudem habe eine Freundin des späteren Opfers auch noch versucht, sie zum Gehen zu bewegen. Diese habe dies aber abgelehnt und sei in der Folge nicht zu beruhigen gewesen. Auch der Versuch einer Freundin Hunts scheiterte, denn das spätere Opfer soll Hunts Freundin ins Gesicht geschlagen haben.

2. Dezember: Ray Rice bietet Hunt Hilfe an

Der ehemalige Running Back Ray Rice bietet Kareem Hunt seine Hilfe an. Der ehemalige Spieler der Baltimore Ravens produzierte im Jahre 2014 ähnliche Schlagzeilen wie Hunt, als ein Video an die Öffentlichkeit geriet, in dem er seine Verlobte bewusstlos schlug. Nach der Sperre und der Entlassung der Ravens fand Rice kein Team mehr.

"Wenn man zurückschaut, gibt es Ähnlichkeiten zu dem, was bei mir damals passiert ist", sagte der 31-Jährige über Hunt. "Ich würde ihm definitiv helfen und gemeinsam mit ihm herausfinden: Wie können wir mit dem zugrunde liegenden Problem umgehen? Weil er noch ein langes Leben vor sich hat, wird dies entscheidend für ihn sein."

2. Dezember: Hunt meldet sich zu Wort: "Chiefs haben das Richtige getan"

Kareem Hunt gibt "ESPN" ein Interview und entschuldigt sich: "Ehrlich gesagt möchte ich die Welt nur wissen lassen, wie leid mir das alles tut. Es war eine schwere Zeit für mich. Dieses Video ist mir extrem peinlich."

Zudem erklärt Hunt, dass er seinem Ex-Team wegen der Entlassung nicht böse sei. "Die Chiefs haben das Richtige getan. Ich habe eine schlechte Entscheidung getroffen und trage dafür die volle Verantwortung", sagt Hunt und fügt hinzu: "Ich habe das Gefühl, dass ich die Chiefs im Stich gelassen habe, meine Familie und die Spieler - und diese sind wirklich wie meine Brüder"

Weiter sagt der 23-Jährige: "Ich wünschte, ich könnte mich bei ihnen entschuldigen und ihnen sagen, dass es von meiner Seite keine bösen Gefühle gibt. Ich liebe das Programm, ich liebe die Menschen dort. Ich möchte diese Zeit einfach mitnehmen und nutzen, um mich weiter zu verbessern."

Der Running Back kündigt an, sich behandeln zu lassen und dass er glaubt, eine zweite Chance verdient zu haben: "Was in diesem Video passiert, das bin nicht ich. Das ist nicht die Person, die ich eigentlich bin."

2. Dezember: Vollmer und Kuhn begrüßen Entlassung von Hunt

Die ran-Experten Markus Kuhn und Sebastian Vollmer begrüßen die Entscheidung der Kansas City Chiefs, Kareem Hunt zu entlassen. "Gewalt gegen Frauen hat in der Welt und bei uns in der Liga nichts zu suchen", stellt Vollmer klar. "Daher finde ich die Aktion sehr gut, dass sie ihn entlassen haben und damit ein Zeichen gesetzt haben. Ich finde es gut, dass sie sagen: Moral über Talent."

Kuhn sieht das genauso und erwartet gespannt die weitere Entwicklung: "Mal schauen, was die Liga macht, wie hoch die Strafe ausfällt. Der eine oder andere Spieler hat schon einmal so etwas getan und es zurück in die Liga geschafft. Ob das wieder der Fall sein wird, wird sich zeigen."

 

4. Dezember: Hunt offiziell Free Agent

Die Waiver-Deadline ist abgelaufen - Kareem Hunt ist nun offiziell Free Agent. Der Running Back wurde von keinem Team der NFL unter Vertrag genommen. 24 Stunden hatten die Teams Zeit, um den 23-Jährigen zu sich zu holen. Da die Frist verstrichen ist, kann sich Hunt nun frei entscheiden, wo seine sportliche Zukunft sein soll. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass nach den Vorfällen überhaupt eine Franchise Interesse an dem talentierten Ballträger hat. 

Da sich Hunt immer noch auf der Exempt-List der NFL befindet, darf er aktuell weder am Spiel- noch am Trainingsbetrieb eines Teams teilnehmen. Außerdem droht ihm immer noch eine Sperre von mindestens sechs Spielen.

4. Dezember: "TMZ" berichtet von neuen Vorwürfen gegen Hunt

Es kommt immer dicker. Wie "TMZ Sports" berichtet, soll Hunt bereits im Januar in eine weiteren Auseinandersetzung involviert gewesen sein. Laut eines Polizeiberichts soll Hunt gemeinsam mit weiteren Personen einen Mann in einem Nachtclub attackiert haben. Das Opfer habe in dem Bericht angegeben, Knochenbrüche und Prellungen erlitten zu haben. Auch Hunts Ex-Teamkollege George Atkinson III soll involviert gewesen sein. 

"TMZ" ist außerdem im Besitz von Videomaterial, in dem zu sehen ist, wie Hunt in dem Nachtclub von mehreren Personen zurückgehalten und beruhigt werden muss. Bilder des angeblichen Angriffs gibt es allerdings nicht. 

Die beiden NFL-Profis wurden nach dem Vorfall nicht verhaftet. Außerdem wurde keine Strafanzeige erstattet. Nach "TMZ"-Informationen habe das Opfer aufgehört mit der Polizei zu kooperieren. 

7. Dezember: Keine Fragen von der NFL zum Februar

Einem Bericht der New York Times zufolge haben sich die NFL-Ermittler zwar im Herbst mit Hunt unterhalten, ihn allerdings nur zu den Vorfällen im Sommer befragt. Im Juni soll Hunt einen Mann in einem Ressort in Ohio geschlagen haben. 

Fragen zum Vorfall im Februar, wo Hunt Abigail Ottinger attackiert haben soll, wurden aber nicht gestellt. Der Vorfall war zu dem Zeitpunkt bekannt, das zuletzt aufgetauchte Video allerdings nicht. Die NFL habe warten wollen, bis es in dem Fall neue Beweis gegeben hätte, heißt es in dem Bericht. Die gab es damals nicht. Kein ungewöhnlicher Vorgang, allerdings wären weitere, neue oder andere Fragen zur Auffrischung des Falls nicht von Nachteil gewesen, wie sich inzwischen ja herausgestellt hat.

8. Dezember: Kein Nachspiel vor Gericht?

Für Kareem Hunt könnte es zumindest vor Gericht kein Nachspiel geben. Das vermeintliche Opfer Abbigail Ottinger sieht nun entgegen ersten Absichten offenbar davon ab, den früheren Running Back der Kansas City Chiefs zu verklagen. ESPN hatte im Rahmen einer Rekonstruktion der Geschehnisse versucht, Kontakt zu der 19-Jährigen aufzunehmen.

Die Familie teilte allerdings mit: „Das Ganze ist sehr schwierig für sie und alles, was sie will, ist ihre Privatsphäre.“ Gut möglich also, dass sich Hunt vor Gericht gar nicht verantworten muss. Parallel gibt es auch Gerüchte, dass sich Hunt und Ottinger (oder deren Anwälte) außergerichtlich geeinigt hätten. So oder so: Die Untersuchungen der NFL würde das nicht verhindern.

9. Dezember: Hunt holt sich Alkohol- und Anti-Aggressions-Beratung

Kareem Hunt gelobte im Interview mit "ESPN" Besserung und ergreift nun offenbar die ersten Maßnahmen. Der Running Back will sich laut NFL-Insider Ian Rapoport in Sachen Alkoholmissbrauch und Aggressionsbewältigung beraten lassen. Hunt wolle damit zeigen, dass er die Ernsthaftigkeit seiner Situation erkennt und wisse, dass nun jeder seine Schritte hinterfragt werde. 

In den vergangenen Tagen hat sich Hunt mit Verantwortlichen der NFL-Spielergewerkschaft in Verbindung gesetzt und wird sich in einigen Wochen mit NFL-Offiziellen treffen. 

Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp

US-Sport-Videos

US-Sport-News

US-Sport-Galerien

Die nächsten Spieltage

NFL 2018 / 2019